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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 140

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 140 (sequence 20)
Language
German
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140 o o 0.0 Ar. Frlir Frrrrdrnthal: Beutschland ohne Inden Setzte sich die erstere Ansicht durch, so würde in gar viele arische Familien Leid und Jammer, Trauer und Glend einziehen. Ist doch eine erstaunlich große Anzahl Personen, die sich "für reine Nachkommen Teuts ausgeben, bürgerliche und adlige Beamte wie Offiziere, durch eheliche und verwandtschaftliche Beziehungen mit deutschen Juden verbunden. Nun, auch darüber wollen wir hier hinwegsehen und einem kühnen Fluge der Phantasie folgend, einmal annehmen, wir würden aus dem deutschen Vaterlande, dem Lande unserer Vorfahren, das wir trotz aller schmählichen und hämischen Angriffe mindestens so lieben wie unsere Gegner, durch eine willkürliche Gewaltmaßregel vertrieben. Dazu gesellte sich das schreiende Unrecht, für viele Antisemiten die Hauptsache, alles .Hab und Gut würde uns genommen, wir müßten also völlig mittellos zu fremden, mitleidsvollen Völkern entfliehen, nur um Leib und Leben, Freiheit und Ehre vor grausamen Verfolgern sicher zu stellen. Was könnte Deutschland durch solches Verfahren gewinnen? Zunächst würde es in den Augen aller zivilisierten Völkern in die bluttriefende Tiefe jener mittelalterlichen Staatengebilde hinabsinken, die sich durch blinden Verfolgungswahn und übertriebenen Nationalitätsparoxismus kein Ruhmesblatt in der Weltgeschichte erworben haben. Rein Volk, keine Rasse besteht freilich nur aus Heiligen und Gerechten, sonst würden weder Strafgesetzbuch, noch Gerichtshöfe, weder Gefängnisse noch Polizei erforderlich sein. Jede Nation, jede Religionsgemeinschaft besitzt eine stattliche Reihe unangenehmer Patrone, die der anständig denkende Mensch lieber gehen als kommen sieht. Niemand wird also ernstlich leugnen, daß solche Existenzen unter den Christen wie unter den Juden sich zeigen, zuweilen hier wie da ganze Familien auf die Oberfläche gelangen, die durch Habsucht, Hoffahrt und protzentum in hohem Grade die Abneigung ihrer Mitbürger Hervorrufen. Aber darum alle in einen Topf werfen, darum hunderttausende unschuldiger, vorwurfsfreier Menschen in die Verbannung schicken? Selbst der verrannteste Antisemit kann doch nicht in Abrede stellen, daß gerade unter den deutschen Juden eine bemerkenswerte Zahl hervorragender Persönlichkeiten vorhanden ist, die sich nicht bloß in Handel und Industrie, sondern gerade auf geistigem Gebiet als Mediziner, Juristen, Philosophen und Schriftsteller besonders hervorgetan haben. Jeder von ihnen hat der christlichen Bevölkerung Nutzen gebracht, jeder war stolz darauf, sich Deutscher zu nennen und das deutsche Ansehen im Auslande zu mehren und zu stärken. Alles dies, ist aber den kurzsichtigen um nicht zw. sagen böswilligen Gegnern ein Dorn im Auge. Gegen den mauschelnden sich für alte Rleider interessierenden oft noch in lächerlichen Gebrauchen und Rostümen steckenden „Hebräer" haben jene Menschenfreunde viel weniger einzuwenden, als gegen den konkurrierenden, sie vielleicht überholenden, gebildeten und freisinnigen Bekenner der mosaischen Religion. Also wieder mal der elende Futterneid, der für geringere Tätigkeit, für Mangel an Unternehmungsgeist eine besondere nationale Prämie, an letzter Stelle die Iudenausweisung beansprucht. Glücklicherweise sind jedoch unsere christlichen Mitbürger in erdrückender Mehrzahl ebenso intelligent und tatkräftig, ja in bahnbrechenden Erfindungen und Entdeckungen oft intelligenter als die nichtchristlichen Reichsinsassen. Immer noch hat bei uns in den breiten Volksmassen der gesunde Menschenverstand und ein gerechtes Empfinden über böse Instinkte gesiegt. Dem Hetzantisemitismus ist es höchstens vorübergehend gelungen, hie und

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