Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 210

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 210 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3126481-3126558-3126567--1548-3128365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

210 0 0 - o o Prof. Ar. Kuttner: Szenische Silder aus der jüdischen Geschichte Killet (lächelnd). Ich weiß. Der Gläubiger läßt sich ein Pfand Vom Schuldner geben — das ist nicht verboten — Und hält's so lange, bis der Schuldner zahlt. Ionatan (erregt). Das halt' ich für Gesetzesübertretung, Denn das ist nicht die Uleinung des Gesetzes. Hillel. Gewiß nicht. Io na tan. Und ich kenne andere. Die wollen nicht die Schuld erlassen haben Und zahlen trotz Erlaßjahr ihre Schuld; Sie halten das für billig und verdienstlich. Hillel (lächelnd), verboten ist das nicht. Ionatan (erregt). Doch nicht befohlen. Ist das die Ehrfurcht vor dem Gotteswort, Daß man so leichten Herzens daran deutelt? Lsillel. Gewiß nicht. Ionatan (erregt). Aber was sagst du dazu, Wenn scheinbar großmütig der Gläubiger Zum Schuldner, sagt: „Die Schuld ist dir erlassen!" Und läßt sich dann vom Schuldner überreden, Zu nehmen, was er eben ihm geschenkt? Lsillel. Wer so verfährt, treibt Spott mit seinem Gotte. Ionatan. Noch schlimmer ist es, was ich auch schon sah; Der Schuldner sagt zu seinem Gläubiger: „Nimm dies Geschenk von meiner Hand!" und dies Geschenk ist das, was er ihm schuldete. M Heuchler, die das Gotteswort verdrehn! Hillel. Ulein Freund, ichließ dich ungestört Erzählen, was ich selber oft gesehn. Mas folgt aus alledem? Daß keiner das Gebot mehr halten will, wie Gott es gab, Weil eben keiner Geld verlieren will. Und so umgehen sie es, jeder anders, Und manche leihen überhaupt nichts mehr, Aus Furcht, es im Lrlaßjahr zu verlieren. Ionatan (erregt). Und denken dabei nicht an das verbot Das deutlich sagt im 5. Buche Moses: „Sei auf der Hut, daß du nicht ruchlos denkest: „„Ls naht das siebte Jahr, drum geb' ich nichts, Damit ich nichts verliere."" Das wär' Sünde!" Was soll denn mit den Armen nun geschehn? Zumal das Volk durch viele Mißernten Und Gelderpressungen so sehr gelitten? Wo soll's hinaus, wenn keiner leihen will? Hillel. Ulein lieber Freund, das Klagen bringt nicht weiter; Man muß zu helfen suchen, Mittel finden. Daß das Verbot nicht übertreten werde. I o n a t*a n. Ja, wie ist da zu helfen? Weißt du es? Hillel. Du selbst hast angedeutet, wie zu helfen, Da du die Not des Volkes hast erwähnt. Ein Blick aufs £ e b e n lehrt uns, was zu tun. Ionatan. Willst du nicht etwas deutlicher noch sein? Hillel. Gestatte, daß ich etwas tiefer greife! Das Wort der Thora ist oft allgemein. Man darf es für den Einzelfall nicht pressen; Ich kann die Bne BathyraH drum nicht loben. Doch bleibt das Thorawort für uns die Norm, Und darum muß ich jene Römlinge Bekämpfen, die der Thora abhold sind. So steh' ich mitten zwischen rechts und links. Ionatan. Ja, sage mir, wonach du dich dann richtest. Hillel. Ich sagt' es schon: ich achte auf das Leben! Heißt nicht die Thora selbst ein Baum des Lebens? So sei sie uns auch ein Gesetz des Lebens. Nicht starre Praxis, nicht Verknöcherung, Nein, Fortentwickelung der alten Lehre, Dem Geist entsprechend, nicht dem Buchstaben, Den Menschen folgend und der Zeiten Geiste. :) Strenge Shnhedrialhäupter, die durch Interpretation hergeleitete Bestimmungen für unstatthaft hielten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.