Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 90 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Rundschau : Gründung eines Provinzialnerbandes für Rheinland u. Westfalen Hamburg, Karlsruhe, Köln, Königsberg i. p., Landaupfalz, Mainz, Memming e n, Münch en, Nürnb er g/ Offenbach a. 7X1., Oppeln, pofcn, potsbam, Stettin, Worms, Würzburg. Gründung eines Provinzialverdandes der Bereinigung für das liberale Judentum für Rheinland und Westfalen. Auf Einladung der Elberfeld er Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum hatte sich am 23. Februar a. c. in Elberfeld im Hotel Kaiserhof eine große Anzahl Vertreter von Ortsgruppen, sowie einzelne Herren aus Rheinland und Westfalen eingefunden, um über Gründung eines Provinzialverbandes der Vereinigung für Rheinland und Westfalen zu beraten und evtl. Beschluß zu fassen. Außer dem vollzählig erschienenen Vorstand der Elberfelder Ortsgruppe waren aus folgenden Orten Vertreter anwesend: Bendorf, Hoerde, Bielefeld, Rheda, Essen, Steele, Soest, Düsseldorf, Iserlohn, ferner, Rheidt, Hattingen, Bonn, Dortmund und Unna. Die Leitung der Versammlung hatte die Ortsgruppe Elberfeld übernommen. Der Vorsitzende derselben, Herr Emil Grünebaum, führte nach Begrüßung der Erschienenen etwa folgendes aus: Es seien schon vor einiger Zeit Versuche gemacht worden, einen provinzialverband ins Leben zu rufen, doch sei damals sehr wenig Stimmung dafür vorhanden gewesen, und man habe die Sache dann fallen lassen müssen. Inzwischen seien die Richtlinien des liberalen Rabbiner-Verbandes auf der posener Tagung als Grundlage für eine Weiterarbeit der Vereinigung des liberalen Judentums erklärt worden, dadurch seien die Gegner der liberalen Richtlinien auf dem Kampfplatz erschienen und hätten sowohl durch Veröffentlichungen in den Zei- Ningen, wie in den Versammlungen in ziemlich scharfer Weise gegen die Richtlinien und die liberale Bewegung Stellung genommen. Ls jeien speziell in Rheinland und Westfalen Bestrebungen im Gange, vereine von Juden orthodoxer Richtung zu gründen. Wan habe es deshalb in Elberfeld für an der Zeit gehalten, den früheren Gedanken wieder aufzugreifen und erneut zu versuchen, die fallengelassene Idee jetzt zu verwirklichen. Sowohl der zahlreiche Besuch der heutigen Versammlung, als auch die zustimmenden Erklärungen von Ortsgruppen und Einzelmitgliedern, die auf die Einladung zur heutigen Versammlung geantwortet hatten, aber verhindert waren, nach Elberfeld zu kommen, liefern den Beweis, daß heute genügend Stimmung vorhanden sei, um zu versuchen, einen provinzialverband nunmehr ins Leben zu rufen. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß der den Liberalen aufgedrängte Kampf ganz besonders schwierig sei, weil sie genötigt wären, gegen zwei Fronten zu kämpfen, auf der einen Seite seien es die Orthodoxen, welche durch ihre Veröffentlichungen in ganz besonders scharfer weise die liberalen Rabbiner angegriffen hätten, und auf der andern Seite seien es die Nationaljuden, resp. Zionisten, die' es verstanden hätten, in den letzten, Jahren eine große Anzahl von Anhängern um sich! zu scharen. Außer den von jeher ihnen zugehörigen Ausländern seien es jetzt auch die jüngeren Leute, speziell die Akademiker, die sich von der zionistischen Bewegung Hinreißen ließen und sich dieser angeschlossen hätten. Es sei deshalb um so notwendiger, daß sich die Anhänger der liberalen Richtung zu einem provinzialverband zusammenschließen, damit der Kampf, der nun notwendig zu führen sei, in energischer und zielbewußter weise ausgenommen werden könne, indem gemeinsame Grundsätze aufgestellt würden, um den Gedanken des Liberalismus in weitere Kreise zu tragen, vor allem sei es unbedingt nötig, sein Augenmerk auf die Jugend zu richten, damit diese nicht von anderer Seite angeworben würde. In Elberfeld halte man die Bildung des provinzialverbandes für unbedingt notwendig und hoffe, daß auch chie andern Ortsgruppen und Einzelvertreter sich zustimmend äußern würden. Auf Veranlassung des Herrn Fischet werden dann zunächst die schriftlich eingegangenen Zustimmungen resp. Ablehnungen zur Verlesung gebracht und' mit besonderem Bedauern festgestellt, daß g e r a d e d i e größte Stadt unser es Bezirks,