Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Mr. Goldman«: Taufjudentum und Antisemitismus schejiwoda loch bame nitrephu, daß das eine launige Zusammenstellung ist. Man muß schon direkt darauf ausgehen, dem Gegner um jeden Preis etwas anzuhaben, wenn man diese Worte als ein falsches Zitat, als einen Beweis bodenloser Unwissenheit hinstellt. Schon die Umwandlung des originalen uitrspüo (Ginzahl) in die Mehrzahl nitrephu zeigt jedem Sachkenner, daß er es hier mit einer beabsichtigten Veränderung des Wortlauts zu tun hat. Aber Herr Dr. Seligmann war dennoch sehr unvorsichtig. Gr kennt seine orthodoxen Gegner nicht; sonst hätte er wohl nicht verabsäumt hinzuzufügen: Meine Herren, meine Worte sind natürlich ein Scherz. Sein Gegner nutzt also nach dem Grundsatz: ä la guerre comme ä la guerre, diese Unvorsichtigkeit weidlich aus. Wie aber? Wer wird es glauben, daß jemand, der diese beiden Satzfragmente hebräisch zitieren kann, nicht auch weiß, daß sie ursprünglich nicht zusammengehören? Rein vernünftiger Mensch! — Also muß man es plausibel machen. Man braucht nur eine verblüffend große Anzahl weiterer Oberflächlichkeiten des Gegners und seines Rreises zu — fabri-* zieren, so daß dem Leser auch der unglaublichste Grad von Oberflächlichkeit als glaublich erscheint! Wie gesagt: nicht den Odysseus-Bogen spannen, sondern durch Odysseus-Gebärden glauben machen, daß er gespannt sei. Das führt uns zur Fabrikations- Methode des Herrn Oberlehrer Dr. Carlebach. (Fortsetzung folgt.) lautzuäentum unä Antisemitismus! Von Or.?eiix 6o16mann. Zn den darauf folgenden Jahrhunderten spielt sich der Rampf gegen den Talmud hauptsächlich in Spanien und Deutschland ab. Zn Spanien wütete im Beginne des fünfzehnten Zahrhunderts gegen das Schrifttum vornehmlich der aus der später zu besprechenden Disputation von Tortosa berüchtigte Täufling Zosua Lorki, der sich als Christ den bezeichnenden Namen G e r o n i m o da Santa Fe beigelegt hatte. Seine talmudfeindliche Gesinnung hat er schriftlich verewigt, indem er auf Veranlassung des Papstes Benedictus xni. eine Schmähschrift verfaßte, die dem Schrifttum der Zuden, wie üblich, Lästerung, Unsittlichkeit (!), Retzerei und sonstige Verbrechen vorwarf und demgemäß seine Vernichtung verlangte. Geronimo war nichts wie ein gemeiner Fälscher und Verleumder, der sich einfach auf die Unwissenheit der Christen und die Machtlosigkeit der Zuden verließ. Wenn er u. a. behauptet, der Talmud gebiete, die Eltern zu schlagen, Gott zu lästern und Götzendienst zu treiben (!), er, der den Talmud wirklich (Fortsetzung.) verstand, so wird jeder anerkennen, daß das ausgesprochene Urteil vollauf gerechtfertigt ist. Da er Lideshelfer in zwei anderen Täuflingen, den gelehrten Talmudisten Andreas Beltran de Valencia und Garci Alvarez de Alarcon fand, die ihm allerdings nur an Gemeinheit der Gesinnung und Gehässigkeit, nicht aber an Energie gleichkamen, gelang es ihm beim Papste Benedictus XIII. ein in seinem Sinne sehr günstiges Ergebnis zu erzielen. Es wurde nämlich den Zuden schlankweg untersagt, im Talmud zu lesen, und auf's allerstrengste verboten, ihn weiter zu lehren. Sonst nichts! Ferner sollten in Ausführung dieses Befehls alle Däuser durchsucht, alle gefundenen Exemplare beschlagnahmt und dann dem Feuerlode geweiht werden, von den anderen Verordnungen, durch die der getaufte Wüterich seinen ehemaligen Glaubensgenossen jedes Recht nehmen wollte, die inhaltlich den berüchtigten spanischen vierundzwanzig Artikeln, ebenfalls dem Werke eines Renegaten,