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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 136

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 136 (sequence 16)
Language
German
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Nr. Behrens: Jugend und Judentum 136 Jugend und Judentum. Von Rabbiner Dr. Behrens-Göttingen. er unbefangen die Iugendvereinsbewe- | gung betrachtet, ohne durch jDarteibegriffe und den j)artikularismus der Schlagworte beengt und bedrängt zu sein in seinem Urteil, der wird sich des frischen Lebens von Kerzen freuen, das jetzt wieder durch unsere jüdische Jugend schreitet und in ihr die Teilnahme für das Schicksal des Judentums wach erhält. Sie wird einst die Männer zu stellen haben, die als Führer und auch als schlichte Soldaten unsere Schlachten schlagen müssen, und da sollten wir durch jene bisher so ängstlich gehütete und so gründlich falsch verstandene Neutralität sie davor bewahren, die religiösen Stimmungen der Gegenwart kennen und beurteilen zu lernen? U)ir sollen also mit verbundenen Augen unsere Jugend hinaussenden in den Streit der Meinungen? Und wir glauben wirklich, daß sie ohne sachgemäße Anleitung in dem Wirrwarr des religiösen Widerstreits sich zurecht finden werde? Mit diesem altväterlichen Kram räumen wir aus. Wir haben ja am eigenen Leibe genugsam erfahren, wieviel Gpfer das Judentum auf dem Altar einer Neutralität gebracht hat, die sich fürchtete, die Dinge beim rechten Namen zu nennen, und die da glaubte, die Einigkeit mit der Uebertreibung dieses Gedankens besiegeln zu können. Solange es sich um politische und soziale Ausgaben handelte, mochte das hingehen, obwohl die jüngere Generation in diesen Zwang sich nur ungern hineingesunden hat. Die Abwehr richtet den Blick bekanntlich nach außen und verschließt uns die doch gewiß berechtigte Sorge um unsere inneren Angelegenheiten. Die sozialen Institutionen vereinigen die Brüder aller Richtungen unterschiedslos, braucht es gesagt zu werden, wer für ihre Erhaltung am meisten getan hat? Aber das Judentum ist keine starre Mumie, die nur schonend in geschichtlichen Betrachtungen betastet werden darf, sondern es ist zuerst und zuletzt lebendiges Leben, das in der Gegenwart den Rindern unserer Tage seine tiefgreifenden religiösen Probleme darbietet. Die Frage ist vor allem am Platze, ob wir durch unsere Bewegung die Jugend religiös zu beeinflussen imstande sind. Das erscheint mir als der geradezu entscheidende Gedanke. Wir bieten in unseren Vereinen der Jugend eine Fülle von Belehrung und Anregung, und es wäre an sich schon seltsam, wenn die unverkennbare Begeisterung unserer Versammlungen nicht weiter wirkte und das schlummernde religiöse Bewußtsein weckte und zur Betätigung anspornte. 'Wir könnten uns nicht des glanzvollen, äußeren Erfolges freuen, wenn wir nicht wüßten, daß die öde Gleichgiltigkeit, der Indifferentismus in unseren Reihen im Schwinden begriffen wären, wenn wir uns nicht davon überzeugt hielten, daß Strebertum und Materialismus langsam verdrängt werden durch den Idealismus, den wir pflegen. Daß der religiöse Sinn solange brach gelegen und verkümmerte unter den Einflüssen verschiedenster Natur, unter Verhältnissen, die unserer Macht entzogen, das bedauern alle, denen das Gedeihen des religiösen Judentums vornehmlich am Gerzen liegt. Solche Tiefpunkte sind allerdings in jeder geschichtlichen Entwicklung erklärliche Gder sollen wir den Tatsachen ruhig zuschauen, sollen wir den Mut unterdrücken, die Schäden zu heilen, weil einige Uebereiserer daran Anstoß nehmen? ' Schon bieten die Iugendvereine Mittel auch zu religiösen Familienfeiern, wie Sabbat- und Sederabende, und schon können sie auf den großen Anklang Hinweisen, den sie finden. Es wäre merkwürdig, wenn unter der ständigen Be-

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