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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 131

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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o o o o Hermann Wallach: Nebrr das Problem der hebräischen Gebrtssprache 131 wie das Latein der katholischen Kirche) den Rindern bis zur verständnisvollen Geläufigkeit beizubringen, ist überhaupt unmöglich für uns deutsche Juden wenigstens psychologisch unmöglich, weil wir in ihm weder denken noch fühlen können. Dazu kommt, daß wir dasselbe gar nicht in seiner ursprünglich weichen und vollen Klangwirkung besitzen, in der edlen, melodiösen Eigenart des portugiesischen hebräisch, sondern, daß wir in einem vielfach zungenbrecherischen Wortschwalle, in einem korrumpierten hebräisch mit teilweise russisch-polnischer Vokalisation lernen und beten müssen. — Ich bezweifle daher trotz aller entgegenstehenden Meinungen, daß die 5—6 Jahre im hebräischen geübte Jugend — selbst orthodoxerseits — imstande ist, auch nur den kleinsten j)salm oder ein einziges Gebet urtextlich so verständnisinnig und andachtsvoll zu beten, wie solches beim Gebrauch der deutschen Muttersprache möglich ist. hier wird auch die beste Methode nichts nützen. Mit Recht singt daher Max von Schenkendorf: .... „Aber soll ich beten, danken, geb' ich meine Liebe kund, meine seligsten Gedanken sprech' ich wie der Mutter Mund." — Rur geborene hebraiker, nur talmudisch geschulte Personen werden imstande sein, das hebräische so zu beherrschen, daß sie sich beim Gebete wie in einer zweiten Muttersprache zum Allvater erheben können. Erst unter dieser Voraussetzung dürfte die Begeisterung unserer liberalen Rabbiner für die Beibehaltung des hebräischen als Gebetssprache des Publikums für manchen von uns verständlich werden. Aber auch aus antizionistischen Gründen müßte das deutschtreue, liberale Judentum die hebräische Sprache als Gebetssprache der Gemeinde aufgeben. „Rückkehr zur alleinseligmachenden hebräischen Sprache und Kultur!" so geht die Losung. Rabbiner predigen sie von den Kanzeln, Frauen schildern sie rühmend in den Zeitungen, Zionisten propagieren sie mit Fanatismus auf den Straßen der Stadt. Doch die Extreme begegnen sich, und das Problem der hebräischen Gebetssprache bleibt Problem. — Welche Erfolge würden wir aber andrerseits in unseren kleinen jüdischen Schulen im Deutschen und in anderen Fächern aufzuweisen haben, wenn wir die vielen Stunden, die wir jahraus, jahrein der Erlernung, Einprägung und j)flege des hebräischen zu widmen gezwungen sind, sparen könnten. Welche Unsumme von Zeit und Kraft wird hier nutzlos dem herrschenden Systeme altsynagogaler und konservativer Weltanschauung zum Opfer gebracht. — Gewiß hätten — wie Herr Rabbiner Dr. Seligmann überzeugend darlegt — „die frommen j)salmendichter und Verfasser der talmudischen und rabbinischen Gebete sich dafür bedankt, wenn man ihnen gesagt.hätte, eine kommende Generation werde sich an dem unverstandenen Klang ihrer Worte oder an der Melodie, in der sie gesungen werden, berauschen." — Was würden diese gottbegnadeten Sänger und Dichter, diese feingestimmten Naturen, diese tiefgründigen Kenner des Menschenherzens, was würden sie aber geantwortet haben, wenn man ihnen gesagt hätte, daß durch die hebräische Sprache als ein für die deutschtreue Iudenheit des 20. Jahrhunderts vergessenes und Unverstandes Idiom auch niemals das Gefühl unserer betenden jüdischen Gemeinden wahrhaft zuin Ausdruck komme? Sie würden geantwortet haben: „Die hebräische Sprache als heiliges Angedenken, als Symbol dem Gotteshause, die deutsche Muttersprache den deutschen Gemeinden und ihren Kindern!" Nnd darum kann meine Behauptung nur lauten: Erst wenn die Kenntnis des hebräischen uns gottesdienstlichen Funktionären

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