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Liberales Judentum · 1913-08-01 · Heft 8 (August 1913) · p. Seite 183

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 8 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 183 (sequence 15)
Language
German
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Ar. Goldmann: Tanfjudentnw und Antisemitismus 183 fätzlich übersinnlich bleiben sollte. Aber wenn auch die Glut seiner Empfindung ihn zu solchen phantastischen Seitenwegen fortreißt, so ist sie es doch zugleich, die den Dichter und Denker als Mensch, als Persönlichkeit so wunderbar anziehend macht. Seine persönliche Religiosität saugt ihre Kraft vor allem aus der Ueberzeugung. daß Israel das auserwählte Volk und Kanaan das auserwählte Land fei. Erft wenn das Volk wieder in seinem Boden Wurzel geschlagen, wird ihm die Gnade der sichtbaren göttlichen Leitung und der Offenbarung durch erleuchtete Propheten zuteil. Iehuda ha Levis Sehnsucht fühlt sich doch nicht zu tragischen Verzicht verurteilt, Was einst gewesen ist, kann, wie er gläubig hofft, wird wiederkehren. Seine Ungeduld wartet nicht auf das göttliche Wunder. In seinen alten Tagen will er den Zion, das Ziel seiner Sehnsucht, schauen, um wenigstens da sterben zu können, wo er nicht leben durfte. Gr hauchte, wie die Sage meldet, vor den Toren Jerusalems seine Seele aus: die heilige Stadt hat er nicht betreten. Aber es war ein schöner Abschluß des Daseins, daß er so sein jüdisches Lebensideal in seiner Person zur Wirklichkeit geweckt hat. Taufjudentum und Antisemitismus! Von Dr. 5elix Goldmann. in getaufter Jude namens Karl Anton, der im Jahre ^8 „aus schmutzigem Eigennutz zum Thristentum übergetreten ist," iwie Grätz mit vollem Rechte sagt, und der infolgedessen Professor für rabbinisches wissen an der Universität Ls e l m st ä d t wurde, schreibt in einem H753 erschienenen polemischen Werke: „Ich kann es nicht ohne Betrübnis schreiben, daß absonderlich in den vorigen Zeiten die meisten Juden, welche zur Christlichen Religion getreten, solche gewesen sind, die teils unwissend, teils ansNebenabsichtendiesever- -Änderung vorgenommen haben. Dahero haben sie sich nicht bemühet, die wahre ReligionThristi, welche die Lserzensänderung erfordert, kennen zu lernen, ihren verlassenen Brüdern mit guten Ex e mp e ln vorzugehen, und mit einem Paulo auch eifrig st ihre Bekehrung zu wünschen. Sondern sie haben sich vielmehr bei den Christen durch allerlei schändliche Verleumdung (weil sie zum Teil nicht anders gewußt haben) über ihre Brüder einzuschmeicheln gesucht, um sie dadurch noch mehr gegen unseren allerheiligsten Glauben zu erbittern." Selten ist wohl ein treffenderes und giltigeres Urteil über die getauften Juden abgegeben! worden, als in diesem vorsichtig abgefaßten, aber vielsagenden Wort des Renegaten Anton, der zwar über sich selber damit eine vernichtende Aussage macht, der aber seine Gesinnungsgenossen gekannt hat, wie kaum ein anderer. In unseren Tagen ist eine deutliche Zunahme des Widerwillens gegen den getauften Juden zu verzeichnen. Bei unseren Glaubensgenossen ist eine beachtenswerte Bewegung zu verspüren, welche nicht nur die Fahnenflucht im eigenen Lager zu bekämpfen sucht, sondern mehr noch auf den minderwertigen Charakter des Täuflings und damit auf die offenbaren Schäden weist, die sich aus einer Ueberhandnahme der Abfallseuche unbedingt für Staat und Gesellschaft

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