Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3126481-3126558-3126564--1448-3128262
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Rundschau: Orffentliche Versammlung in Nürnberg 113 Arbeit, sondern die ganze liberale Bewegung umsonst gewesen. Deutlicher kann es nicht mehr werden als jetzt: entweder mit unseren Richtlinien hinaus zum frischen Leben und Streben in der Zeit und mit der Zeit oder wider unsere Richtlinien' zurück ins Mittelalter mit seinen Ghetti, seinen Bannstrahlen und Fehmgerichten. Auf der Entscheidung, die das deutsche Judentum angesichts dieses Für und Wider treffen wird, wird seine Existenzberechtigung, sein Einfluß auf die besten Kreise in der Gegenwart, sein Bestand für die Zukunft beruhen. Darum muß der Kampf um die Richtlinien unbedingt vor allem in unserem eigenen Lager Einheit schaffen. Möchten alle Differenzierungen angesichts dieses unseres Programms zurücktreten, die Radikalen sich gerne vor seinen Forderungen beugen, die ängstlich Liberalen sich ebensogerne von seinem frischen Lufthauch beleben und ermutigen lassen! Möchte es aber auch die Wirkung üben, die wir Rabbiner davon erwarten! Denn w i r wollen doch gewiß nicht das - Judentum zertrümmern, sondern erhalten und zwar für die Besten erhalten, die wir sonst verlieren, wir wollen treue, vernünftige und vornehme Juden heranbilden, treu im Bekenntnis und in der Uebung dessen, was wir als grundlegend fordern, vernünftig in der Ausgleichung von Religion und Leben, von Vergangenheit und Gegenwart, weder das eine noch das andere ablehnend und zurücksetzend, und vornehm endlich in ihren Gesinnungen und Handlungen, fern von jeder Unduldsamkeit und jedem Fanatismus gegen Juden und Nichtjuden, erfüllt von der Ueberzeugung, daß Freiheit und Recht, wie auf jedem, so auch auf religiösem Gebiete einmal siegen werden, zugleich aber auch bereit, dieser Ueberzeugung schon jetzt zum Siege zu verhelfen! Treffend hat solchen Kampf des Augenblicks für Freiheit und Recht einer der besten Vorkämpfer für jede Freiheit und jedes Recht, Gabriel Rießer, als das vornehmste Ziel jedes Liberalismus bezeichnet (Ges. Schriften in, ^08): „Die Ewigkeit bedarf der Liebe und der Sorge nicht, aber die Zeit, der Tag, die Menschen, die bedürfen ihrer, wenn es all' unserem Tun nur gelingt, den Schmer; des Tages zu lindern, den Haß des Tages zu besiegen, die Gemüter, die unter dem bestehenden Drucke und dem Unrecht des Tages erliegen, mit Mut und Vertrauen zu beleben, daß sie nicht untergehen im Verzweifeln an der Freiheit, wenn dann auch nur der flüchtigste Abendgruß des Dankes uns die Mühe des Tages lohnt, so haben wir genug gelebt und sind befriedigt." Solche Befriedigung gerade von hier mit hinwegnehmen zu dürfen, wo so viele treue, verständige und vornehme Glaubensbrüder als Gesinnungsgenossen furchtlos in unseren Reihen stehen, ist für uns liberale Rabbiner, die wir auf Vorposten kämpfen müssen, ein ganz besonders wohltuender „Abendgruß des Dankes" für die Mühen des Tages. * Rundfchau. . Bericht über die öffentliche Versammlung des Vereins für die liberalen Interrffen des Judentums in Nürnberg vom 6. Mär? 1913. Am 6. März d. 3fand in Nürnberg eine vom Verein für die liberalen Interessen des Judentums einberufene öffentliche Versammlung statt, in welcher vor der breitesten Öffentlichkeit dargelegt werden sollte, welche Stellung der Verein im Kampfe, den die Orthodoxie dem Liberalismus im Judentum aufgenötigt hat, einnimmt, und daß die Großgemeinden Bayerns beizeiten der Gefahr, die ihrer Existenz vonseiten der Orthodoxen droht, entgegen treten müssen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.