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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 156 (sequence 36)
Language
German
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156 Süchrrschmr o o o o dichterisch wie politisch ein Erbe der vornehmsten spätromantischen und jungdeutschen Anschauungen.-) Goldschmidt gehört jener Dichtergeneration an, die bei uns in Deutschland durch Männer wie Ludwig Wihl, Frankl, Stein heim u. a. vertreten wird. Während aber diesen deutschen Juden der auf jüdisches Gebiet übertragene Weltschmerz Lord Byrons erst das poetische Handwerkszeug gab, verdankt ihm der dänische Dichter als stärkeres Talent nur ein Timbre seiner Poesie. Gemeinsam hat er mit diesen Deutschen den schwerwiegenden Umstand, daß er in seiner Kindheit noch den Hauch des Ghetto verspürte, der ihn später noch wie Kellerkühle umschauerte. Und dies ist ein artbildendes Merkmal, wie kaum ein anderes! Als der Dichter den Roman „Tin Jude" schrieb, war er in die Sonne Kopenhagens getreten, eine vita nuova hatte begonnen, in deren Vollbesitz er es wagen durfte, ohne Schwächung zu befürchten, sich seine Kindheit zurückzuerobern und sich wieder zu umgeben mit dem vielen Schmerzlichen und dem wenigen Süßen, aus dem die Sugend eines Sudenknaben zu Beginn des Jahrhunderts in einer dänischen Kleinstadt zusammengesetzt ist. Ts ist aber trotz der liebenden Dankbarkeit, die dem Dichter alles verklärt, ein tief schmerzhaftes Buch geworden. Aber es ist auch ein typisches Buch für die jüdische Uebergangsgeneration und als solches interessant und bedeutungsvoll. — Der Roman beginnt mit der Geburt des Jakob Bendixen im Sudenviertel einer kleinen fünenschen Stadt zur Zeit des englisch-spanischen-dänischen Krieges und endet mit "dem „altväterischen Sudenbegräbnis" dieses Melden. Der Kriegsunruhe in der Stadt der „Kemech"H wird zunächst die jüdische Familie Bendixen gegenübergesetzt, in ihrer Enge und bedrückenden Starrheit doch von einem fauche des Aristokratismus geadelt. Jakob Bendixen empfängt vom Rabbi Sokef den Segensspruch: „werde stark, wie Suda, und wie Asser gesegnet mit Reichtum". Sein Vater begrüßt ihn mit den Worten: „Allmächtiger Vater! Herrscher der 2) cons. Georg Brandes, Meier Aaron Goldschmidt, Jahrb. f. jüd. Gesch. u. Lit. 3) Christen. Welt! Sch danke Dir, daß Du mir gegeben hast einen Sohn, daß er Kaddisch sage übev meinem Grab. So es Dein Wille ist, geschehees bald! Nimm, wenn es Dir gefällt, alles^ Glück von meinem Haupt und schenk' es mei-- nem Sohn. Sch will mich beugen in den Staub und segnen Deinen Namen, sofern nur er glücklich ist." Der Knabe wird, um nicht „Rischeß" zn erdulden, zunächst vom Vater und dem kriegerischen, hünenhaften Onkel Ssak Bamberger unterrichtet. Seine Kindheit ist sehreinsam; die andern Kinder verspotten ihn als Süden und verprügeln ihn, bis er eines- Tages, von krampfhafter Raserei gepackt^ einen von lhnen halbtot schlägt. Nun bleibt: er ganz allein, sitzt auf des Vaters Wiese^ die bis zum Meeresufer hinabreicht und sinnt seltsamen Phantasien nach. Es folgt dio Schilderung altjüdischer Gebräuche, die unsheute in ihrer kabbalistischen Fremdartigkeit teilweise ganz unbekannt geworden sind, und der Festtage, von denen gerade das pesachfest der H.ei ne'sehen Darstellung im „Rabbi, von Bacharach" kaum etwas nachgibt. Ein kindliches Spiel veranlaßt den Vater, Sakob nicht in seinem Geschäft unterzubringen, sondern ihn für den ärztlichen Beruf zu bestimmen. Ausgerüstet mit genauer Kenntnis der Thorah und der Gemarah soll, der Knabe nach seiner Barmizwah auf eine- Kopenhagener Gelehrtenschule geschickt werden. vorher aber findet noch eine Süden Hetzestatt, die wie Pest sich von Hamburg übev Kopenhagen her ausbreitet. persönliche Gehässigkeiten, ein Prozeß, den ein Sudegegen einen christlichen Kaufmann gewonnen hatte, das sind die mittelbaren Veranlassungen, während unmittelbar die allgemeine Antipathie gegen das „Mosesvolk" wirkt. Der Aufruhr wird im Keime erstickt, doch sticht der kleine Sakob einen der eindringen-- den Bauern mit dem Dolche: „Setzt ist Blut da zwischen ihm und den Thristen." Auf der Kopenhagener Lateinschule setzen sich die Leiden der frühen Kinderjahre Sakobs in verstärktem Maße fort. Er duldet unsäglich, bis er einen seiner gleichaltrigen Peiniger schwer verletzt: „da Hab' ich ihn geschlagen, bis ich glaubte, er sei tot". Der Rektor, der in Lavaters Schule gelernt zn

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