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Liberales Judentum · 1913-08-01 · Heft 8 (August 1913) · p. Seite 181

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 8 (August 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
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MaL Wiener: Jüdische Nenker -es Mittelalters 18.1 über die Geister. Und so wenig ein jüdischer Denker es vergessen konnte, daß gerade bei den religiös entscheidenden Punkten keine Brücke von der aristotelischen Weisheit zu der Lehre der Väter hinüberführte, — der Gott der Bibel ließ sich in der sonst so gepriesenen Metaphysik des griechischen Philosophen nicht wieder finden — so ist auch nicht zu verkennen, daß im ganzen die Weltansicht dieser Theologen sich auf der griechischen Wissenschaft aufbauen wollte. Man suchte und fand ihre Prinzipien in der Bibel dargelegt. Die unbedingte Verbindlichkeit der Dffenbarungslehre wurde aufrichtig anerkannt; die talmudische Interpretation des biblischen Gesetzes von keinem angefochten. Aber das 'Gepräge des religiösen Systems, wie es die jüdischen Aristoteliker konstruierten, war eben doch wesentlich von der Art verschieden, die religiöse Weltbetrachtung aufweisen mußte, wenn sie gerade und ungezwungen aus ihren eigenen Wurzeln hätte aufsprießen können. Um nur einen — den wichtigsten — Unterschied in der Grundrichtung hervorzukehren: der Geist, der Griechen ist durch und durch intellektualistisch; Aristoteles Gott ist selig im ewigen Sichselberdenken. Und so haben alle, die ihm mehr oder weniger gläubige Bekenner waren, im Denken und Forschen über die höchsten Dinge des Menschen wahre Aufgabe, sein eigentlichstes Daseinsziel erschaut. So gelangen wir auch auf diesem besonderen Wege zur Gleichsetzung von Religion und wissenschaftlicher Erkenntnis. Gegen ^>iese Entwicklung kämpft der tiefste der im eigentlichen Sinne religiösen Denker des jüdischen Mittelalters, der geniale Dichter Iehuda ha Levi. Es ist gewiß kein Zufall, daß es gerade dem Künstler widerstrebte, zur religiösen Wahrheit durch das Mittel. scharfsinniger Begriffszergliederung vorzudringen. Er kennt die Philosophie und ihre Methode, um über die Grenzen ihrer möglichen Leistung urteilen zu können. Aber ihm offenbart sich auch das Wesen des Religiösen in strahlender Klarheit. Er sieht ein, daß als seine Grundtatsache das Faktum einer göttlichen Offenbarung anerkannt werden muß und daß die Offenbarung, wie die Propheten sie erlebt haben, schlechterdings etwas anderes ist als alle Tatsachen des gewöhnlichen natürlichen Geschehens. Soweit können freilich auch 'die Philosophen unter den Theologen, unserem Denker gerne folgen; denn keiner von 'ihnen will die Tatsache einer Offenbarung bestreiten. Aber der einzige Iehuda Ha-Levi fühlt, daß mit ihrer Anerkennung, für die Gotteserkenntnis ein anderer Weg. vorgezeichnet wird, als 'der von der rationalen Spekulation beschrittene. Ihm gilt — im Gegensatz zu den Philosophen — als die höchste Stufe des religiösen Lebens nicht die von der wissenschaftlichen Methodik geleitete Forschung über Gott und göttliche Dinge, sondern die naive, nicht reflektierende Gläubigkeit. In dieser Einweisung kommt aber nicht etwa die simple Geistesart eineswissenschaftsfeindlichen Pietismus zu Worte; auch nicht der Gefühlsüberschwang des- Dichters, den ein Aufschwung des Geistes mühelos zu den höchsten Höhen emporträgt. Sondern die instinktive Ueberzeugung, daß die religiöse Wahrheit die Erkenntnis von. Dingen erschließen will, welche von dem natürlichen Licht niemals erhellt werden. Diese Auffassung heißt den Denker auf die Bundesgenossenschaft der Philosophie verzichten, auch wenn diese zum „Beweise" dev Glaubensgrundlagen, als da sind göttliche Vorsehung^ Schöpfung aus dem Nichts, Knsterblichkeit der Seele, bereit ist; er erkennt ihre Zuständigkeit in diesen Fragen nicht an. Nun kommt eine Schwierigkeit. Die religiösen Wahrheiten haben sich der prophetischen Schau enthüllt. Aber der Mund dev

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