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Liberales Judentum · 1913-08-01 · Heft 8 (August 1913) · p. Seite 185

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 8 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 185 (sequence 17)
Language
German
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185 Nr. Goldmann: Taufzudentnm und Antisemitismus lichkeit, daß die getauften Juden jederzeit die furchtbarsten und unerbittlichsten Gegner ihrer alten Gemeinschaft gewesen sind, daß es keine der entsetzlichen Beschuldigungen gegen das Judentum gibt, keine der nicht minder -furchtbaren Quälereien, bei denen nicht getaufte Juden ihre Hand im Spiele gehabt hätten, daß viele gehässige Anklagen, unter -denen die Juden Jahrhunderte lang unendlich gelitten haben und leiden, ohne die wollüstige Mitarbeit der getauften Juden völlig unmöglich wären, daß Ströme und wieder .Ströme warmen jüdischen Herzblutes wegen -des Hasses gefühlloser Renegaten geflossen sind, daß im Verlaufe der Geschichte unzählige unserer Glaubensgenossen durch die Schuld ihrer hohnlachenden ehemaligen Brüder den letzten Seufzer eines gequälten und .gehetzten Lebens unter dem glitzernden Schwerte des Denkers oder in den prasselnden Flammen des Scheiterhaufens ausgehaucht haben. Wenn die kühlen und erbarmungslosen Worte der Geschichte reden, zieht ein Schauder in jedes Herz, das noch menschlicher Regung zugängig ist; es ist schmachvoll und furchtbar zugleich zu beobachten, wie die Taufjuden systematisch Israel in entsetzliches Unglück stürzen, wie sie geschäftig das Schwert schärfen und das Feuer schüren, wie sie eifrig Material Zusammentragen gegen das Judentum, und es dort, wo es nicht vorhanden ist, selber fälschen und fabrizieren, wie sie Arikläger, Richter und Denker zugleich sind, wie ihr ganzes Sinnen und Trachten von dem einen Ziel beherrscht wird: Israel zu verderben! Wer wirklich die jüdische Geschichte kennt und dann noch behauptet, der Taufjude sei harmlos und der Vorwurf des Antisemitismus gegen ihn, sei eine hetzerische Phrase, der ist wegen seiner Verständnislosigkeit zu bedauern oder wegen seines bösen Willens zu verachten. Bevor nun das objektive wort der Geschichte sprechen soll, sei nochmals hervorgehoben, daß die folgenden Ausführungen weder auf Vollständigkeit in den Personen, noch den Gebieten Anspruch erheben. Gin lückenloses Material zu geben würde wegen der ungeheueren Größe der Aufgabe die Arbeit eines ganzen Lebens darstellen. Absicht dieser Zeilen will nur sein, da es bisher Zusammenstellungen über die Iudenfeindlichkeit des Renegatentums nicht gibt, auf einzelnen Gebieten an Hauptvertretern den Anteil des Taufjudentums am Antisemitismus anschaulich zu schildern. Wir betrachten zunächst die Beschuldigungen gegen die jüdische Religion und ihr Schrifttum, die Verdächtigungen gegen den Talmud, die jüdischen Gebete, das Märchen vom Blutmord und der Hostienschändung, was zusammenfassend der innere Kampf gegen die Religion genannt werden kann. Sodann behandeln wir die Versuche, die Juden gewaltsam der Religion ihrer Väter zu entfremden, die angreifenden und verhöhnenden Bekehrungsschriften, die Disputationen des Mittelalters und die Iud enmi s sion, was zusammen den äußeren Kampf gegen die Religion darstellt. Schließlich kommt noch in Betracht der Kampf der Taufjuden gegen die Gleichberechtigung der Juden. Taufznden gegen den Talmud. Der Talmud war im Mittelalter — auf die Neuzeit und ihre Anschauungen einzugehen ist in dieser lediglich referierenden, objektiven Darstellung nicht der jAatz — der Lebensnerv des Judentums. Wer den Versuch unternahm, diesen Lebensnerv zu durchschneiden, wer dem Judentum den Talmud nahm, der verurteilte es zu einen: langsamen Dahinsiechen, der vernichtete jedes geistige Leben, jede Daseinsfreude, jeden Idealismus, der drückte den Juden des Mittelalters auch geistig auf jene elende proletarische Tiefe hinab, die er körperlich bereits erreicht hatte.

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