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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 125

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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Ar. Mayer: Die Stellung des modernen Judentums;um Gebet 125 Judentums ist, nur ein gewisses Minimum als Bedingung der Zugehörigkeit zum Judentum zu verlangen. Ich würde etwa folgendes als die notwendige Voraussetzung der Zugehörigkeit zum Judentum verlangen: Jüdische Abkunft (wenn auch nur von einer Seite), 2. der Glaube an einen einzigen Gott, 3. zum Judentum halten und dessen Interesse zu wahren. Dies wären meine Minirnumsfobderungen, und was darüber geht, sollte jeder tun, wie es ihm beliebt. Unser Judentum soll ein mächtiger Garten sein, wo jeder Baum und jedes Pflänzchen seinen Schutz und seine liebevolle Anerkennung finden, wir werden nicht alle liberale Juden sein, es ist auch gar nicht zu wünschen, daß dem so sei, und werden Orthodoxie und alle andere Meinungen, die eine historische und sonstige Begründung haben, stets als zu Recht bestehend ansehen. Aber alle sollen verstehen, daß diese Verschiedenheiten vor der Idee zurücktreten müssen, daß, seien wir Liberale oder Orthodoxe, wir alle auf dem Glaubensboden des Judentums stehen und Liberal oder Orthodoxbloß der Vorname und Jude unser Familienname ist, ein Familienname, der Jahrtausende sich rein und stolz erhalten hat und der in der Vergangenheit und trotz Schwierigkeiten und Bedrückung, große Männer und Gelden auf allen Gebieten hervorgebracht hat, Männer wie Abraham, Moses, die Propheten, Juda Macabaeus, Spinoza, Maimonides, Mendelssohn, Lassalle, Meyerbeer und hundert andere, die nicht nur dem Judentum angehören, sondern — was ein Zeichen der wirklicher: 'Größe ist, ein Gemeingut der ganzen Welt geworden sind. Und so möchte ich schließen mit dem großen Wort, das der jetzige König von Belgien der Abordnung der Rabbiner sagte, als sie ihm bei seiner Thronbesteigung ihre Huldigung darbrachten: „8ou8 l’egide de nos institutions, les forces religieuses morales peuvent pleinement d’epanouir; c'est lä un des grands bienfaits du principe de liberte auquel la Belgique reste inebraulement fidele.“ Uebersetzung: Unter dem Schutze unserer Ginrichtungen können die verschiedensten religiösen und moralischer: Kräfte ungehindert sich entwickeln; dies ist Girre der großen Wohltaten des Grundsatzes der Freiheit, welchem Belgien unerschütterlich treu bleibt. Oie ötellung des modernen Judentums zum Gebet. Von Geh. Oberregierungsraf Dr. ITlayer-Karlsruhe. rn letzten Augustheft dieser Zeitschrift hat Prof. Dr. Goldstein den Ausführungen Llaude Montefiores in dessen Buch „Umrisse des liberalen Judentums für Gltern und Lehrer" über die fortdauernde Bedeutung des Gebets für die Religion im allgemeinen und für das moderne Judentum im besonderen nachdrücklich zugestimmt. Meines Erachtens mit vollem Recht. Nur darf nicht außer acht gelassen werden, daß der modern denkende Mensch wesentlich andere Anschauungen über Sinn und Zweck des Gebets hat als seine Urahnen und diejenigen, die noch jetzt deren religiösen Standpunkt teilen.*) Den Alten war die Verrichtung der allgemein eingeführten hebräischen Gebete — die frei verfaßten und dem freien Belieben überlassenen, die nicht in den Ritus ausgenommen sind, bleiben hier *) Es können dies höchst intelligente und gebildete, außerhalb der religiösen Sphäre sehr fortschrittliche Persönlichkeiten sein.

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