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Liberales Judentum · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 118

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 118 (sequence 22)
Language
German
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118 Rundschau: Detmold der aus dem Kerzen seiner Gemeindeangehörigen kam und auch von den einsichtigen (Orthodoxen geteilt wurde. Alle Reden des Abends aber waren Reulenschläge, die notwendig waren, um der unduldsamen Orthodoxie zu Gemüte zu führen, welches die Folgen ihres sich am Judentum versündigenden Treibens sein werden. Zum Schlüsse nahm der Referent, Herr Dr. Erlanger, nochmals das Wort, um zu betonen, daß er trotz der scharfen Gegensätze die Hoffnung auf ein Einlenken der Orthodoxie, das zur Einigkeit führen könne, noch nicht aufgegeben habe und trotz allem ein williges Entgegenkommen derselben im Interesse des Friedens in Israel erwarte. Der Vorsitzende schloß alsdann, da es unterdessen längst über Mitternacht geworden, die denkwürdige versammllung, deren Verlauf noch immer das Gespräch unter den Juden Nürnbergs bildet, und unter deren Eindruck der liberale Verein sofort einen stattlichen Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen hatte. Die Ansprachen der liberalen Redner sind im Druck erschienen und werden gerne an Interessenten abgegeben. Detmsid. den März W3. (Vortrag des Herrn Rabb. Dr. Samuel.) Einer Einladung des Leopold Zunz-Vereins folgend, hielt Herr Rabbiner Dr. Samuel - Essen einen Propaganda-Vortrag über „Rechte und Pflichten des jüdischen Liberalismus", Herr Lehrer Nosenthal begrüßt den Redner und dankt ihm namens des Vereins für sein Erscheinen und gibt einen Ueberblick über die Geschichte der „Richtlinien". Er führte folgendes aus: Es ist heute keinem Juden mehr möglich, das „Gesetz" ganz zu erfüllen, einerseits, weil die Voraussetzungen dazu fehlen, aber auch, da sich ein Widerspruch zwischen Lehre und Leben immermehr bemerkbar macht, weil wir viele Gebote nicht mehr halten wollen. Die Folge dieser Tatsachen ist der Indifferentismus, der sich schon seit der Zeit bemerkbar machte, als sich die Lebensbedingungen so gewaltig verändert hatten und noch heute ständig im wachsen begriffen ist. Dieser Widerspruch zwischen Lehre und Leben brachte es mit sich, daß schon frühe ein Teil der Iudenheit unter der Führung bedeutender Persönlichkeiten mit dem, was als Judentum überliefert war, brach. Diese Partei gewann allmählich die Majorität, während die Gegenpartei, die Orthodoxie, in der Minorität blieb. Trotzdem aber gewann die Orthodoxie die Oberhand und gebärdete sich, als ob sie das Gros der Iudenheit hinter sich hätte, und die Liberalen ließen sich das gefallen. Diese Zustände datieren schon seit der Emanzipation her. Es hat auch inzwischen nicht an versuchen gefehlt, die Grundsätze, des Liberalismus festzusetzen, aber es blieben nur versuche, denn alle Bemühungen scheiterten. Das änderte sich, als im Jahre (908 eine Rommission gebildet und mit der Aufgabe betraut wurde, die Vorarbeiten zu einem Programm für das liberale Judentum auszuführen. Das Ergebnis war die Gründung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland und deren Monatsschrift. Das Hauptstück der positiven Arbeiten, die die Vereinigung geleistet hat, liegt in den „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum" vor uns. Darauf ergriff Herr Rabb. Dr. Samuel-Essen das Wort zu seinem vortrage: „Rechte und Pflichten des jüd. Liberalismus". Der Redner wies einleitend darauf hin, daß er kein Propagandaredner der Vereinigung für das liberale Judentum sei, daß er aber trotzdem der Einladung des Leopold Zunz-Vereins gern gefolgt sei, um in der Stadt, in der der Geist des Mannes, nach dem der Verein sich nennt, unter den Juden so lebendig nachwirkt, wo der religiöse Liberalismus eine Pflegestätte gefunden, vor einem interessierten Publikum über die Rechte und Pflichten des jüdischen Liberalismus zu sprechen. Ls besteht ein scheinbarer Widerspruch zwischen Religion und Liberalismus, denn die Religion gibt eine gebundene Weltanschauung, dagegen fordert der Liberalismus .— das ist der Spielraum, den wir uns innerhalb der religiösen Anschauungen gewinnen — eine Verschmelzung zwischen Pietät und Fortschritt, zwischen Neberliefertem und den Forderungen der Vernunft, zwischen geistigem Gehalt und Form. Der Liberalismus wird durch die Geschichte des Judentums gerechtfertigt, denn ohne ihn wäre es dem Iuden- tum nicht möglich gewesen, sich den verän-

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