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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 128

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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128 Hermann Wallach: lieber das Problem der hebräischen Grbetssprachr o o o o lieber das Problem der hebräifchen öebetsfpradie. Von Hermann Wallach, Cehrer in flachen. m Rkärzheft für das „Liberale Judentum" | behandelt Herr Rabbiner Dr. Samuel in Essen in einem interessanten Essai die Frage nach dem wie und warum unserer Gebetssprache. Seiner Lehrmeinung, wonach das sprachliche Verständnis jedes Wortes einer Liturgie weniger wichtig sei, als die durch Kantor und Thorgesang erweckte Stimmung des einzelnen Gotteshausbesuchers, hält dann Herr Rabbiner Dr. Seligmann das redaktionelle Nachwort entgegen, daß für das Vorbringen „mystischer Stimmungsargumente" in unserem öffentlichen Glaubensleben kein Raum sei. Ls sei mir auf Grund meiner langjährigen Erfahrung und Beobachtung, die ich als liberaler Lehrer in einer liberalen Gemeinde gemacht habe, gestattet, im folgenden zu dem so vielumstrittenen Problem der hebräischen Gottessprache Stellung zu nehmen. Ich darf dabei vorausschicken, daß ich mich nicht nur für die angezogene These des erstgenannten Herrn Verfassers entscheide, sondern daß ich sogar noch einen Schritt weiter gehe. Aengstlichen Gemütern mag das vielleicht als Vermessenheit erscheinen; boch „im höchsten und Tiefsten irren, ist menschlicher, als sich nie von dem flachen Boden elender Sicherheit versteigen." (Arndt.) Ich erblicke in der hebräischen Gebetssprache ein anüquiertes heiliges Idiom, dem man, sofern es lediglich im internen Dienste d«e r Synagoge Verwendung findet, eine besondere religionsxädagogische Bedeutung beimessen darf. Kleine Forderung lautet: Die hebräische Sprache als heiliges Symbol dem Gotteshause, die deutsche Klutterspräche für unsere Gemeinden und unsere Kinder! — Unsere liberalen Rabbiner und führenden Geister sollten davon abstehen, Überall da) wo sie synagogale Reformen predigen oder am Werk der religiösen Jugenderziehung tättg sind, dies — wenn ich 'so sagen darf — mit der orrhodoxen 'Elle und Brille zu tun. Nur zu leicht wird darüber das Ideal der liberalen Lebensauffassung (in seiner reinlichen Scheidung vom orthod.- zionistischen) aus den Augen verloren. Ls ist nicht gut, daß man in weiten Kreisen dem liberalen Programme nachsagt, es mache keine ganze Arbeit und ließe feine Anhänger auf halbem Wege stehen. Das geistige Band der Geschichte, das uns an die vergangenheit knüpft, braucht selbst bei dem Gedanken, daß wir Kinder der Gegenwart nicht mehr in der alten Tradition stehen können, nicht durchschnitten zu werden. Nur das äußere-. Gewand der Religion, so wie es uns von Unseren Vätern überkommen ist, muß es sich gefallen lassen (dieweil es so sehr gealtert und verblaßt erscheint), der scharfen Scheere moderner Entwickelung zu verfallen und einem neuen, hellschimmernden, Schönheit strahlenden Erfatzkleide Platz zu machen^ In diesem Sinne — sollte man meinen — müßte der Liberalismus, als die aussichtsreichste religiöse Bewegung des deutschtreuen. Judentums, der feindseligen 'Doppelfront - „Hochorthodoxie und Zionismus" mit dem mutigen Bekenntnis der genialen Stein'scheu Reform in ihrer letzten Konsequenz^ begegnet sein. was das mit Bezug auf das Problem der hebräischen Gebetssprache bedeuten will? Daß durch ein Rabbinerkollegium die hebräische Gebetssprache dem inneren Kult der Synagoge überwiesen werde, weil ja der größte Teil unserer liberalen Glaubensgenossen der Beibehaltung, des hebräischen als Gebetssprache des Publikums und der Schule ablehnend gegen- * üb ersteht. —

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