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Liberales Judentum · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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Pr. Goldmann: Tanfzudentnm nnd Antisemitismus 205 Literatur, die das Judentum schädigte. Sie verbrannten den Talmud, denn das gesunde, durch den Talmud genährte logische Denken fürchteten sie; aber in richtiger Erkenntnis, daß das Eindringen der Mystik das Judentum untergrub, waren sie sorgfältig darauf bedacht, alles Kabbalistische im Judentum zu erhalten, ja sie waren oft bei der Verbreitung dieses Giftes persönlich beteiligt; ganz besonders gilt dies von den erwähnten Enkeln des Elia Levita. Mit der Zensur war ein Willkürzustand schlimmster Art geschaffen worden, denn es "hing, wie Grätz so treffend sagt, im Kirchenstaate von der Stimmung eines getauften Juden ab, ob der Besitzer eines hebräischen Buches mit dem Verluste feines Vermögens oder zu den Galeeren verurteilt wurde. Und Hunderte von Juden haben in milderen Fällen als Bettler, in schwereren unter der Wucht der Galeerenarbeit ihr Leben ausgehaucht, weil es ihrer ehemaligen Glaubensgenossen Laune so beliebte. Ein getaufter Helfershelfer des Vittorio Eliano war der Dominikanermönch Sixtus Senensis in Lremona, das zu seiner Zeit zu Mailand gehörte und dem spanischen Statthalter, dem Herzog von Siesa unterstand. Lr hatte sein Auge aus das dortige alte berühmte Lehrhaus mit seinen Bücherschätzen, nut seinen tausenden von kostbaren Talmudexemplaren geworfen, und er wandte alle nur erdenkliche Mittel auf, um sie dem Scheiterhaufen zu überliefern. Als ihm dies allein nicht gelang, holte er bstlfe bei dem Renegaten Eliano, und dessen Bemühungen gelang es im Jahre (559 zwölftausend Exemplare dem Flammentode zu weihen. Der Jammer der bedauernswerten Juden war unsagbar. In demselben Jahre erhob auch der Renegat Ascher aus Wien zu j)rag die gehässigsten Anklagen gegen das jüdische Schrifttum, was zur Folge hatte, daß achtzig Zentner Bücher — darunter auch Gebetbücher — der Konfiskation anheimfielen. Wenn seit jenen Zeiten die Talmudbeschuldigungen und die daraus entstehenden Verfolgungen der Juden etwas nachgelassen haben, so liegt das nicht an dem Willen der Renegaten. Er ist derselbe geblieben! Es liegt an den neuen Zeiten und der Aufklärung, die nicht mehr so ganz blind den schlechten Tharakteren vertraute. Was aber Täuflinge ihren ehemaligen Brüdern gewünscht haben und wünschen, kann man aus der Lektüre der Bücher ersehen, die sie über das talmudische Judentum veröffentlicht haben, und deren Titel allein Bände reden. 'Die haßerfüllten Beschuldigungen im einzelnen aufzuführen, erübrigt sich, da sie immer dieselben bleiben, und es sei zunächst eine kleine Auswahl von solchen Büchern angeführt, die sich speziell mit dem Talmud beschäftigen (andere allgemein judenfeindliche Schriften sind noch später in Mengen aufgeführt). Im Jahre (589 schrieb Ernst Friedrich Heß ein ebenso gehässiges wie einflußreiches Buch, das „I ud en g e i ß e l" betitelt ist. T h r i ft i a n G e r s o n von Recklinghausen, ein getaufter früherer Rabbiner, dann protestantischer Pastor, verfaßte (6O9 „der Iüden Talmud fürnehmst e r Inhalt und Widerlegung." Er hat eine besondere Note gefunden, indem er den Talmud nicht nur beschimpft, sondern auch lächerlich macht. Er zog allerlei Legenden aus dem Talmud aus, nahm Wortspiele und allegorische Wendungen des Talmuds, tat als seien sie sichere Wahrheit und glaubwürdige Geschichte, und erregte durch diese gemeine Kampfesweise den ernsten Tadel von verständigen Thristen, vor allen des ehrlichen, bekannten Priesters Richard S i m 0 n. ^L.riederich Samuel Brentzen schrieb (6V( „Jüdischer abgestreifter Schlangenbal g". Im Anfänge des (8.

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