Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Ar. Fritz Wachsnerr Zur Verbesserung des jüdischen Meligionsnnterrichts °° «allein gehört; erst wenn man im liberalen Judentum bei Eltern und Schülern aufgechört hat, dasselbe zu erlernen; erst wenn die heilige Sprache wieder das geworden, was sie in Wirklichkeit sein sollte, die heilige Sprache und als so geheiligtes Vehikel nur durch den Mund des Rabbiners und Kantors an geheiligter Stätte erklingt: erst dann wird das religiöse Leben unserer Glaubensbrüder zur idealsten Höhe gefördert sein. — Id] halte diesen Vorschlag für keine Utopie, ich halte ihn für diskutierbar und glaube, daß id] mit dieser Ansicht nicht allein-dastehe. Folgende Thesen dürften dabei in Frage kommen : \. Der Gottesdienst der liberalen Weltsynagoge ist einheitlich. Er besteht aus einer hebräischen und einer landessprachlichen Liturgie. 2. Erstere, die hebräische also, ist lediglich Reservat des Kultusbeamtenstandes. 3. Für die Beteiligung der Gemeinde in Gebet und Gesang kommt nur die Landessprache in Betracht. Ob diese Auffassung freundliche Aufnahme finden, ob sie zum Segen unseres Religionsunterrichts und unseres Gottesdienstes durchdringen werde, wer weiß es. Doch eines bin ich fidler: Die liberalen Rabbiner, Kantoren und Lehrer in Verbindung mit unseren theologischen Hochschulen und Lehrerseminarien brauchten diesen Thesen nur zuzustimmen, und das deutschtreue Judentum würde mit größter Freude einwilligen, es würde Nachfolgen „wie eine Herde ihrem Wirten." — Zur Verbesserung des jüdikhen Religionsunterrichts. Von Dr. frifj IVachsner-Berlin. eit dem Ende des verflossenen Jahrhunderts stehen die religiösen Probleme, die lange Zeit nur einen verhältnismäßig kleinen Kreis von Fachleuten beschäftigt hatten, wieder im Mittelpunkt des Interesses des deutschen Volkes. Der allgemeine Fortschritt unserer Kultur, insbesondere die ganz neuartigen Errungenschaften der wissenschaftlichen Forschung, führte notwendigerweise zu einem Nachdenken über die letzten Gründe all' unseren Wissens und Könnens. Audi auf religiösem Gebiete wurden neue Werte geprägt, aud} hier erfolgte ein rastloses Vorwärtsschreiten, mochten sich auch ängstliche oder einseitig auf ihren vorteil bedachte Gemüter dagegen nach Kräften sträuben, wenn auch die Grundgedanken unserer Religion alle Zeiten überdauern werden, so machen sich im Einzelnen doch Unterschiede bemerkbar, die von den jeweiligen Zeitumftänden abhängen. Unsere Väter empfanden anders als wir unsere Kinder werden vielleicht über manche unserer Anschauungen die Köpfe schütteln. Und doch müssen wir für die Fortpflanzung unserer Ideen sorgen, denn wer die Jugend hat, der hat auch bekanntlich die Zukunft. Aus diesem Grunde müssen wir der religiösen Unterweisung unserer Jugend die allergrößte Sorgfalt angedeihen lassen. Im christlichen Lager, wo die Verhältnisse ungleich schwieriger liegen, als bei uns, hat man die Möglichkeit einer zeitgemäßen Umgestaltung des Religionsunterrichtes längst eingesehen, und zahlreiche Organisationen wirken dort in der angedeuteten Richtung. Der Jude hingegen tröstet sich damit, daß wir es in den letzten Jahrzehnten schon so herrlich weit gebracht haben, andererseits aber wird er nicht müde, über die religiöse Gleichgiltigkeit großer Volksschichten zu jammern, ohne daß er sich dazu emporschwmgen könnte, tatkräftig gegen das Uebel vorzugehen. wir wollen für die Zukunft arbeiten, müssen uns also, wie gesagt, an die Jugend wenden. Nur ein rationeller Religionsunter-