Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 160 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Mcherschau E. Gut, Für unsere Jugend, rin Unterhaltungsbuch für israelitische Knaben und Mädchen. Neue Folge. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. 8°- l48 Leiten. Preis geb. 3 ITT. Mas wir vor etwas mehr als einem Jahre dem ersten Band „Für unsere Jugend" uachrühmen durften, daß es mit ungewöhnlichem Geschick und feinsinnigem Takt zusammengestellt und überall interessant sei, dasselbe gilt auch von dieser neuen Folge, die nach denselben Grundsätzen zusammengestellt ist wie der erste Band. Reizvolle Erzählungen unserer besten jüdischen Autoren, schöne Gedichte jüdischen Inhalts — auch von nichtjüdischen poeten —, legenden, Saaeii, Märchen wechseln in bunter Reihenfolge ab und bieten vielfach fesselnde Belehrung, religiös-sittliche Anregung und werden sicherlich Liebe und Verehrung zu unserer Väter Religion in das kindliche Gemüt einpflanzen. Nirgends tritt eine aufdringliche Tendenz hervor, alles ist gediegen, vornehm und von ästhetischem Reize. Als besonders vornehm und geschmackvoll haben wir noch den schönen Einband hervorzuheben, das einfach-gediegene, vornehme Kleid, in welchem die Verlagsbuchhandlung ihr Kind in die Welt schickt. D r. Seligmannn. Mesrg J. Plotkr, Heinrich Heine als Dichter des Judentums/ Verlag Tarl Reißner, Dresden 1913- 8°. Uf 5. „Man kann bei der widerspruchsvollen Natur Heines mit einer bloßen Kompilation seiner Aeußerungen über religiöse Dinge am wenigsten zu Resultaten kommen." . Von diesem Gesichtspunkt aus beurteilt Georg plotke in einer Rezension über „Heines Verhältnis zum Judentum" von Tarl putzfeldt in der „Allgem. Zeitung des Judentums" diese Schrift, von der er zum Schlüsse sagt: „Es handelt sich im ganzen wesentlich um eine an sich dankbar zu begrüßende Materialsammlung, die einen geistigeren Bearbeiter erwartet." Daß sich jetzt in Georg plotke dieser geistigere Bearbeiter gefunden hat, ist mit Anerkennung zu begrüßen. Mit feinem Verständnis und bewunderungswürdigem Fleiß hat plotke versucht/ allen tiefsten Seelenregungen und Stimmungen des Dichters nachzusxüren. Zwar mit dem modernen Schlagwort „Zionist" möchten wir Heine nicht benennen; durch seine Freunde im Kulturverein, Zunz, Moser, u. a. m. und durch tiefes Versenken in die Byron'schen „Hebräischen Melodien" ist das geschichtliche Bewußtsein der Zugehörigkeit zu seinem Stamme in ihm geweckt worden. Der „Romanzero" zeigt uns, wie sehr die Byron'schen Melodien in ihm nachklingen und ihn nicht loslassen. Aber das geschichtliche Zusammengehörigkeitsgefühl ist noch kein Zionismus mit all seinen postulaten, wie ja plotke auch selbst einmal zugesteht, „die jüdisch-nationale Tendenz ist natürlich nie klar zur Aeußerung gelangt". Also die Zionisten können selbst den jungen Heine des Kulturvereins nicht für sich in Anspruch nehmen. Aber ebensowenig das liberale Judentum den älteren Heine. Wenn plotke auch sagt, nicht die Misere, sondern das himmlische Heimweh trieb ihn über den Pantheismus zum persönlichen Gott zurück und wenn der wundervolle Passus in Heines Testament auch lautet „ich sterbe im Glauben an einen ewigen Gott usw."; so äußert sich darin wohl ein Zurückfinden zum Theismus und ein Bekenntnis zur religiösen Weltanschauung des Judentums, aber kein Bekenntnis zum liberalen Judentum. Wir halten es deshalb auch nicht für richtig, daß die „Richtlinien für das liberale Judentum", die nichts mit Heine zu tun haben, in diesem Buche über Heine abgedruckt sind. Abgesehen von dieser unserer abweichenden Ansicht haben wir diesen „Versuch" von Georg plotke mit größtem Interesse gelesen und können ihn als eine durchaus glückliche Lösung der Aufgabe bezeichnen, uns die innerliche Umwandlung des Dichters^ soweit sie seine „jüdische Seele" betrifft, miterleben zu lassen, wir verstehen es, aber wir können es nicht billigen, wie er durch die Not des Lebens und durch das Drängen seiner Familie dazu getrieben wird, die Taufe zu nehmen, um sich dann sofort mehr als je „jüdisch" zu fühlen. In einem „schamhaft verlegenen Brief" an Moser lesen wir: „Ich will ein Japaner werden. Es ist ihnen nichts verhaßter wie das Kreuz. Ich will ein Japaner werden."