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Liberales Judentum · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. Seite 219

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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Ar. Goldschmidt: Zur Wahrheit über die Richtlinien und zum Frieden 219 Halbwissern besetzt wurden. In verschiedenen Gemeinden der Provinz Posen, wo noch alte „Lamdonim" waren, hat man sich gefragt: „wie kann Reb Tzriel Hildesheimer ein jers schomajim (Gottesfürchtiger) . sein, wenn er unserem Rabbiner die Hatorath horaa (2lxprobation als Rabbiner) gegeben hat? Reb Tzriel Hildesheimer hätte es auch wirklich nicht getan, wenn die Politik der Orthodoxie als Partei ihm nicht über den Kopf gewachsen wäre. Da er für ein Rabbiner-Seminar Beiträge in den Gemeinden gesammelt hatte, so hatten die Gemeinden ein Recht, die Lieferung von Rabbinen von ihm zu verlangen. So lange den Ausländern keine Naturalisations-Schwierigkeiten gemacht wurden, konnte diesem verlangen noch mit tüchtigen Talnrudisten entsprochen werden. Als aber das deutsche Abiturienten - Zeugnis über „Thower" und „Rkorenu" (Zeugnisse der Talmudschulen) den Sieg davon trug und auch die Naturalisation Schwierigkeiten machte, und schließlich die deutschen Rabbinats-Kandidaten auch ihren Anspruch auf Anstellung zur Geltung brachten, da trat eben das ein, was unter den gegebenen Umständen eintreten mußte. Die pilpulistische Methode des orthodoxen Talmudstudiums verkürzt dem orthodoxen Rabbinats-Kandidaten noch die karg zugemessene Zeit, die Gymnasium und Universität ihm lassen. Der größte Gegner der pilxulistik war kein Geringerer, als S. R. Hirsch. Tr besaß eine ungeheure Belesenheit auf dem ganzen Gebiete des Talmudstudiums, aber ein „Pschetel", einen „harben Rambam", den der Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach so hoch einzuschätzen scheint, konnte er nicht ausstehen. Tr besaß keine Spur von Pilpulistik. Tr hat an Schabbath haggadol und Schabbath Teschuba keine „Schitta", keine „Sugja" gelernt; er fühlte in sich, daß er zum Pilpulisten nicht das Zeug habe, nicht 'das Zeug haben könne, da ihm die Zeit dazu fehlte, und da überließ er die pilpulistischen Lorbeeren gerne Andern, z. B. Reb Tewele Bondi, der alljährlich seine Schitto in der Klaus lernte und eine Thariphus - Deroscho (pilpulistischen Vortrag) darüber hielt. Zu dieser Thäriphus-Deroscho kam S. R. Hirsch noch nicht einmal — er war kons equent. — Seine Tpigonen sind aus anderem Holze geschnitzt. Sie können nichts dafür. Sie sind die Schüler des Hildesheimerschen ,Rabbiner-Seminars. Das Hildesheimerh'che Rabbiner-Seminar hat unter dem Rektorate seines Gründers die deutschen Rabbinats-Kandidaten mit einer sehr krankhaften Pilpulistik infiziert. Das lag an keinem andern als an dem Gründer, Herrn Dr. I. Hildesheimer. — Klein ewig hochverehrter Lehrer Dr. I. Hildesheimer steht als Mensch, als Gelehrter, als Lehrer, als Organisator so hoch, daß ihm eine Kritik seiner pilxulistik wahrlich nichts anhaben kann. Hildesheimers talmudische Gelehrsamkeit war geradezu phänomenal. Zur Illustration möge folgendes dienen: Von seinen (50 Schülern in Tisenstadt hatten etwa 75 die Pflicht, außer dem obligatorischen talmudischen Pensum (Schiur), das in einem Kolleg von täglich 2 Stunden bei ihm oder den anderen Lehrern durchgenommen wurde, ein freiwilliges Pensum selbständig durchzuarbeiten. In der Wahl waren sie vollständig frei, nur mußten sie sich allmonatlich in diesem selbständig durchgearbeiteten Pensum einer Prüfung unterziehen. Diese Prüfung nahm Hildesheimer selbst vor. Da fragte er jeden, was er durchgenommen habe, und ohne ein Buch zur Hand zu nehmen, unterzog er ihn der Prüfung. Der Tine hatte z. B. Traktat Menachoth folio 37—Hf „gelernt", der andere Nidda ff—f5, der dritte Maimonides Mechufre kappara c. 2—H zc. Dr. Hildesheimer prüfte

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