Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 138 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Hermann Itzig: Mir Jungen lagern, und mag man über Neutralität oder parteireligiöse. oder parteipolitische Beeinflussung der Jugend denken wie man mag — die Tatsache des Bestandes solcher Iugendvereine macht eine Diskussion über die Berechtigung überflüssig. „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft." Dieses Wort sollte uns Liberalen' etwas mehr zu denken und zu handeln geben. Wir haben uns zur Zugend bisher zu passiv verhalten. Gewiß waren wir nicht untätig, aber die Zugend beansprucht ein ganz intensives Werben. Züdischliberale Zugendvereine bestehen bisher in Deutschland verschwindend wenig. Wollen wir denn hinter den Andern Zurückbleiben?! Es ist nicht j)arteiegoismus, sondern die Konstatierung wirklicher Tatsachen, wenn man die Behauptung aufstellt, daß sich gerade unsere Zugend nach einer Erneuerung des Zudentums sehnt, daß sich ihre Sympathien der liberalen Ausgestaltung unseres Zudentums vornehmlich zuwenden. Warum auch nicht? Die Orthodoxie hat heute keine Zugkraft mehr für die Zugend, das dürfte zweifellos feststehen. Zm zionistischen Fahrwasser befindet sich nur ein relativ geringer Teil der gesamten Zugend. Beim neutralen Zugendverband wiederum ist vor allem die jüngere Zugend vertreten. Wir müssen uns diesen Vereinigungen gegenüber der gewaltigen Werbekraft des liberalen Zudentums bewußt werden. Das liberale Zudentum kann unseren Zünglingen und Mädchen ein echtes Zdeal des Zudentums darbieten; es vermag ihnen die Grundlage unseres Bestandes, unsere hehre, alte Religion in neuer, zeitgemäßer Form, aber gestützt auf die alten, sittlich und ethisch-hohen Wesensgrundsätze, zu bringen. Welches Band sollte wohl fester halten, als dieses? Was kann unserer Zugend in ihrem Sehnen und Streben, in ihrem Ringen nach Erkenntnis wohl größere Befriedigung gewähren? Unser liberales Zudentum bedeutet gleichzeitig eine Weltanschauung. Muß es j uns nicht zum Stolz und zur Freude gereichen, unserer Zugend eine solche bieten zu können? Der Zionismus übt auf die jugendlichen Gemüter gewiß keine kleine Anziehungskraft aus. Es ist dies natürlich, weil nationale Tendenzen die leicht entzündbare Zugend mit Leichtigkeit entflammen können. Sich zu einer religiösen Ueberzeugung und Weltanschauung durchzudringen, ist wesentlich schwieriger, und erst auf Grund vertiefter Ueberzeugung kommt hier die Begeisterung nach. Bedeutet aber die zionistische Gedankenwelt eine Weltanschauung? Vielleicht eine beschränkte, wenn man viel konzedieren will. Nimmer aber eine religiöse. Religiöse Probleme werden doch vom Zionismus verworfen. — Was ist nun unsere Aufgabe? Die Antwort kann nur lauten: Energisches Werben. der Zugend für unsere Fahne. Wir müssen unterallen Umständen darauf bedacht 'sein, eine wirkliche jüdisch-liberale Zugendbewegung zu schaffen. Zn der heutigen Gestaltung hält sie einen Vergleich mit anderen Verbänden nicht aus. Der Zusammenhalt der einzelnen Vereine ist noch ein sehr lockerer. Auch hierfür muß die Arbeit einsetzen, vornehmlich in eifriger Propaganda durch Vorträge von Stadt zu Stadt. Zn Orten, wo liberale Lsauptvereine bestehen, müssen 60 ipso Zugendvereine gegründet werden, soweit dies noch nicht geschehen. Benachbarte Zugendvereine sollen gelegentliche Zusammenkünfte veranstalten. Es sind gewiß noch viele andere Vorschläge zu machen, doch sollen diese ein anderes Mal zur Erörterung kommen. Ein j)unkt wäre allerdings noch recht wichtig. Unsere Bewegung müßte noch etwas mitnehmen, um der Zugend eine weitere Anziehungskraft zu bieten: Die körperliche Ausbildung durch Turnen, Sport und Wandern. Dieses Problem darf nicht unterschätzt werden. Seine Durchführung ist bei weitem auch nicht so schwierig. Bedauerlich nur, daß es von j unserer und von sonstiger neutraler jüdischer k.