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Liberales Judentum · 1913-08-01 · Heft 8 (August 1913) · p. Seite 188

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 8 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 188 (sequence 20)
Language
German
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188 Emrl Slumenau: Stellung des modernen Judentums zum Gebet nern und Dominikanern untersucht und verbrannt werden sollten, sofern sich etwas Lästerliches vorfände. Diese Bulle brachte' der eifrige Christ selber nach Spanien, und er drängte am meisten auf ihre Ausführung. Freilich wurde seines Herzens Sehnsucht aus einem seltsamen Grunde nicht erfüllt. Die Kommission stellte zwar „selbstverständlich" eine Unmenge von ~ Schmähungen fest, befahl aber, statt den Talmud zu verbrennen, nur die beanstandeten Stellen zu streichen. Der Grund war nicht etwa Vernunft und Milde. Man nahm aber an, daß die Ariden dereinst nur auf Grund talmudischer Stellen sich zum Christentum bekehren würden. So unterblieb die Vernichtung, und es kam nur zu unangenehmen Plackereien. (Fortsetzung folgt.) Stellung des modernen Judentums zum Gebet. T’on €mil Blumenau-Cöln. Sehr geehrter Herr Redakteur! Darf sich zu der „Stellung des modernen Judentums zum Gebet" auch ein Laie äußern? Vielleicht: Ja. Denn der Gottesdienst ist ja eine Einrichtung, die in der Hauptsache den Bedürfnissen des Laienpublikums gerecht werden soll, - und darum weiß vielleicht manchmal auch ein Laie zu beurteilen, was in solchen Sachen nottut; die darnach wünschenswerten Einrichtungen zu treffen, mag aber den Herren vom Fach Vorbehalten bleiben. Das Thema, welches die Herren Verfasser der beiden Artikel in der Zuni-Zuli- Nummer d. Z. angeschnitten haben, bildet gewiß ein sehr schwieriges Problem. Man wird heute wohl ziemlich allgemein die von Geheimrat Dr. Mayer ausgesprochene Auffassung haben, daß der Zweck des Gebets die innere Erbauung des Menschen, seine Abwendung von den kleinen Dingen der Welt, die Erhebung seines Geistes in die Sphären reiner und edler Gedanken und die Läuterung des Herzens von den Schlacken niedriger Triebe sei. Das ist dasjenige, was wir heute Andacht nennen. Mit der Wandlung des Begriffs — von der religiösen Pflicht gegen Gott bis zur Erzeugung der Andacht im Innersten des Menschen selbst — wuchs auch wohl naturgemäß die Schwierigkeit, eine gültige Norm für die Gestaltung des Gebets zu finden. Handelte es sich nur um eine Verstandessache, so wäre es ja leichter, bestimmte Thesen aufzustellen; denn rein vernunftsmäßige Angelegenheiten lassen sich wohl in bestimmte Formeln bringen. Hier aber kornmen hauptsächlich Gefühlwerte in Betracht, und das Gefühl und seine Empfänglichkeit für Anregungen ist so mannigartig gestaltet. Daher werden wir, wenn wir den oben gekennzeichneten Zweck des Gebets im Auge behalten, nie eine Alle befriedigende Form dafür finden. Denn da eben die Regungen der Menschen sehr verschieden sind, wird bet dem einen dieselbe Einrichtung Andacht erzeugen und bei dem andern verscheuchen können, genau, wie sonst im Leben der eine<>begeistert wird von einer Zdee, die der andere verabscheut. Es ist daher eigentlich widersinnig, für den einzelnen ein Gebets- Schema aufzustellen mit dem Gedankengang „Nach diesem Reglement hat die Andacht in dein Herz einzuziehen". Es hat eben ein jeder — soweit äußere Einwirkungen überhaupt in Frage kommen — andere Anregungen nötig, und dabei denke ich'nicht nur an die von einander abweichenden Lebensauffassungen zwischen den Konservativen und den Liberalen, sondern innerhalb dieser Gruppen selbst gibt es auf diesem Gebiete auch wieder so große Verschiedenheiten, daß es tatsächlich unmöglich ist, alle diese Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Es können daher nach meinem Empfinden für das Gebet des Einzelnen überhaupt keine bestimmten Regeln aufgestellt werden, die er zur Betätigung seiner Andacht zu befolgen hätte. Etwas anderes ist es aber, wenn wir uns zu gemeinsamen Andachts-Uebungen vereinigen. Da muß ein Mittel gefunden werden, das, wenn es nicht alle befriedigen kann, doch möglichst Vielen gerecht wird.

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