Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 8 (August 1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedenkrede Khilipfsns auf Hernrmann Uogelstein 177 heimschen Richtung sind, fordert das Reformjudentum die Erklärung und Darstellung der Grundsätze und Einrichtungen der Religion im Lichte der Sorge für die religiösen Bedürfnisse des modernen Juden, aber es lehnt die Trennung von der Reneseth Israel ab. Vogelstein schätzte den Wert der Organisation und nahm an allen jüdischen religiösen Organisationen seines Vaterlandes leitend teil. Auf der deutschen Rabbinerversammlung f88H war er eine der im Vordergründe stehenden Persönlichkeiten; wie bereits erwähnt, rief er die Vereinigung der liberalen Rabbiner ins Leben, und ebenso gab er die Anregung zur Begründung der großen Organisation, die jetzt ihre Mitglieder nach Tausenden in ganz Deutschland zählt, der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. Während des letzten Jahrzehnts seines Lebens war er bei allen Versammlungen zur Förderung der Sache des liberalen Judentums anwesend; überall wurde er als einer der Führer angesehen. Seine bedeutendste literarische Leistung für die liberale jüdische Sache war seine Bearbeitung und Rebersetzung des Gebetbuchs auf Veranlassung des jüdischen Gemeindeverbandes in Westfalen. Er ließ sich dabei von folgenden Grundsätzen leiten: Beseitigung der Stellen, in denen die Opfer und der Dpferdienst erwähnt wird; Beseitigung der Wendungen, die von der Rückkehr nach Jerusalem sprechen; Vermeidung der vielen Wiederholungen, namentlich wenn der Inhalt eines Gebetes in dem nächstfolgenden wiederholt ist; Beseitigung aller Ausdrücke, die nicht im Einklang mit dem Empfinden unserer Zeit sind, (hierunter ist auch die möglichste Einschränkung des mystischen Elements zu verstehen.) Als das Buch l.89^ erschien, wurde es von den orthodoxen Führern und der orthodoxen Presse heftig angegriffen. In seiner Antwort auf die Angriffe, mahnte Vogelstein seine liberalen Glaubensgenossen sich nicht entmutigen zu lassen, sondern ihren Anschauungen, ungeachtet der heftigen Exzesse gegen die liberale Bewegung treu zu bleiben. „Wünscht ihr aber nicht, daß Israel von allen vier Enden der Erde nach seinem Lande hin gesammelt werde; huldigt ihr der Ansicht, daß der Dpferdienst nur ein Zugeständnis an nunmehr veraltete Anschauungen gewesen, und daß seine Wiederherstellung nimmermehr erstrebens- und begehrenswert sei: dann gebt auch in euren Gebeten "der Wahrheit die Ehre und laßt euch nicht durch Furcht oder durch falsche Rücksichten bestimmen, mit euren Lippen auszusprechen, woran euer Gerz keinen Teil hat, spannt eure Zunge nicht als einen Bogen!der Lüge, legt mutig eine Lanze ein für die Wahrheit und seid versichert: es ist ein Gott wohlgefälliges Gebet, wenn ihr als treue Israeliten: in euren Andachtsstätten das Lob des Höchsten erschallen laßt, wie es in dem neuen Gebetbuche schlicht und innig zum Ausdruck kommt." Ich hatte nicht das Vergnügen, Dr. Vogelstein persönlich zu kennen. Aber nach allen Berichten war er eine äußerst liebenswürdige Persönlichkeit, heiter und freundlich. In seinem Heim gab er das Vorbild aller Tugenden des traditionellen jüdischen Familienlebens; unter seine:: Freunden konnte man auf ihn bauen. Diese Gedenkfeier, obgleich so fern von dem Heim und dem Lande, in dem er seine Lebensarbeit vollendet hat, bekommt doch einen intimeren Tharakter durch die Tatsache, daß sein Sohn, der in unserer großen amerikanischen Metropole ansässig ist, heute hier anwesend ist, um gemeinsam mit uns seines Vaters Gedächtnis zu ehren. Durch die lebendige Gegenwart seines Sohnes werden wir dem edlen Ölkanne näher gebracht, den wir, ob er gleich den meisten von uns