Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 215 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau 215 brauchtet Ihr ja den Verein nicht, in dem Luch das Judentum nahegebracht werden soll; gerade wenn Ihr kein Interesse habt, kommt zu den Versammlungen und Vorträgen und hört zu, dann wird Euer Interesse wach werden, und Ihr werdet die im Verein zugebrachte Zeit nicht als verloren ansehen. Denkt aber auch daran, daß ein Verein, den man nur zeitweise als Gast besucht, unmöglich in Luch die Anteilnahme auslösen kann, wie einer, in dem Ihr tätiges Mitglied seid. wenn alle Menschen sich von dem fern halten wollten und dürften, was sie nicht verstehen, woran sie kein Interesse haben, wofür sie keine Zeit zu haben glauben, so gäbe es keinen Fortschritt, keine geistige große Bewegungen, keinen Idealismus mehr. Das Verständnis und das Interesse wächst, je mehr wir uns einer Sache hingeben. Das gesetzestreue Judentum verlangt von seinen Bekennern im täglichen Leben ungeheure Opfer, und Ihr, die Ihr es doch mit Recht entrüstet ablehnt, wenn die Orthodoxie Luch nicht mehr als Juden ansehen will, Ihr wolltet unserer und euerer Sache nicht einmal das kleine Opfer an Zeit und Kraft bringen, daß Ihr Luch in Reih und Glied stellt mit denen, die Luer bedürfen, deren aber auch Ihr bedürfet, damit durch einen großen Zusammenschluß aller geistig Verwandten die gemeinsame Kraft gestärkt und dem liberalen Judentum durch die begeisterte Jugend eine große Zukunft bereitet werde. Und so ergeht an die Alten und Jungen, an Männer und Frauen unser Ruf: Fördert die bestehenden Iugendvereine, gründet neue, arbeitet in ihnen zum Wöhle des gesamten Judentums und zeiget durch sie die schöpferische Werbekraft des liberalen Judentums! Rundrchau. Srrlin. Der „I ü d i s ch -liberale Iugendverein" Berlin veranstaltete am 19- Mai er. eine öffentliche Versammlung mit dem Thema „D i e d e u t s ch e n I u d e n u n d der Zionismus". Das Thema sowohl wie die Namen der Referenten, des Rechtsanwalts Dr. Bruno Weil-Straßburg und des Rabbiners Dr. Felix Goldmann-Oppeln hatten ein mehr als tausendköpfiges Publikum zu dieser Kundgebung zusammengeführt. In glänzender, oratorisch packender und von gediegener Sachkenntnis zeugender Rede behandelte zuerst D r. weil die politische Seite des Problems. Lr gab einen Ueberblick über die Geschichte der Lmanzipation der Juden, schilderte, wie die ersten Lrfolge den Juden zuerst aufgezwungen werden mußten, und wie erst später ein eigentlicher Lmanzipationskampf einsetzte, dessen Ziel, die volle Gleichberechtigung auch in der Praxis durchzusetzen, allerdings auch jetzt noch nicht in vollem Umfange erreicht sei. Dann behandelte er die Lntstehung des Zionismus, der, teils eine Reflexwirkung des Antisemitismus, auf einer pessimistischen Auffassung der Möglichkeiten des Lmanzipationskampfes basiere, teils einer neuerdings zur Geltung gekommenen „neu-romantischen" Geistesrichtung entspringe. Der Redner entwickelte dann Wesen und Ziele des Zionismus an seinem Baseler Programm». Lr wies nach, daß die staatsrechtlichen Merkmale eines „Volkes", als welches die Zionisten die Juden ansehen, bei ihnen nicht gegeben seien, da ihnen weder Land, noch Sprache, noch Kultur, ja nicht einmal durchweg die Abstammung im Sinne eines zwischen ihnen bestehenden Tonnubiums gemeinsam seien. Lin alle Juden umfassendes nationales Gemeinschaftsgefühl gebe es nach 'seinem Lmpfinden und nach dem der großen Mehrheit der deutschen Juden nicht; freilich könne man keinem verwehren, anders zu empfinden. Auch die praktischen Forderungen des Baseler Programms, die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, d. h. — nach der jetzt herrschenden Interpretation — eines I unter türkischer Herrschaft stehenden, wenn