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Liberales Judentum · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 109

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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0 o o o Nr. Frrudenthal: Nie Richtlinien und ihre Wirkung 10$ und ihm den Vorwurf einer völlig unangebrachten und überflüssigen Verschärfung der Gegensätze gemacht haben. Allein es ist interessant, wenigstens eine Stichprobe dieser Sachlichkeit zu geben. Mit großer Emphase und ebenso großen Druckbuchstaben erklärt der Verfasser S. 6. seiner Broschüre, daß es sich in den Richtlinien um nicht mehr und nicht weniger handelt als um die proklamierung eines völlig neuen Glaubens, daß hier nicht nur eine neue Sekte begründet wird, sondern daß eine Gruppe sich vom Judentum loslöst, die zu ihm in einen viel schärferen Gegensatz tritt als zu ihrer Zeit die Samaritaner, Iudenchriften und die Raräer. Der Leser ist nun höchst begierig, im folgenden die Begründung dieser stuxenden Behauptung zu erfahren. Aber von Samaritanern, Iudenchristen, Raräern ist nicht mehr die Rede, sondern es wird eine neue Behauptung aufgetischt, wonach das liberale Judentum nichts wesentlich anderes vorträgt, als was auch das liberale Christentum lehrt, vorsichtshalber freilich mit dem Zusatz: daß es in drei Punkten nichts wesentlich anderes vortrage als jenes, wobei natürlich mit ungeheurer Ehrlichkeit verschwiegen wird, was es in allen anderen Punkten wesentlich anders vorträgt als das liberale Christentum. Endlich auf S. 6^ tauchen die alten Sekten wieder auf, indem der Verfasser seine Ausführungen über die Richtlinien wie folgt zusammenfaßt: „In Lehre die Dogmen des liberalen Christentums, im Leben: bis auf einige kümmerliche Reste völliger Nihilismus. Das ist das Facit der Richtlinien, Hatten wir ein Recht zu der Behauptung, mit der wir unsere Artikelserie begannen, daß hier eine Gruppe sich vom Judentum loslöst, die zu ihm in einen viel schärferen Gegensatz tritt als zu ihrer Zeit die Samaritaner, die Iudenchristen und die Raräer!" Aber als ob es dem Verfasser selber vor diesen groß und fett gedruckten Endresultaten etwas bange würde, fügt er in einer kleinen Anmerkung noch hinzu: „Diese Behauptung würde auch dann nicht erschüttert^ wenn alle unsere anderen Ausführungen zu widerlegen wären. Denn die genannten Sekten erkannten doch den Pentateuch als göttliche Autorität an, während die Richtlinien in ihm im wesentlichen nur eine Zusammenstellung geschichtlich bedingter Glaubensvorstellungen und Erscheinungsformen sehen." Das ist also der große Beweis für jenen emphatischen Blender, daß wir noch schlimmer seien als die Samaritaner, die bekanntlich gar keine Iuden waren, sondern Assyrier, die den Gott Israels als einen unter vielen Göttern anbeteten und die ganze Bibel mit heidnischen Zutaten gefälscht und entstellt haben, daß wir schlimmer noch seien als die Iudenchristen^ die mit ihren christologischen Vorstellungen den jüdischen Monotheismus trübten und mik ihren Angebereien bei den römischen Behörden eine Kampfesweise gegen die übrigen Juden betätigten, welche der orthodoxe Ritus noch cheute jeden Tag im Schemoneh Esreh durch eine Verwünschung ablehnt, während so mancher seiner Bekenner in der Praxis solcher Zuhilfenahme der Behörden gegen die bösen liberalen Juden durchaus nicht so abhold ist; schlimmer endlich noch als die Raräer, die bekanntermaßen grundsätzlich den ganzen Talmud, den gesamten Rabbinismus verwarfen und mit aller Entrüstung unsere Richtlinien deshalb als unjüdisch abweisen würden, weil wir darin viel zu viel mit der rabbinischen Orthodoxie gemeinsam haben. Aber diese Gemeinsamkeit hilft uns auch in deren Augen nichts; Herv Dr. wohlgemuth beweist nicht, sondern dekretiert wohlgemut, wir seien noch schlimmer als Samaritaner, Iudenchristen, Aaräer, und dies Dekret hat im orthodoxen Lager solche Gesetzeskraft, daß die beiden orthodoxen Rabbinervorstände in Deutschland es sofort in die Praxis einführen! Die beiden orthodoxen Rabbinerverbände haben bekanntlich ge-

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