Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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o o Mr. Goldmann: Tanfjndentum und Antisemitismus 201 glichen, soll später die Rede sein. Am lästigsten war die Verpflichtung, die auf seine Veranlassung den Juden auferlegt wurde, jährlich' drei Bekehrungspredigten mit anhören zu müssen, deren Inhalt bewies, daß Jesus der Messias sei und daß der Talmud lauter Scheußlichkeiten enthalte. Sein oben, erwähntes Werk war stets die ^Wissenschaftliche" Grundlage dieser predigten. Die Ueberwachung der pünktlichen und genauen Ausführung der Verordnung wurde auf den Rat des einen Täuflings einem anderen übertragen, dem Gonzalo a Santa Maria, dem im reifen Alter übergetretenen Sprößling des berüchtigten Taufjuden Paulus a Santa Maria. Linen besseren und eifrigeren Wächter hätte man nicht finden können. Roch fünfzig Jahre später, als des oben angeführten Papstes Macht schon lange gebrochen war und keine seiner sonstigen Ldikte von der Lhristenheit beachtet wurde, mußten die Juden noch immer den Bekehrungspredigten lauschen, waren sie noch vielen anderen Quälereien ausgesetzt. Die Saat dieses haßerfüllten Renegaten, des geistigen Vaters auch der Inquisition, die Spaniens Geschichte für ewig befleckt hat, war herrlich aufgegangen, um den Juden unsagbares Leid zu bereiten. In dem Wettstreit um den Lorbeer der Gehässigkeit stellte neben Frankreich auch Deutschland recht beachtenswerte Kämpfer, welche vornehmlich der Zeit um die Wende des fünfzehnten Jahrhunderts angehören. So war um \^b der getaufte Priester Peter Schwarz zu Regensburg ein unermüdlicher Hetzer, der durch seine alles Maß übersteigenden Anklagen gegen den Talmud die Schuld an vielen blutigen Verfolgungen trägt. Im Westen war es Victor von Karben 0W;2—\5\5), der im Jahre das Christentum annahm und zum Lidgenossen des Grtuin von Graes wurde, eines fanatischen Judenfeindes, der aber selber über so wenig jüdisches Wissen verfügte, daß die spärlichen Brocken des Victor von Karben ihm eine hochwillkommene Unterstützung waren. Auf Grund dieser Gilfe verfaßte Grtuin im Jahre \503< die Schrift: „von dem Leben und den Sitten der Jude n", welche das non plus ultra aller Niederträchtigkeit darstellt, indem sie u. a. behauptet, daß die Juden die Abgefallenen hinterlistig töten. Das Buch war selbst für den damaligen Zeitgeschmack so albern, daß es nur wenig Wirkung ausübte. Mehr Lrfolg erzielte Victor von Karben in einem Religionsgespräch, das zu Poppelsdorf bei Bonn abgehalten wurde; hier brachte er die alte Beschuldigung, daß der Talmud Jesus und seine Mutter schändlich lästere, so eindringlich vor,'daß sämtliche Juden aus der Niederrheingegend ausgewiesen wurden. An Namen ließen sich aus jener Zeit noch viele nennen, von denen mancher, wie der des Fi schel von Krakau, einen sehr guten antisemitischen Klang besitzt; der Glanz aller erbleicht aber vor dem des strahlenden, großen Gestirns, das um dieselbe Zeit am Simmel des Judenhasses aufging, vor dem Täufling Joseph Pfefferkorn, nach seinem Uebertritt, der in seinem 36. Lebensjahre, wahrscheinlich \505, stattfand, Johanne s Pfefferkorn genannt. Pfefferkorn, der für ewige Zeiten den T^pus der gehässigen Renegaten darstellen wird, war nicht, wie er sich selber gern nannte, ein gelehrter Rabbiner, sondern ein ganz unwissender Metzger, der in seiner Jugend durch verschiedene Verbrechen seine sittliche Verworfenheit erwiesen hatte, dem es aber nichts destoweniger — vielleicht gerade darum — gelang, das Wohlwollen der Kölner Dominikaner zu erlangen, die in ihm ein gefügiges Werkzeug erkannten und ihn materiell durch Uebertragung der Stelle eines Spitalaufsehers und Salzmessers versorgten.