Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 209 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Prof. Ar. Kuttner: Szenische Arider aus der jüdischen Geschichte 209 Orten, in Hamburg und in anderen Lsansastädten, auch in manchen Städten Süddeutschlands zu bedenklichen Ausschreitungen. Gewiß sind diese nicht Folgen unserer Schrift. Aber wie leicht hätte sich jemand auf die mißverstandenen Ausdrücke unserer Broschüre berufen können. Immerhin wird man gut tun, den Grafen Benzel-Sternau nicht zu den Antisemiten zu zählen, sondern zu den Liberalen, zu den Männern, die auch den Juden gegenüber liberale Forderungen durchzusetzen wünschten, wenn er dies auch in einem Tone tat, der leicht üble Folgen haben konnte. ä^enitcke Bilder aus der jüdifchen öefdiidite. 4. Hille!. Von Prof. Dr. Kuftner-5rankfurt a. Ul. Personen: Hillel, Vorsitzender des Synhedrions in Jerusalem, Io na tan, ein konservativer Jude, ein Heide. Zeit: um HO—30 v. d. g. Z. Der Heide. Mein hochverehrter Rabbi, Gott zum Gruß! Und sei nicht böse, wenn ich etwa störe! Lsillel. Du störst mich keineswegs. Doch setze dich Und sage mir, womit ich dienen kann! Der Heide. Dein mildes Auge, wie dein freundlich Wort Beleben meinen Mut, der fast gesunken. Ich komme gradeswegs von Schammai, Der unsanft mich aus seinem brause wies. Lsillel. Das wundert mich; er ist ein Menschenfreund Und grüßt die ihm Begegnenden zuerst. Ich muß vermuten, daß du ihn gereizt. Der Heide. So scheint's, doch nicht aus Absicht ist's geschehn. Vernimm denn du, um was ich ihn gebeten! Des Götter- und Heroenkultus satt — Der Riten, die wir aller Welt entlehnt, von Kerzen überdrüssig, will ich jetzt Zum Judentums mich bekehren, das Mir am vernünftigsten erscheint. Jedoch viel lernen oder gar studieren — das Behagt mir nicht. Drum lehre mich ganz kurz, Solang' ich etwa, wie das Sprichwort sagt, Auf einem Beine steh, das Judentum! Lsillel. Das kann geschehn; (lächelnd) und wenn du willst, steh auf Und bleib' so lang' auf einem Beine stehn! So höre denn und merk' es dir genau: was dir mißfällt, das tu auch keinem andern! Das ist das Judentum; das mach' dir klar Und handle demgemäß! Der Ls ei de. Das läßt sich hören. Das lehrte mich noch keine Religion. Ich will's bedenken und ins Herz mir schreiben. Du sollst mit mir zufrieden sein. Leb wohl! Ionatan (tritt ein, ist erregt). Heil dir, verehrter Rabbi, und verzeih, wenn ich dir etwa ungelegen komme. Ls i l l e l. Ich seh', du bist nicht aus Jerusalem; Denn wärst du es, du wüßtest ganz genau. Daß keiner jemals mir kommt ungelegen — Und du am wenigsten: ich seh' dir's an, Daß etwas wichtiges dich zu mir führt. Ionatan. wie gütig! Ja, es nagt an meinem Kerzen, wie leicht man jetzt es mit der Thora nimmt. Erlaube, daß ich offen zu dir rede! Ls i l l e l. So setze dich und sprich, ich lausche dir. Ionatan. wie heißt es doch im 5. Buche Moses? „Am Schluß des siebten Jahrs erlasse jeder, was seinem Bruder er geliehen hat." Das ist doch klar, und dennoch deutelt man.