Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 134 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3126481-3126558-3126565--1470-3128285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

134 Ar. Fritz Machsner: Zur Verbesserung des jüdischen Neiigionsunterrichts Die dritte Art der religiösen Unterweisung, der jüdische Religionsunterricht im Rahmen des Unterrichtes der öffentlichen Schulen, findet sich nur in Städten mit verhältnismäßig starker jüdischer Bevölkerung. Ob die Schule überhaupt befugt ist, Religionsunterricht zu erteilen, ist eine Frage, über die wir hier nicht rechten wollen. Tatsache aber ist, daß sie dem christlichen Religionsunterrichte beider Konfessionen große Wichtigkeit beimißt, und in absehbarer Zeit dürfte sich — wenigstens in Preußen — an dieser Tatsache nichts ändern.. Im Interesse der uns gesetzlich zustehenden Gleichberechtigung werden wir, wenn auch Mancher einen gewissen Rückschritt in unserem Verfahren erblicken wird, dahin streben müssen, daß der jüdische Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen genau wie der christliche bewertet wird. Was wir im Einzelnen zu fordern haben, wird weiter unten festgestellt werden. Zunächst wollen wir Nachweisen, daß es möglich ist, an den öffentlichen Schulen einen erfolgreichen jüdischen Religionsunterricht zu erteilen. An einer Reihe höherer Lehranstalten existiert ja schon lange ein jüdischer Religionsunterricht, wenn derselbe auch nicht dieselben Rechte genießt, wie der christliche. Obzwar er wohl nirgends als ideal bezeichnet werden kann, leuchten seine Vorzüge doch unmittelbar ein. Besondere Ausgaben erwachsen den Litern der teilnehmenden Rinder in der Regel nicht, der Unterricht läßt sich auch 'so legen, daß er mit dem christlichen zeitlich zusammenfällt und somit für die Rinder keine besondere Belastung bildet. Rur einigermaßen gleichartige Rinder werden zusammen unterrichtet, der Lehrer ist in der Lage, seinen Unterricht den Vorkenntnissen feiner Schüler genau anzupassen und so ein fruchtbares, weil von regem Interesse getragenes, Zusammenarbeiten mit der Rlasse einzuleiten. So ist also der jüdische Religionsunterricht in der öffentlichen Schule von all' den Fehlern frei, die den Privatunterricht, aber auch den in den Religionsschulen erteilten, . entwerten. Dennoch bleibt in Bezug auf ihn noch recht viel zu wünschen. Der Auswahl der Lehrkräfte brachte man bisher nicht genügende Sorgfalt entgegen; über sie werden wir noch in einem besonderen Rapitel zu reden haben. Sehr wertvoll wäre es, wenn der Religionsunterricht nur von solchen Lehrern erteilt würde, die ständig in der Schule weilen, die Rinder in ihrem Treiben beständig beobachten und die Begebenheiten im Schulleben unterrichtlich verwerten können. Fürs Leben soll der Religionsunterricht vorbereiten, er ist daher am besten, wenn er sich an die Erlebnisse der Rinder, die sich ja zu einem großen Teil in der Schule abspielen, anschließt. Der Lehrer wird den fruchtbarsten Religionsunterricht erteilen, der mit den Rindern in ununterbrochenem Verkehr bleibt. Ein Mißstand, der sich auf den höheren Schulen unliebsam bemerkbar macht, ist der, daß der jüdische Religionsunterricht im Gegensatz zum christlichen nur bis zum Lebensjahr verbindlich ist. Was für einen Eindruck macht es auf einen jüdischen Schüler, wenn er sieht, wie sich seine christlichen Rameraden nnit Eifer auf die meist nicht leichte Religionsprüfung im Abiturium vorbereiten, wohingegen er längst das wenige, was er von seiner Religion in den Unterklassen gelernt hat, vergessen hat! Er hat ja in der Mißachtung, die die Schule seiner Religion entgegenbringt, den Beweis, daß das Judentum minderwertig ist, und er benutzt die nächste Gelegenheit, die Religion, deren Notwendigkeit ihm niemand im Alter des Zweifels klargemacht hat, gänzlich abzustreifen. Hat er aber zufällig das Glück, mit religiös interessierten Menschen zu verkehren, so wird ihn Erbitterung darüber erfassen, daß es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.