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Liberales Judentum · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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203 Ar Gsldmann: Taufjudentum und Antisemitismus Christenglauben oder die Bibel verstieß, einfach zu vernichten. Jeder Widerstand wurde den Juden bei schwerer Strafe an Leib und Gut untersagt, und da die Entscheidung darüber, was als christenfeindlich galt, einzig und allein Sache des Täuflings war,. kann man sich vorftellen, welches Geschick dem Talmud drohte. So leicht wie sich der frohlockende Pfefferkorn die Ausführung dieses Befehls uorstellte, ging es freilich nicht. Als er in Frankfurt a. ZIT. beginnen wollte, leisteten ihm die Süden mutig Widerstand; es gelang ihnen sogar, den Erzbischof von Mainz für die Sache der Wahrheit und Gerechtigkeit zu gewinnen, so daß sie einen Aufschub erhielten. Auf die Dauer freilich hätte ihnen ihre eigene schwache Kraft nichts genützt, und die Finsterlinge wären Sieger geblieben; der Täufling hätte sich an dem ungeheuren Scheiterhaufen ergötzen können, der das reiche Geistesleben von Generationen vernichtete, wenn nicht das Geschick der Angelegenheit eine Wendung gegeben hätte, die — so erhaben sie auch war — doch eines gewissen Humors nicht entbehrt. Die Dominikaner wollten als „wissenschaftlichen" Bundesgenossen den gelehrten Hebräisten Reuchlin in ihren Kreis ziehen. Raum aber hatten sie es getan, da entpuppte sich dieser als ein Künder der Wahrheit und ein Kämpfer für das Recht. Sn dem gewaltigen Streite, der sich entspann, der die Grundlage einer neuen Zeit in Deutschland wurde, stand Reuchlin den Süden wacker bei, und so kam schließlich des elenden Verleumders Rachsucht doch zu Falle. Es ist hier nicht der Ort, auf alle Phasen des Reuchlin-Pfefferkornfchen Streites einzugehen; uns interessieren nur die weiteren judenfeindlichen Schritte des -Renegaten. Sn einer neuen Schrift, die „zu Lob und Ehren des Kaisers Maximilian" betitelt ist, verbindet er unwürdigen und kriecherischen Bvzantismus mit einem rohen und wüsten Geschimpf auf die Süden. Wieder verlangt er Scheiterhaufen für den Talmud, wieder bringt er die alten Beschuldigungen vor, und es ist unmöglich, alle Lästerungen, die sein Haß ihm diktierte, einzeln aufzuführen. Neu ist die Behauptung, daß die Süden ihn hätten bestechen wollen, wogegen sich R e u ch l i n nachdrücklich wandte. Dieser Gegner begann ihm überhaupt viel zu schaffen zu machen und ihn sehr zu beschäftigen, ohne daß deshalb seine Wut gegen die Süden erlahmt wäre. Sm „Handspiege l", der s5ss zusammen mit den Dominikanern geschrieben und von Pfefferkorn nebst seinem Weibe persönlich auf der Frankfurter Messe vertrieben wurde, bezeichnet er wie früher das jüdische Schrifttum als „für das christliche Regiment schmähend, gotteslästerlich, ketzerisch und abergläubisch," aber den Höhepunkt erreichte er im „Brands p i e g e l" (T5^2), worin er behauptet, M a i - monideS habe in seinem Werke Mischne Tora befohlen, alle Christen to tzu schlagen. Das war schon fast der helle Wahnsinn, der aus den wutverzerrten Worten sprach, und ebensowenig mehr zu übertrumpfen wie die daran geknüpften Forderungen, man solle den Süden alle Güter wegnehmen, die alten Süden solle man behandeln wie die räudigen Hunde, die jungen Kinder ihnen aber mH Gewalt entreißen und sofort taufen! Es gibt einen Punkt, da die Tragik in Komik umschlägt, und diese Stelle bezeichnet im Leben Pfefferkorns der „Brandspiegel". Wenn seinem gemeinen Wirken und Wollen nur wenig direkter Erfolg — der indirekte Schaden durch die Verhetzung ist natürlich unberechenbar —■ beschieden war, so liegt ein Teil der Schuld an den Uebertreibungen, zu denen er gelangt ist, und die Gerechtigkeit erfordert das Eingeständnis, daß Pfefferkorn um diese Zeib

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