Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Gedichte eines deutschen Juden 0 0 O O Cinkehr und flbroehr. Gedichte eines deutschen Juden von €mil Spiegel-Prag. V. Schofa Des Schofar Ruf, er gilt uns allen, Sein schriller Ton, er gellt uns zu: Laßt alle falsche Hülle fallen, Ermannt euch aus erlogner Ruh! Nicht rein, nicht gut seid ihr gewesen Im Jahr, das nun fein Amen spricht; wohlan denn, wollet ihr genesen, Seht eurer Schuld ins Angesicht. Rad Beendet hat der Beter Rreis Die lange Reihe der Gesänge; Doch keiner geht, ein jeder weiß, Daß es den Schmerz vor Gott noch dränge. Und allwärts treten sie heran, Die allzufrüh verwaisten Männer, Gemeinsam heben sie nun an, Des schwersten Menschenleids Bekenner. Wajar (Gott sah, daß Wajar ki touw! Für Erfüllung klingt an Schon fallen leiser ui Und Trost blüht übc Rein Unglück könnt' uns dauernd lähmen, Wajar ki touw, das alte Wort, Ließ uns nn Mißklang noch vernehmen Des Weltalls klingenden Akkord, wenn wir der Welt uns nicht zu schämen Gebraucht in Bruder-Zwist und Mord, wenn wir gerechten Groll zu zähmen Vermocht, wir danken's diesem Wort. r-Lied. Rein Menschenspruch nimmt euch die Sünden, Die eigne Prüfung da entdeckt, Rein Menschenspruch darf euch verkünden, Daß ihr nun rein und unbefleckt. Rein Täuschen gilt und kein Verstecken, Hier gibt es keinen leichten Sieg, Selbst müßt ihr in euch selbst erwecken Die Gottesstimme, die euch schwieg. ) i s ch. Doch wird kein Rlagewort gehört, Nur Gottes Lob wird laut verkündet, Vielfältig wird die Rraft geehrt, Die diese Leidenswelt .gegründet. Und: Amen, Amen! Also läuft Es rings im Thor von Mund zu Munde: Des Glaubens Wunderbalsam träuft Belebend auf die frische Wunde. ti touw. alles gut sei.) heißes Sehnen unser Ghr, rs're Tränen all empor. Wajar ki touw! Der Gottheit Siegel Für Sinn und Güte dieser Welt, Wajar ki touw! Der künftigen Spiegel, Aus dem ein Strahl in unsere fällt Von jener Zeit, da eines Sinnes Die Menschheit sich zusammenschließt Und jenes Wort des Anbeginnes Sie aus dem eignen Werke grüßt. Die Bibel. wie ganz verschieden die Stimmen auch sprachen, Ulan hörte aus allen den Büchern nur eine, wie sehr sich die wogen der Zeit darin brachen In starker Bewegung, man merkte keine. Das Buch d e r B ü ch e r! Man hat als Ganzes, Als ein einziges Buch es zu lange genommen; Ist all der Reichtum in eins verschwommen. Gebleicht von der Fülle des göttlichen Glanzes,