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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 152

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 152 (sequence 32)
Language
German
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152 Kücherfchau ausgabe bestehen bleiben und ihre Verwen- | düng als Schulprämie, als Barmizwoh- und Konfirmationsgeschenk u. dgl. finden: zur Einführung in die Familie ist eine Ausgabe unentbehrlich, die den Preis der alten Lsaggadahs nicht oder doch nur unerheblich übersteigt. Sobald eine solche Ausgabe erscheint — hoffentlich schon rechtzeitig vor dem nächsten peßachfest —, wird es den Lehrern, Rabbinern und allen denen, die in der Lage sind, auf jüdische Kreise Einfluß zu üben, eine angenehme Pflicht sein, durch Bekanntmachung und Empfehlung der neuen Haggadah unserer Sederfeier alte Freunde wiederzugewinnen und neue zuzuführen und so zur -Erhaltung einer der schönsten Einrichtungen des Judentums an ihrem Teile beizutragen. Air Weltanschauung des Judentums von Rabbiner Dr. Ludwig pick, Berlin. \9\2. T. Boas Nachfolger, Oerlagsbuchhandlung Berlin. 8°. 52 S. Es gibt eine mechanische und eine teleologischey eine naturalistische und eine idealistische, eine pessimistische und.eine optimistische, eine religiöse und eine atheistische Weltanschauung, es gibt, spezieller, eine Weltanschauung des Pantheismus und des Theismus, des Heidentums und des Judentums, des Christentums und des Islams. In jedem einzelnen dieser Beispiele ist „Weltanschauung" die große Konzeption, die von einem quasi archimedeischen Standpunkte aus angeschaute Welt in ihrer Ganzheit und in ihrem Verhältnis zu einer eventuellen zweiten Wirklichkeit, einer transzendenten oder immanenten zweiten Welt. Anders in unserem Buche. Liier bedeutet „Weltanschauung" kaum etwas anderes als „Lehre", „Religion". Vieles was zur Weltanschauung des Judentums gehört, fehlt und vieles was in dem Buche steht, gehört nicht zur „Weltanschauung" des Judentums. Man merke nur auf die Kapitelüberschriften: „Die Grundzüge des Judentums", „Die Einheit des Menschengeschlechts", „Das Reinmenschliche im Judentum", „Stellung zum Darwinismus", „Die einheitliche Moral", „Die Moral des Alten und des Neuen Testaments", „Die Moral des Optimismus und des Pessimismus", „Die staatliche, und die soziale Moral", „Die einheitliche Religion", „Das Wesen der Zeremonien und Ritualien", „Judentum ünd Christentum", „Missionstätigkeit und Staatsbürgertum", „Diskussion", „Der Modernismus. Spinoza. Religion und Philosophie", „Der religions- und sozialgeschichtliche Geist". Als Sammlung apologetischer, religionsgeschichtlicher und religionsphilosophischer Aufsätze über das Judentum, ohne die Prätension „eine Weltanschauung des Judentums" zu geben, sind die einzelnen Kapitel sehr schätzenswert. Sie sind interessant und belehrend, populär und doch voll wissenschaftlichen Ernstes. Der Verfasser verfügt über ein anerkennenswertes religionsgeschichtliches Wissen und besitzt dialektische Gewandtheit genug, um überzeugend zu wirken. Das eigentümliche und wahre Wesen des Judentums bilden nach ihm die drei Prinzipien: Das einheitliche Menschengeschlecht, 2. Die einheitliche Moral, 3. Die einheitliche Religion. „Während im Altertum das Judentum mit der Einheitslehre seiner Weltbetrachtung als ein unverstandenes Rätsel mitten unter den Völkern der Erde ganz isoliert dastand, im Mittelalter diese intensive Linheitslehre einerseits von christlich-hierarchischen, andererseits vom islamischen Fanatismus unterdrückt und der Verdammnis preisgegeben war, fängt die moderne Zeit mit ihrem wachsenden Ideenreichtum in dem tiefen Streben nach Erkenntnis des umfassenden Ganzen an, dem Judentum in den grundlegenden Zügen der allgemein menschlich-moralischen und religiösen Erkenntnis gerecht zu werden." . Wir führten diese Worte als charakteristisch für die Verbindung des philosophischen mit dem historischen Denken des Verfassers wörtlich an. Sie sind auch als Versuch anzusehen, die jüdischen Lehren unter einen allgemeinen großen Gesichtspunkt systematisch einzuordnen. Der Verfasser bleibt aber bei dem versuche stehen. In der Folge fehlt der systematische Zusammenhang und wird ersetzt durch eine ziemlich lose Aneinanderreihung i an sich schöner und fruchtbarer Gedanken.

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