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Liberales Judentum · 1913-08-01 · Heft 8 (August 1913) · p. Seite 187

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 8 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 187 (sequence 19)
Language
German
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187 Ar. Goldmann: Tanszndrnlum und Antisemitismus Bemerkungen wußte der Täufling jede, selbst die scheußlichste Verleumdung in den Talmud hineinzutragen. Bis auf den heutigen Tag hat er unseren Feinden das Material gegeben, das tausende von Malen widerlegt worden ist, aber ebenso oft wieder auftaucht, und wenn diese Lügen über das Judentum unsagbares Unglück gebracht haben, wenn um ihretwillen Blut und Tränen in Strömen geflossen sind, wenn wir noch heute so viel von unserer Zeit und Rraft auf die Widerlegung gehässiger Märchen verschwenden müssen, so wissen wir wenigstens, wem allein wir alles verdanken: dem getauften Juden! Völlig klar war das Motiv der Handlungsweise bei dem ersten in der trauriger! Reihe, bei Nikolaus Donin Rupella, einem Talmud'gelehrten aus La Rochelle, der an der Giltigkeit des Talmuds und der mündlichen Lehre zweifelte, und dessen destruktiven Einfluß auf die jüdische Zugend die Rabbinen dadurch zu entkräften suchten, daß sie ihn in den Bann taten. Andere Quellen besagen, daß dies wegen seines unsittlichen Lebenswandels geschehen sei. Von jener Zeit an hatte er nur den einen Lebenszweck, an den Süden und vor allem an dem verhaßten Talmud Rache zu nehmen. Ersteres Ziel zu erreichen war nicht schwer, Sudenverfolgungen ließen sich damals fast so leicht veranstalten, wie heute in Rußland, und in Anjou und Poitou floß gar bald Sudenblut, um der verletzten Eitelkeit des Renegaten Genugtuung zu verschaffen. Noch mehr Erfolg brachte ihm sein zweites Beginnen. Er wußte das Ohr des Papstes Gregor ix. zu gewinnen und ihn davon zu überzeugen, daß der Talmud das einzige ernstliche Hindernis für die Bekehrung der Juden zum Christentum sei, daß er ferner die schlimmsten Lästerungen gegen Sesus und Maria aussxreche, daß er also konfisziert und verbrannt werden müsse. Halbe Maßregeln liebte dieser Täufling wirklich nicht, denn er wandte sich auch an die Herrscher von Frankreichs Spanien, England und Portugal mit denselben Anklagen und Wünschen. Erfolg hatte er freilich nur in Frankreichs aber das genügte schon! Dort wurden alle Talmudexemplare, die ja zu jener Zeit mit der Hand auf Pergament geschrieben werden mußten, und von denen jedes darum ein kleines Vermögen darstellte, mit Beschlag belegt. Dem Talmud wurde der Prozeß gemacht. Von Franziskanern und Domikanern wurde er unter Anleitung des Täuflings untersucht, und obwohl ein hoher Rirchenfürst, der leider plötzlich starb, sich der Sache der Gerechtigkeit und der Rultur mit Eifer annahm, zum Scheiterhaufen verurteilt und verbrannt! Vierundzwanzig Wagenladungen von Talmuderemplaren ließen die Verfolger im Sahre (2^2 zu Paris in Flammen aufgehen, um des Renegaten Rachegelüste zu befriedigen. Das geistige Leben der Süden Frankreichs Hatto einen entsetzlichen Schlag erlitten, von dem es sich lange Zeit nicht erholen konnte, und wer die Größe des jüdischen Schmerzes ermessen will, der lese die erschütternde Zionide Schaali Serufa, die Rabbi Meir von Rothenburg nach diesem Ereignis verfaßte. Wenn man den sichtbaren Erfolg allein berücksichtigt, müßte ja Nikolaus Donin der schlimmste Verfolger des Talmuds genannt werden. An Niedrigkeit der Gesinnung steht er freilich bei weitem nicht an erster Stelle. Wenige Sahre später erhob sich im benachbarten Spanien ein Mann, der ihn nach dieser Richtung hin bedeutend übertraf. Pablo Thristiani — schon damals pflegten sich getaufte Süden nach Möglichkeit recht „christlich" klingende Namen beizulegen, — den wir später noch seiner Disputationstätigkeit halber erwähnen werden, erwirkte 1(26^ für Spanien eine Bulle des Papstes Clemens IV., nach der alle Talmudexemplare konfisziert, von Franziska-

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