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Liberales Judentum · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 214

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 214 (sequence 22)
Language
German
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214 Kus der Jugendbewegung 0 0 c o Aus der Jugendbewegung. Unter dieser Rubrik werden non Jetzt ab regelmäßig Berichte über die Tätigkeit der jüdisch-liberalen Iugendvereine veröffentlicht werden. In erfreulicher weise wächst in der Jugend das Interesse an religiösen Problemen und infolge dessen an einer fortschrittlichen Entwicklung des Judentums. Die Iugendvereine haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens — der erste ist erst vor 3 Jahren entstanden — treffliches geleistet. Sie haben intensiv gearbeitet, haben Borträge, Versammlungen veranstaltet, haben durch Einrichtung von Kursen für jüdische Geschichte rc. ihren Mitgliedern Belehrung geboten und sie mit edler Begeisterung für das Judentum zu erfüllen sich gemüht. Zu einer wirksamen Entfaltung ihrer Kräfte bedarf die jüdisch-liberale Jugend jedoch der Zusammenfassung aller Gleichgesinnten. Deshalb ist es mit Freude zu begrüßen, wenn die jüdisch-liberalen Iugendvereine einen Ausschuß bilden wollen, der die liberale Propaganda von einer Stelle aus leitet und die einzelnen Vereine zu einer inneren Einheit zusammenschließen soll. In erster Reihe wird es die Aufgabe dieses Ausschusses sein müssen, die Gründung neuer Iugendvereine anzuregen und in die Wege zu leiten. Die sogenannten neutralen Iugendvereine können, bei aller tüchtiger, durchaus anerkennenswerter Arbeit, das nicht erreichen, was wir von unserem religiösen Standpunkt aus für wünschenswert halten müssen. R u r eine b e ft i m m t e r eligiöse Aufs a s s u n g kann die j ü d i sch e Jugend mit wahrer B e g e i st e ru n g für d i e Religion unserer V ä t e r e r - füllen, nur sie kann der Jugend einen ernsten Lebensinhalt, eine Weltanschauung bieten. Deshalb, Ihr liberalen Väter und Mütter, unterstützt die Jugend in ihrem Bestreben, sich diesen Lebensinhalt zu schaffen. Lasset es nicht zu, daß Eure Kinder in zionistische Vereine eintreten, in denen die Religion, das wertvollste, das das Judentum seinen Bekennern ins Leben mitgibt, gleichgiltige j)rivatsache ist. Sorget dafür, daß kein Zwiespalt zwischen Euch und Euren Kindern entsteht, der entstehen muß, wenn Ihr gleichgiltig dabei bleibt, wenn Euren Kindern das, was Ihr selber für gut und wahr erkannt habt, als bedeutungslos oder gar als schlecht und falsch dargestellt wird. Heber allen j)arteistandpunkteii steht auch für uns die Einheit des Judentums. Ein liberales Judentum zerstört diese Einheit jedoch nicht, sondern fördert sie. Denn liberal sein heißt duldsam und human sein. Deshalb, Ihr Väter, die Ihr Mitglieder der liberalen Vereinigung seid, achtet darauf, daß Eure Kinder in Eurem Sinne beeinflußt werden, unterstützt die Gründung von liberalen Iugendvereinen in Euren Städten, legt Euren Kindern keine Hindernisse in den WeL, wenn sie einen Abend in der Woche ihrer sittlichreligiösen jüdischen Fortbildung widmen wollen; die Stunden, die sie dadurch vom Jhause ferngehalten werden, werden aufgewogen durch den geistigen Gewinn, durch den Frieden und die harmonische Stimmung, die dann im Ijause herrschen werden, hervorgerufen durch die gemeinsamen Interessen, die Eltern und Kinder verbinden. Und Ihr meine jungen Freunde, wenn an Euch der Ruf ergeht, still und tapfer mitzuarbeiten am liberalen Judentum, entziehet Euch dieser Arbeit nicht. Saget nicht: „Ich verstehe nichts davon," oder „ich habe kein Interesse dafür," oder „ich habe keine Zeit." Wenn, Ihr alles wüßtet und verständet, dann

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