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Liberales Judentum · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 194

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 Vr. Gsldfchwidt: Zur Wahrheit über die Nichtlinien und zum Frieden 0 0 0 O Seiten meines „Lehrgedichts": „Das wesen des Judentums", von S. 2\2—223 habe ich, in dem Abschnitt: „Das Judentum der Gegenwart", „Orthodoxie und Reform", dies auseinanderzusetzen gesucht, aber nicht „in heißem Bemühen", denn das hatte sich von selbst aus den vorhergehenden 2^ Seiten ergeben, in welchen ich allerdings „in heißem Bemühen", wie es die Erforschung der Wahrheit mit sich bringt — soth hathora adam ki jarnutk beohel, „die Tora wird nur erworben, wenn man sich für sie opfert" — den Offenbarungsbegriff des Judentums „nach Bibel, Talmud, Tradition und religiöser Praxis" festzustellen gesucht, und aus dieser Feststellung ergab sich von selbst, daß der Unterschied der Auffassung des Offenbarungsbegriffs in beiden Lagern ein minimaler sei. Meine Feststellung des Gffenbarungsbegriffes nach den traditionellen Instanzen ist bisher von der Orthodoxie mit stillschweigender Zustimmung, die ja auch als Grundton aus den Worten des i}errn Dr. wohl- >gemuth herausklingt, ausgenommen worden, was man mir verdacht hat, sehr verdacht hat, das war nur das Schlußkapitel von \2 Seiten, weil das dem Separatismus, der Sehnsucht nach dem Schisma — sit venia verbo — gegen den Strich ging. Tiner der hervorragendsten Führer der Orthodoxie, der auch zu ihren schärfsten Denkern und glänzendsten Rednern gehört — ich will den Ramen nicht öffentlich nennen, doch kann ihn jeder von mir erfahren — sagte mir persönlich: „Ihr Buch, Herr Dr., habe ich mit größtem Interesse gelesen. Ls ist das Beste, was seit langer Zeit über das Judentum geschrieben wurde. Ich würde es meiner Bibliothek einverleiben und meinen Rindern zu lesen geben, wenn Sie — — däs letzte Rapitel nicht geschrieben hätten, wenn Sie darin sagen, daß der prinzipielle Unterschied zwischen Liberalismus und Orthodoxie minimal ist, so muß ich Sie bekämpfen. Alles andere kann ich unterschreiben." Auch Herr Dr. wohlgemuth scheint über den religionsphilosophischen Inhalt meines Buches ähnlich zu denken. Auf S. 25 sagt er: „was die Herren Montefiore und Rohler schreiben, das ist für das Judentum als Ganzes gleichgültig." Da Dr. Tahn-Fulda in seinen „Religiösen Strömungen" j)rof. H. Lohen und mich mit Rohler in einen Topf geworfen hat, so darf man in Verbindung mit den andern Stellen aus dem letzten Satze des Herrn Dr. wohlgemuth eine gewisse Zustimmung zu den ersten Rapiteln meines Buches herauslesen. Doch dem sei, wie ihm wolle: mir geht über alles die Wahrheit. Meine literarische Tätigkeit steht vor allem im Dienste der Wahrheit. Ueber die Wahrheit aber kann man sich einigen, muß man sich einigen können, denn es gibt nur eine Wahrheit. Darum ist ja, nach der Erklärung des „Schelah", das Siegel Gottes, des Einig- Einzigen, die Wahrheit, weil über einen Gegenstand wohl unzählige Irrtümer und Lügen möglich sind, aber nur eine Wahrheit. Aus dieser einigenden Rraft der Wahrheit den Frieden hervorgehen zu lassen, daran möchte ich allerdings mit meiner schwachen Rraft arbeiten. Darum vor allem „Zur w a h r h e i t über die Richtlinien" und dann „zum Friede n". Die Wahrheit über die Richtlinien wird verdunkelt durch die Gegner. Im Spiegel der Rritiken des Herrn Dr. wohlgemuth und seines Sekundanten, des Herrn Oberlehrer Dr. Joseph Tarlebach, erscheinen die Richtlinien als wahre Karikatur, wir wollen den Nachweis führen, daß dies nicht die Schuld der „Richtlinien" ist, sondern des Spiegels, in dem diese von den Herren Dr. Wohlgemuth und Oberlehrer Dr. Tarlebach gesehen und gezeigt werden. Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen. Ich sage nicht: die Schuld des Herrn Dr. W.

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