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Liberales Judentum · 1913-08-01 · Heft 8 (August 1913) · p. Seite 189

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 8 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 189 (sequence 21)
Language
German
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o o o o 189 Grnil Klmnenau: Stellung des modernen Judentums zum Gebet Natürlich rede ich im „Liberalen Judentum" nur von liberaler Auffassung und erwähne die konservativen Ansprüche nur insoweit, als ich die Bemerkung einflechte, daß ein wahrhaft liberaler RIann nicht bestrebt sein wird, einen konservativen von dem System, welches ihn glücklich oder zufrieden macht, ab und zu dem seinigen herüber zu ziehen. Er wird jenen auch nicht in der Ausübung dessen, was er als religiöse Pflicht anssaßt, behindern oder beschränken wollen, und sich an Plätzen, z. B. wo die Gemeindemitglieder nicht zahlreich genug sind, um sich gesonderte Einrichtungen für liberalen und konservativen Kultus leisten zu können, innerhalb gewisser Grenzen von dem Gedanken leiten lassen, daß ein Liberaler sich leichter den konservativen Einrichtungen anschließen kann als umgekehrt, genau so, wie es einem Liberalen leichter ist, rituell zu essen, als einem Konservativen, sich an einen nicht rituellen Tisch zu setzen. Deshalb haben die großen Gemeinden sich ja auch größtenteils dahin entwickelt, daß in getrennten Synagogen der Kultus hier nach konservativer, dort nach liberaler Art geübt wird. Bei diesem System wird niemand vergewaltigt; jeder hat- Gelegenheit, die Andacht zu suchen, deren Weise ihm am meisten zusagt, und wenn nicht der Fanatismus — hüben und drüben — oft eine so große Rolle spielte, so müßte die natürliche Folge sein, daß einer den andern gewähren ließe. Es handelt sich also für die Liberalen gar rächt darum, etwa die Konservativen umstimmen zu wollen, und deshalb ist es mir — von meinem Laienverstand aus — auch unerfindlich, wie die ausgestellten Richtlinien eine so leidenschaftliche Anfeindung im andern Lager finden konnten. Denn auch sie wollten keinen Konservativen bedrängen oder zu andern Anschauungen bekehren, sondern nur für diejenigen, die nicht konservativ sind und zerstreut, jeder für sich, einhergingen, einen Rlittelpunkt schassen, um den sie sich scharen könnten, und von dem aus das religiöse Interesse, das ihnen ganz oder teilweise abhanden gekommen war, wieder neu erweckt oder belebt werden könnte. Dieses Bestreben müßte doch logischerweise bei jedem, der es, von den Formen abgesehen, gut mit der Sache meint, die lebhafteste Anerkennung finden. Doch zurück zu den speziell liberalen Einsprüchen! Ich betrachte es als eine prinzipielle Forderung, daß alle Gebete, die der Erbauung dienen sollen, auch verstanden werden. Daraus folgt die weitere Forderung, daß nur solche Gebete zur Anwendung kommen, welche die Gemeinde — im Großen und Ganzen — versteht. Ulan verstehe mich nicht falsch! Ich wurde die Abschaffung der hebräischen Gebete als solcher für durchaus bedauerlich halten; ich möchte sie erhalten wissen, weil sie nicht nur durch ihr Alter eine gewisse ehrwürdige Weihe besitzen, sondern, weil ich nicht leichthin beiseite setzen will, was meinen Ahnen als heilig galt; aber ebenso wie unsere Ahnen wußten was sie beteten, so verlange ich, daß auch wir wissen, was wir beten, weil ich nun und nimmer fühlen rann, daß das mechanische Versagen unverstandener Worte mich erheben könnte. Der Forderung des Verrn Geheimrats Dr. Rlayer möchte ich zustimmen, daß der Vortrag der Gebete durch Gesang der Genwinde gehoben werden soll; nur müßte es ein geordneter, erbaulicher Gesang sein, und ich denke, daß Verr Dr. Rlayer diesen und nicht etwa den responsorienartigen Wechselgesang zwischen Vorbeter und Gemeinde im Auge hat, der deswegen vielleicht auch nicht ganz gebannt zu werden brauchte, aber sich aus ein äußerstes RUnimum zu heschränken. hätte. Aber der Gesang allein tut es auch nicht, und ebensowenig erschöpfend oder auch nur fördernd erscheint mir der Vorschlag des Herrn Lehrer Wallach, daß nur die Kultusbeamten Gebete in hebräischer Sprache vortragen möchten. Das würde m. E. dahinführen, daß im Publikum die Kenntnis des Hebräischen noch weiter zurückgedrängt würde, als bisher. Und wenn mir der Sinn der Gebete fremd ist, so sehe ich keinen großen Unterschied darin, ob sie von Beamten oder von der Gemeinde vorgetragen werden. Ich würde cs also für wünschenswert halten, daß möglichst viele, allgemein verständliche, d. h. möglichst viele Gebete in der Landessprache eingeführt, daß daneben aber die wichtigsten Gebete wie das Schema, das Kaddisch, das Glenu beibehalten würden, und daß es ein obligate r Teil des Religionsunterrichtes würde, die Kenntnis und Sinn-Erfassung dieser wichtigsten Gebete zu vermitteln. Zu diesem Zweck bedarf es

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