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Liberales Judentum · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 202

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 Ar. Gsldmann: Taufjudrntum und Antisemitismus In Lohn und Brot bei den Dominikanern ging er sofort systematisch gegen den Talmud vor. Schon in seiner ersten Schrift, die Hwar kaum von chm verfaßt ist, zu der er aber seinen Namen gab, und die in mancher Beziehung — so durch ihre Stellung zum Ritualmorde — noch teilweise judenfreundlich ist, offenbarte er sein Lebensprogramm, den Talmud zu bekämpfen, weil er an allem Bösen bei den Juden die Schuld trage. Tr sucht u. a. zu erweisen, daß der Talmud die Bewucherung von Thristen verlange, und er fordert die Bekehrung seiner ehemaligen Glaubensgenossen durch zwangsweise Zuführung zu christlichen predigten. Endzweck der Schrift ist der immer wiederkehrende Wunsch, der Talmud müsse konfisziert und vernichtet werden. Wenn auch Pfefferkorn hiermit sich ursprünglich nur in den Dienst eines Geschäftsunternehmens der Dominikaner gestellt hatte, die, um ungestört von den Juden Geld zu erpressen, einen dahinzielenden Befehl' des Kaisers zu erreichen suchten, so offenbarte sich doch auch bald darin der ungezügelte Haß des Renegaten, der seinen ehemaligen Glaubensgenossen durch Vernichtung ihres Geisteslebens den tätlichen Stich mJs Herz versetzen wollte. Da der Streich nicht sogleich gelang, gab Pfefferkorn weitere Schriften heraus. Die „Iudenbeichte" (\508) lieferte den Beweis seiner völligen Unwissenheit im Hebräischen, denn hier bringt er — wie sich Reuchlin später in seinem „Augenspiegel" ausdrückte — das einzige neue an Schmähungen gegen den Talmud und zugleich eine köstliche Wissenschaft, womit er die christliche Kirche beschenkt hat, nämlich die Beschuldigung, daß die Juden Hühnern und Fischen beichteten, um sodann ihre Beichtväter zu verzehren! In dieser Veröffentlichung lieferte er auch bereits den Beweis für seine völlig entartete Roheit. „B l u t h u n d e" nennt er die Juden, die zu verjagen seien, und noch offener hetzte er zur Gewalttat in einer (1(509) unter seinem Namen erschienenen Schrift, in der er die Juden anklagt, sie brächten Thristen um das Leben. Zu dem ewigen, eintönigen Refrain, der Talmud müsse konfisziert werden, gesellt sich der fast unglaublich klingende Satz: „Wer den Juden Leids zufügt, ist Gott wohlgefällig!" Seine Gesinnung wurde immer gemeiner, seine hetzerische Absicht immer klarer. In demselben Jahre 01509) erschien der „I uden - feind", worin er den Juden und insbesondere den Aerzten unter ihnen unglaubliche Gemeinheiten nachsagt. Seine ehemaligen Brüder, die seiner Ansicht nach zu nichts anderem zu gebrauchen seien, wünscht er mit schmutzigen Arbeiten beschäftigt zu sehen; sie sollen die Straßen reinigen, den Unrat und Kot wegschaffen, und da ihre Schlechtigkeit durch den Talmud immer wieder neue Nahrung erfahre, seien sie durch die Folter (!) zur Auslieferung ihrer Schriften zu zwingen! Höher ging's fast nicht mehr! Auf diese Weise war die öffentliche Rkeinung genügend bearbeitet, so daß aller Voraussicht nach der große Schlag gelingen mußte. Ls glückte Pfefferkorn und den Dominikanern mit der frommen Schwester des Kaisers Maximilian, der Aebtissin Kunigunde, in Verbindung zu kommen, und da diese überfromme Dame von der Vernichtung des jüdischen Schrifttums eine Bekehrung der Juden erwartete, gab sie ihnen dringende Empfehlungen an den Kaiser, der sich die Tragweite seines Entschlusses weiter nicht überlegte und dem getauften Teufel in Menschengestalt kurzerhand am H9- August 1(509 volle Gewalt über die Juden und ihre Bücher gab. Er sollte das Recht haben, überall im deutschen Reiche die Schriften der Juden mit Beschlag zu belegen, sie zu prüfen und jene, deren Inhalt gegen den

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