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Liberales Judentum · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 117

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 117 (sequence 21)
Language
German
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o o 117 Rundschau: Orffentliche Versammlung in Nürnberg Recht absprechen will, sich Juden zu nennen? Und von welcher Seite stammen denn die Kämpfe in den großen Organisationen? Gewiß nicht von Seiten der Liberalen, die stets für die jüdischen Angelegenheiten eintraten, selbst wo es sich um solche handelte, an denen ihr bserz nicht hing. Durch solchen Kampf treibe die Orthodoxie alle diese Männer und vor allem die Jugend, die sich nie vor der Orthodoxie beugen werde, aus dem Judentum hinaus, und wenn sie selbst mit staatlichen Machtmitteln, die sie zu Hilfe rufe, einen Sieg erringen würde, sie würde dessen nicht froh werden, sondern angesichts der dann beginnenden Massenflucht sich beschämt der Schiller'schen Morte erinnern müssen: „Möge Euer Lohn nicht Euere Strafe sein!" Stürmischer Beifall wurde dem Redner zuteil. hierauf erhielt Bankier Meyer das Mort, der in kurzen Sätzen die allerdings rühmliche Dpferwilligkeit der Orthodoxie an einigen Beispielen, besonders dem der Adas in Nürnberg betonte und mit den bezeichnenden Morten schloß: die Verwaltung der Nürnberger Kultusgemeinde möge die wünsche der Adas, so wie es die Orthodoxen wollen, erfüllen, dann habe sie den Frieden. Selbstverständlich Bravo bei den Orthodoxen, Heiterkeit bei den Liberalen. hierauf. bestieg unter fast endlosem Jubel der Anwesenden Herr Rabbiner Dr. Freudenthal das Rednerpult; es dauerte geraume Zeit, bis der Redner beginnen konnte. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal wies darauf hin, daß es trotz der angespannten Aufmerksamkeit der Versammelten, die bereit seien, noch länger auszuharren, nicht möglich fern werde, jetzt um die Mitternachtsstunde in die Probleme der Richtlinien tiefer einzugehen. Sie seien.ja auch vor allem theologischer Natur und hätten auf theologisch-wissenschaftlichem Boden ausgefochten werden müssen, wenn es den Gegnern um einen objektiven Kampf ohne Nebenabsichten zu tun gewesen wäre. Die Uebertragung solchen Laders in die Praxis schaffe falsche Kampfmethoden, und aus jeder Theorie sofort jede praktische Konsequenz zu ziehen, zerstöre die Welt und zwinge unwürdige Kampfmittel auf. wohin daS führe, hätte warnend der Maimunistenstreit im Mittelalter zeigen müssen, in dem man sogar die Feinde des Judentums zu inneren Streitigkeiten zu Hilfe holte. Das Vorgehen der Orthodoxie habe man jetzt damit begründet, daß die liberalen Rabbiner mit den Richtlinien das Judentum zerstören. Unter den liheralen Rabbinern gebe es aber so viele Männer, die in dem, was sie für das Judentum leisten, es mit jedem orthodoxen Rabbiner aufnehmen könnten, und gerade die ehrliche Gesinnung, mit der sie in brennenden Lebensfragen, z. B. in der Sabbatfrage, Religion und Gegenwart miteinander zu versöhnen suchen, trage zu diesen Erfolgen am stärksten bei. Nicht um zu zerstören, seien die Richtlinien geschaffen, sondern vielmehr, um Tausende von liberalen Juden dem Judentum zu erhalten und ihnen die Möglichkeit zu geben, Juden zu sein und zu bleiben durch ihre Geburt und Ueberzeugung. Nie und nirgends sei in den Richtlinien die Rede von einer Bekämpfung der Orthodoxie. Zu welchen Auswüchsen aber umgekehrt' der Kampf der Orthodoxie gegen die Richtlinien führe, zeige eine gemeine anonyme Zuschrift, die Redner wieder einmal heute erhalten habe; sie erweise, wie verwirrt die Geister durch dieses Hetzen und Schüren gegen die liberalen Rabbiner werden, und es sei höchst bedauerlich, daß der Fortgang dieses Kampfes vorhin von autoritativer orthodoxer Seite angekündigt worden sei. Wenn dieser Redner dabei die in der Mitte Stehenden für sich reklamiert habe, so sei das .das schlimmste Zeichen der Schwäche der Orthodoxie; daß Leute weder im Denken noch im Leben orthodox sind, aber aus allen möglichen, oft sogar ganz niedrigen Motiven den Heerbann der Orthodoxie ausmachen, fei kein Triumph für diese, solche Leute überlassen die Liberalen gerne der anderen Seite. Die Notwendigkeit der Richtlinien sei bestritten worden; auch in dieser Versammlung habe sich gerade diese Notwendigkeit allzudeutlich erwiesen. Unsere Liberalen haben es in ihr wieder erfahren, wie viel Unduldsamkeit noch zu bekämpfen ist, und wie weit das Ziel ihrer Anerkennung als guter treuer Juden noch aussteht. Der Redner, welcher seine Morte mit ernstem und feierlichem Akzent an die Versammlung gerichtet hatte, machte einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf die Hörer und entfesselte am Schlüsse einen Beifallsturm,

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