Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 158 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Sücherschau Max piccotomini, freundet er sich an, da er ihm Bruder wird durch die Gleichheit seines Polenschmerzes und des Iudenschmerzes.. Gr geht mit ihm nach Polen, um im Freiheitskampfe gegen die Russen unter Diebitsch mitzustreiten. In Warschau — er ist inzwischen Premierleutnant geworden — trifft ihn die Nachricht seines Freundes Levy, daß Thora nach langem Kampfe den: Leutnant Tngberg die Hand zur The gereicht hat. Bei der Verteidigung Warschaus wird Jakob schwer verwundet und kehrt nach langem Krankenlager nach Kopenhagen zurück. Dort beobachtet er gleich nach seiner Ankunft von einem verstecke aus Thora, die Gattin des ewig betrunkenen Tngberg. 'n den Armen eines minderen. Durch ein Briefchen. das er ihr zukommen läßt, verschuldet er ihren Tod. Tr verfällt der Mißachtung seiner Kollegen und zieht sich ganz zerstört und verunglückt, früh gealtert in das Iudenviertel zurück, wo er der Wohltätigkeit lebt, auch gelegentlich Geld verleiht. Tr stirbt bald darauf „an einer alten Wunde" und wird nach dem strengsten Ritus beerdigt. Tin Jude sagt über ihn: „Tr war ein frommer Mann! Tr hat mehr Gutes getan, als die ganze Gemeinde zusammen. In allen ThevresH war er, und wo er einen jüdischen Jungen fand, der bei einem Thristen in der Lehre war, hat er gleich dafür gesorgt, daß er zu einem jüdischen Meister kam. Und so oft ein Knabe zu dem verfluchten Studieren bestimmt wurde, das den besten Juden zu einem Goj macht, war er bei der Hand und machte, daß er hinter einen Ladentisch kam. LieüraunLU livrocho."* 5) Sein Studienfreund Levy aber, der am besten wohl sein Scheitern begriff, ruft ihm nach: „Tr hat einmal an die ewige Poesie und das ewige Leben geglaubt!" Der Inhalt dieses umfänglichen und figurenreichen Romans mußte ausführlicher gegeben werden, um die Mischung romantischer und jüdischer Tlemente und die nazarenische Geistesrichtung des Buches und seines Schöpfers, dem manches Wort Heinrich seines über Ludwig Börne auf den Leib geschrieben zu sein schemt, wenigstens in Umrissen aufzuzeigen. Dieser Jakob Ben¬ Wohltätige Stiftungen. 5) Sein Andenken sei gesegnet. dixen, der zerbrochen wurde durch sein noch unbefreites Judentum, den zähen Konservatismus seiner elterlichen Generation auf der einen Seite, die enge Unduldsamkeit auf der christlichen Seite, die selbst vor der reinsten Liebe — und diese ist hier Symbol — nicht überwunden werden kann, der zerrissen wird durch den Kampf zwischen Herz und Haupk und Blut, ist der typische Jude aus der Uebergangszeit. hinter ihm wetterleuchtet noch die <Vual des Ghetto, das doch sein letztes Ruheziel ist, das goldene Tor der modernen Kultur ist noch nicht ganz eröffnet. So wird er ruhelos und vereinsamt, ein Ahasver, ein jüdischer Faust, dessen zweifellose Kräfte nicht entkeimen können. Die pariastellung der Juden ist hier trotz allem unsentimental gefaßt, mit mächtigem dichterischen Feuer, wie niemals später. Damals, ja damals hätte eine zionistische Idee Trlösung aus allen Halbheiten und Aengsten geben können! Goldschmidts Kunst in ihrem halben Dunkel erinnert trotz gelegentlicher düsterer Verzerrungen an die Bilder Jan Steens, Wouverman, Franz Hals, doch meistert er die Kunst der Hintergründe derartig, daß wir hinter dem Tinzelschicksal die große Idee, das ganze Volk, unermeßliches Leiden und Hoffen ahnen. Und in der Tat, man schaue sich einmal das Kopenhagener Iudenviertel heute noch an, wie sehr es an altholländische Motive erinnert und doch die tiefsten Hintergründe ahnen läßt! Im Jahre \%2 lernen wir dies historische Buch des Iudenschmerzes kennen. Indem wir uns neigen vor diesem Leiden, fühlen -wir gleichzeitig dankbar das Licht, in dem wir modernen Juden stehen. Wir sind, obwohl der Probleme noch viele auf Lösung warten, auf dem Wege zur letzten Synthese: als treue Juden unlösbar in die große Kette unsrer historischen Entwicklung eingegliedert zu sein und ebenso unlösbar verpflichtet zu sein, an dem ungeheuren Baue europäischer moderner Kultur und Gesittung mitzuwirken. — Uineta. Dichtungen von Henriette Fürth. Wir freuen uns dieses Geschenkes, das die bekannte und geschätzte Sozialpolitikerin Frau Henriette Fürth-Frankfurt a. RI., unsgegeben hat.