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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 139 (sequence 19)
Language
German
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Ar. Felir Frrudrnthal: Aeutfchland ohne Juden 139 Seite bisher nicht gebührend beachtet worden ist. Nur die Zionisten haben die körperliche Ausbildung ihrer Zugendmitglieder in ihren Bar - Kochba - Vereinen durchgeführt. So wird der andere und größere Teil der jüdidischen Zugend in dieser Beziehung vollkommen vernachlässigt. — Auch hierfür müssen schnelltunlichst die notwendigen Schritte getan werden. Beweise für die Notwendigkeit einer besonderen körperlichen Ausbildung unserer Zugend brauchen wohl nicht erst beigebracht zu werden. Unsere Arbeit um die Zugend darf nimmer erlahmen! Durch sie schaffen wir für die gesunde zukünftige Fortentwicklung unseres liberalen Zudentums eine sichere Basis. Starke Persönlichkeiten gilt es zu erziehen, die stark und treu, echt und wahr das liberale Zudentum vertreten und in ihm aufgehen. Auch für die Zugend gilt ebenso das bekannte Wort vom ganzen Menschen: Sei nur nicht lau; Sei warm — sei kalt — Sei ganz, dann bist du groß! Deutfchland ohne Juden. Von Dr. 5elix Sreudenthal-Berlin. er aufrichtige Wunsch aller Antisemiten und ihrer offenen und geheimen Anhänger innerhalb der schwarzweißroten Pfähle gipfelt darin, unser ~ gemeinsames Vaterland „judenrein" zu gestalten und alle Bewohner israelitischer Abstammung zur Auswanderung, möglichst außerhalb Europas, zu nötigen. Die Motive für diese außerordentlich menschenfreundliche Absichten sind bekanntlich ganz verschiedener Natur. Bei den einen ist es Rassenhaß, bei den anderen Glaubensfanatismus, bei diesen Neid und Mißgunst, beb jenen bloße Furcht vor Begabung und Talenten der „Hebräer", bei den meisten ein dunkles unappetitliches Gemisch aller dieser mit der Gerechtigkeit und Wahrheit schwer in Einklang zu bringender Gründe. Wenn nichts anderes inehr hilft, die Volksleidenschaften gegen das sogenannte Gastrecht aufzustacheln, kommen die beliebten Phrasen des Wuchers, der Feigheit, Vordringlichkeit und Taktlosigkeit, schließlich die Märchen der rituellen Blutschuld, zur Anwendung, wie dies ja in Rußland den bornierten, beutegierigen und rohen Dübelmassen gegenüber stets von glänzender Wirkung ist. Angenommen nun: es gelänge einmal den vereinten Kräften unserer Hvperteu.tonen eine Exilierung der Bekenner des alten Testaments durchzusetzen, so dürfte schon die Ausführung eines solchen Verbannungsedikts ungeahnten Schwierigkeiten begegnen. Zunächst würde ein heftiger Streit darüber entstehen, was mit den zahlreichen getauften und oft nur sehr schlecht getauften Zuden und deren Abkömmlingen zu geschehen habe, ob hier nicht tabula rasa zu machen, also kein jüdischer Blutstropfen länger in Germanien zu dulden sei. Schon bei dieser Frage werden sich die verschiedenen Nüancen von Antisemiten schwerlich einigen können. Die Rassen-Zudenfeinde werden der Ansicht sein, gerade die gefährlichen Heuchler und Scheinchristen, die nur äußerer Vorteile halber einem gesellschaftlichen, amtlichen oder politischen Zwange nachgebend dem Glauben ihrer Väter den Rücken gekehrt, dürften unter keinen Umständen geduldet werden. Die Glaubens - Zudenfeinde könnten dagegen der- Meinung sein, alle, die des Erlösers Namen tragen, dürfe man nicht weiter behelligen; ' man müßte abwarten, wie sich diese abtrünnigen Glieder von Abrahams Stamm allmählich entwickeln und sie grade durch Anerkennung und Beförderung vor etwaigen Rückfällen bewahren.

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