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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 166

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 166 (sequence 46)
Language
German
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166 In rrgenrr Sache In eigener äacke. Unter der Ueberschrift: „Der Israeli! und Gerr Dr. Wohlgemuth in Nöten" veröffentlicht die Allgemeine Zeitung des Judentums in ihrer Nummer 2\ vom \5. Juni W3 folgenden Artikel „von einem parteilosen", dessen Namen mir, wie ich ausdrücklich bemerken will, vollkommen unbekannt ist: „Zn den letzten Nummern seiner Zeitschrift „Liberales Judentum" hat Dr. T. Seligmann in ausführlicher Weise den Nachweis geliefert, daß die Orthodoxie, auch die der allerstrengsten Observanz, in ihrer praktisch-religiösen Betätigung ebenfalls zahlreiche biblische und talmudische Vorschriften außer Geltung gesetzt habe. Die sehr zahlreichen dort angeführten Beispiele sind dermaßen frappant, daß sie im hohen Nlaße geeignet sind, jeden Leser davon zu überzeugen, daß dieselbe Orthodoxie, welche über das liberale Judentum die Exkommunikation verhängt, in Wirklichkeit mit dem Neligionsgionsgesetz nicht anders verfährt, als das letztere Judentum. Diese Argumentation Seligmanns hat den sonst so kampflustigen „Israelit" sowie seinen Scharfrichter, Herrn Dr. Wohlgemuth, so sehr in die Enge getrieben, daß sie noch nicht einen dieser Beweise zu widerlegen wagen, trotzdem diese Beweisführung Seligmanns das ganze Programm der Orthodoxie als das widerspruchvollste und inkonsequenteste hinstellt. Anstatt die vielen Beweise Seligmanns zu entkräften, zieht Dr. Wohlgemuth sich in den Hintergrund zurück und läßt in der letzten Nummer des „Israelit" die Polemik Seligmanns durch Herrn D r. I. Larlebach, ohne auf ihren eigentlichen Inhalt einzugehen, mit einigen Blätzchen und witzchen in überlegenem Tome verspötteln. Es bestätigt sich hier aufs klarste, was im Leitartikel der Nr. 20 der Allg. Zeitung des Judentums eingehend gezeigt wurde, daß die verketzernde Trennungsorthodoxie, von der man in der westeuropäischen Iudenheit keine Vorstellung hat, nur durch die mangelhafte religionswissenschaftliche Bildung der deutschen Orthodoxie ihr leichtes Spiel hat. Tatsächlich sind ihre Inkonsequenz und die gewohnheitsmäßige Selbsttäuschung in der Theorie und Praxis eine dermaßen lächerliche, daß sie jeder diesbezüglichen Polemik aus dem Wege gehen. So befinden sich auch jetzt der „Israelit" sowie Herr Dr. Wohlgemuth und Dr. Tarlebach in einer Klemme." Gegen diesen Artikel wendet sich Herr Dr. Wohlgemuth in einem Eingesandt an die A. Z. d. I., worin es heißt: „Es ist unwahr, daß ich mich den Artikeln des Herrn Dr. T. Seligmann gegenüber in den Hintergrund zurückgezogen habe. Wie unwahr die Behauptung ist, ergibt sich schon aus dem Umstand, daß in derselben. Woche, in welcher der erwähnte Artikel in Ihrem Blatte steht, die „Jüdische Presse" einen Aufsatz von mir, betitelt „Die Verteidiger der Richtlinien" bringt, in dem ich mich mit den Schriften der Herren Dr. Samuel, Essen und Dr. Seligmann, Frankfurt a. Bl. auseinandersetze." Auf die sachlichen Entgegnungen des Herrn Dr. Wohlgemuth werde ich z. Z., nach Abschluß der Artikelserie, wohl in der einen oder anderen Weise eingehen; zu den Schmähartikeln des Herrn Dr. Tarlebach aber habe ich nur das eine zu bemerken, daß dieselben der treffendste Beleg zu dem sind, was ich in meinen Artikeln ausgeführt habe, daß „die Hauptforce" der Orthodoxie „seit S. R. Hirschs ,ersten Mitteilungen^ darin bestand, sich jedem wissenschaftlichen Werk des Judentums an die Ferse zu heften, und wo sie ein Zitat

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