Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 150 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Mcherschim o o o o tischen Aufsätze auch in der Bearbeitung noch mancherlei Schwierigkeiten auch für primärer enthalten. Auf der anderen Seite aber bietet Freudenthals neues Religionsbuch nicht nur den Schülern und Schülerinnen höherer Lehranstalten, sondern auch dem fortgeschrittenen Alter ein gediegenes, inhaltreiches und vornehmes Werk zur Belehrung und Anregung über Religion und Judentum. Möge das prächtige Buch viele aufmerksame Leser und. Leserinnen finden. Dann wird es zweifellos dazu beitragen, neues Interesse an den religiösen Problemen, neue Liebe und Begeisterung für unser Judentum wachzurufen. D r. S e l i g m a n n. Eine neue Keßach-Kaggadrch, besprochen von Rabbiner Dr. Norden-Elberfeld. Nor einigen Jahren schickte mir ein Arzt aus Süddeutschland ein Manuskript, das eine bjaggadah in deutscher Sprache und zwar in Reimen enthielt. Er hatte das Gedicht für sein soeben schulpflichtig gewordenes Rind verfaßt, und da das Rind am Sederabend seine Freude daran gehabt, wollte er die bsaggadah dem Drucke übergeben. Er fragte mich nun an, ob er sich bei der Herausgabe u. a. auf mich berufen dürfe. Ich las das Gedicht mit Aufmerksamkeit: es steckte viel Laune und Humor darin, aber eins fehlte ganz und gar, die feierliche Stimmung, die über den Sederabend ausgegossen sein muß. Die kurzen Rnüttelverse erinnerten mich unwillkürlich an die „Mar und Moritz" - Geschichten. Peßach aber ist kein Purim, und für den Sederabend paßt keine Fastnachtstimmung. Ich riet dem Verfasser deshalb, seine Dichtung nicht zu veröffentlichen, da sie nicht den Anspruch erheben könne, ein Ersatz für die alte, ehrwürdige Haggadah zu sein, und er scheint den Rat befolgt zu haben. Eines Ersatzes aberfür die alte Haggadah, bezw. einer durchgreifenden Umarbeitung derselben, bedürfe n wir unter allen Umständen, weniger darum, weil sie zu umfangreich ist (es steht fa schließlich Jedem frei, sie in gekürzter Form zu lesen), als vielmehr darum, weil sie erstens ganz in hebräischer Sprache abgefaßt ist, und weil sich zweitens vieles in ihr mit dem geläuterten Geschmack unserer Tage nicht mehr verträgt. Mancher Familienvater, der früher Jahr für Jahr den Seder abhielt, hat die schöne Feier eingestellt, da er die trübe Wahrnehmung machen mußte, daß die Hausgenossen, weil sie das Vorgetragene nicht verstanden, teilnahmlos dasaßen, oder daß sie gar über den Inhalt der Haggadah ihre Glossen machten. Rabbiner D r. S e l i g m a n n in Frankfurt a. M. hat es nun unternommen, diesem Uebelstande durch eine Neubearbeitung der Haggadah abzuhelfen.*) In diesem Bestreben hat er übrigens schon Vorgänger: Der frühere Frankfurter Rabbiner Dr. Leopold Stein hat seinem neuen Gebetbuch eine Haggadah in vorwiegend .deutscher Sprache beigegeben. Sie ist etwas weitschweifig, was besonders in der Abteilung „26 ulemad“ auffällt, wo Stein die midraschische Deutung der Schriftverse (5. B. M. 26, 5 ff.) beibehalten hat. Sehr leicht hat sich Maybaum in seiner (893 erschienenen Haggadah die Sache gemacht: er druckt den hebräischen Text der alten Haggadah wortgetreu ab, ohne die geringste Auslassung oder Aenderung, und fügt als zweiten Teil des Bändchens eine kurze Bearbeitung in deutscher Sprache bei, eine Bearbeitung, die ihrerseits keinen einzigen, noch so volkstümlichen hebräischen Satz enthält. Anders Seligmann: Line Reihe wesentlicher Stücke ist entweder vollständig oder doch teilweise in der hebräischen Sprache beibehalten, so der LiääuLcd, Mah nischtannoh, Rabban Gamliel, Lefichoch etc. Daneben aber ist der deutschen Sprache der ihr gebührende Raum zugewiesen. Die größte Mühe jedoch hat der Verfasser darauf verwandt, eineHa g gadah zu schaffen, dieunserm modernen Empfinden angemessen ist. Ist es ihm doch darum zu tun, den Brauch der Sederabende in, denjenigen Familien zu erhalten, oder wiedereinzuführen, die sich mit dem Inhalt der hergebrachten Liturgie nicht befreunden 9 Rabbiner Dr. C. Seligmann: Hagada, Liturgie für die häusliche Feier der Sederabende, in deutscher Sprache neu bearbeitet. . Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1913.