Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 149 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Mchrrfcha« 149 und Gesetz von Mendelssohn; Die Grundlehren des Glaubens von Leopold Löw und Michael (Lreizenach; Die Lehre von Gott von Ludwig Philippson; Monotheismus und Monismus von I. Rülf; Gottes Gerechtigkeit und Güte von K. Köhler; Die Unsterblichkeit der Seele von Ls. 5. Lsirschseld und 3. Elbogen; Der Glaube an die Zukunft von Leo Baeck; Optimismus und Pessimismus von Ludwig Philippson; Der wert der Leiden von Samson Raphael Lsirsch; Die jüdische Sittenlehre von Moritz Lazarus; Das Menschenrecht von Leo Baeck; Die Feindesliebe von Hermann (Lohen; Sittlichkeit und Sinnlichkeit von Ludwig Philippson; Sünde und Sühne von Ludwig Philippson; Die Andacht von Ls. Steinthal; Die Familie von Güdemann; Der innere Zusammenschluß von Ludwig Philippson; Das auserwählte Volk von Ls. Steinthal; Judentum und Staat von Ls. (Lohen; Die Mission Israels von Leo Baeck. Die Namen der Autoren zeigen, daß das Buch, neben seinem religionswissenschaftlichen Inhalt, zugleich noch etwas anderes Wertvolles den Schülern darbietet, nämlich Bekanntschaft mit den besten Namen und Werken der neuzeitlichen religiösen .Literatur, die auf diese Weise bei den Schülern populär und auf diesem Weg allgemein bekannt werden. Die Auswahl der Stücke zeugt von außerordentlichem pädagogischen Geschick und Feingefühl, die sich unter anderem auch dadurch äußern, daß sich Freudenthal von jeder einseitigen und parteireligiösen Stellungnahme fernhält und jede Hervorhebung parteireligiöser Gegensätze auf das peinlichste vermeidet. So erfüllt das Werk die Aufgabe, die ich selbst einmal in dieser Zeitschrift als pädagogisches Ideal mit den Worten formuliert habe: „Der jüdische Religionslehrer, der unter den obwaltenden Umständen, mit dem gegebenen Schülermaterial den wahren Zweck des Religionsunterrichtes erreichen will, muß bei aller Festigkeit seines religiösen Standpunkts vorurteilslos genug sein, daß er für abweichende Meinungen Verständnis hat. Er muß durch unbefangenen Blick in die Verhältnisse, wie sie nun einmal gegenwärtig im deutschen Judentum liegen, zu der Höhe des Standpunktes sich erhoben haben, daß er die verschiedenen Richtungen sieht und toleriert. Der wahre .Religionslehrer darf weder nach rechts noch nach links unduldsam und verständnislos sein. . . . Er hüte sich vor der offenen oder versteckten Parteilichkeit . . . Wer sich nicht fähig fühlt, diese Rücksicht auf das religiöse Empfinden seiner Schüler zu nehmen, der lasse — ohne eigene Bemerkungen seinerseits — die verschiedenen Richtungen durch den Mund ihrer wissenschaftlichen Vertreter selbst reden, d. h. er lasse aus den Schriften S. R. Hirfch's, Geigers, Frankels usw. die geeigneten Stellen vorlesen." (Liberales Judentum, Jahrgang I, S. (25.) So findet der Schüler in dem Freudenthal'schen Religionsbuch die verschiedensten Richtungen vertreten. Probleme, die in anderen Religionsbüchern kaum gestreift werden, die aber für unsere jüdische Gegenwart die wichtigsten sind, wie die Aufsätze unter der Ueberschrift: „Die innere Aufgabe", „Die äußere Stellung" werden im Freudenthalschen Buche in aller Ausführlichkeit behandelt. In ihnen liegt der Hauptwert des ganzen Buches. Wo die Originalaufsätze zu schwierig oder zu breit angelegt waren, oder wo für die speziellen Zwecke des Religionsunterrichtes Einschaltungen nötig waren, hat der Autor die Aufsätze zweckentsprechend umgearbeitet. In dieser feinsinnigen Umarbeitung, die fast bei jedem Aufsatz nötig war, steckt eine außerordentlich große und bedeutsame Arbeit. Daß diese Umarbeitung für den Schulzweck notwendig war, kann für den einsichtigen Pädagogen keinem Zweifel unterliegen, wohl aber muß man sich die Frage vorlegen, ob es. von literarischen Gesichtspunkten richtig war, Aufsätze aufzunehmen, die einer solchen Umarbeitung bedurften. Indessen dieses Bedenken richtet sich nicht so sehr gegen. Freudenthal als gegen unsere jüdische Autoren. Freudenthal standen eben keine andere Aufsätze zur Verfügung. Wohl aber wäre dringend zu wünschen, daß sich unsere jüdischen Autoren einer Darstellungsweise befleißigten, die auch von Primanern verstanden und ohne Umarbeitung gerne und mit Genuß gelesen würde. Man kann im edelsten Sinne . populär schreiben ohne flach zu werden.; Dem. erwähnten Umstande ist es auch izuzuschreiben, daß insbesondere die dogma-