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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 137 (sequence 17)
Language
German
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o O o Hermann Itzig: Mir Jungen 137 schäftigung mit dem Judentum nicht auch ein Saatkorn in das jugendliche, begeisterungsfrohe Herz fallen sollte, das dem religiösen Gedanken gilt, das das Werk des Iugendvereins fortsetzen würde zum fjetf des religiösen Judentums. Darauf bauen wir unsere Hoffnungen. wir glauben nicht, daß. die Belehrung über Wesen und Geschichte unseres Judentums die -Jugend ungünstig beeinflussen könnte, welchen Formen religiösen Lebens sie sich zuwenden wird, das überlassen wir getrost ihrem Ermessen und Entschluß, wir bangen nicht davor, daß sie ernstlich prüft, was ihr dargereicht wird. Wir wünschen vielmehr, daß sie nicht ohne Kampf zu den Fragen Stellung gewinnt,, die nach unserer Meinung noch immer am tiefsten die Herzen bewegen. Wir wollen keine gedankenlose Heuchler züchten, sondern ehrliche Männer wollen wir auch für die Kämpfe des Lebens gewinnen. Ist dieses Ziel erreicht, dann können wir unsere frische Avantgarde ins Feld führen. Und dazu sollen uns auch — die liberalen Richtlinien verhelfen, wie alles, was der Religion dienen will. Wir Jungen. Von fiermann Itzig, Polen. ampfruf überall! Das Heute und Morgen steht im Zeichen des Streites, und hier Partei und dort Partei, heißt das Feldgeschrei. Das Judentum hat wieder einmal eine Krise durchzumachen, wird sie zur Läuterung führen oder zum Niedergang? So lauten wohl die Fragen allerseits. Doch hinweg mit vagen Vermutungen, bänglichen Zweifeln und phantastischen Erwartungen! Für uns ist die Gegenwart da, und sie verlangt wohl zur Genüge in ihrer Vielgestaltigkeit regste Aufmerksamkeit, anspannendste Betätigung. Wie wir die Gegenwart nehmen, so bilden wir uns die Zukunft! Ob neutral oder zionistisch, ob orthodox oder liberal, unsere jüdische Jugend zeigt durchweg jüdischen Stolz und jüdisches Selbstbewußtsein. Selbstverständlich ist dies wohl, nur wolle man berücksichtigen, daß unsere jetzige Generation ein in der allgemeinen Kultur ausgewachsenes Geschlecht vorstellt, daß sie in der Schule von den gewaltigen Fortschritten der Menschheit lernt, daß sie weiterhin durch vielseitige Literatur, die ihr so leicht zur Verfügung steht, frühzeitig zu einer gewissen Universalbildung und damit zu kritischem Denken kommt. Sie unterscheidet sich dadurch nicht wenig von früheren Geschlechtern, die in ihrer geistigen Reife doch ohne Zweifel der Zeit nach zurückgebliebener waren. Jüdische Fragen lösten früher nicht diese Kritiken wie heute aus, wenigstens nicht in solchem Umfange; und in der Familie wurden jüdische Knaben und Mädchen in ganz selbstverständlicher Weise echt jüdisch erzogen, wir aber müßten mit der neuen Struktur des Kulturbildes, mit den veränderten Verhältnissen rechten, wenn wir die jetzigen Zustände etwa verurteilen wollten. Unsere Jugend von heute zeigt, daß sie einen kräftigen willen zum Judentum hat, daß sie sich bewußt ist, das Judentum mitzurepräsentieren und daß sie das alte sanier der mehrtausendjährigen Gemeinschaft stolz und kühn hochzuhalten und zu verteidigen gewillt ist, trotzdem ihr das Judentum nicht mehr in derselben weise nahegebracht wird wie einstmals, und trotz der vielseitigen anderen Interessen, die ihr die Kultur mit dem Bildungsgang der neuen Zeit nun einmal darchietet. Das Vorhandensein einer jüdischen Jugendbewegung ist eine unbestreitbare Tatsache. Iugendvereine befinden sich in allen

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