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Liberales Judentum · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 89 (sequence 17)
Language
German
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Rundschau: Berlin — Posen 89 der Geduld. Wir haben lange genug geschwiegen. Wir haben lange genug in sanften Tönen geredet. ,,Ani schölom, wechi adabber hemoh lamilchomoh. Wir wollten Frieden; doch je mehr wir zum Frieden redeten, um so lauter erschallte ihr Kampfruf."^) unsere Friedensliebe selbst haben sie verunglimpft und als Schwäche ausgelegt. Ihr wollt dem Kampf? Wohlan! Ihr sollt uns von nun an auf der Warte finden, zu jedem Widerstand bereit. Ihr habt den Kampf uns aufgedrungen; wir wollten ihn nicht, aber wir fürchten ihn nicht. Wir haben niemals angegriffen und werden niemals angreifen. Daß wir den Kampf durch Veröffentlichung unserer Richtlinien eröffnet haben, ist eitles Gerede. Ihr nennt „Angriff" unseren Willen zum Leben, unsre Existenz. Gelten laßt ihr uns so lange, als wir uns nicht rühren. Sobald wir nur ein Lebenszeichen von uns geben, bestreitet ihr uns das Recht zum Leben. Unser Leben aber lassen wir uns nicht bestreiten! Wer uns das Leben bestreiten will, gegen den wehren wir uns, wie gegen einen Mörder. Wir lassen uns nicht hindern, diejenigen dem Judentum zu erhalten, die euch verloren sind. -s) Psalm 120,?. Wir verachten das Gespenst des Schisma, das ihr heraufbeschwört. Das deutsche Judentum in seiner Gesamtheit, ja selbst die orthodoxen Kreise denken nicht an ein Schisma. Sie lieben das Judentum viel zu sehr, als daß sie es zerreißen sollten. Ihr allein, eine Randvoll fanatischer Wortführer, peitschet die Leidenschaften auf, vergiftet die Parteien und erweiset euch vor dem Urteil Salomos als die falsche Mutter, da ihr das Kind lieber zerstückelt sehen möget, als von andern fänden geführt als den eurigen. Wenn ihr es wirklich dazu brächtet, daß das Judentum in zwei Lager sich spalten oder daß euer Terrorismus siegen und der Aufschwung der liberalen Sache ins Stocken geraten würde, dann wäre euer Triumph eine Niederlage des Judentums, dann wäre euer Sieg das Grabgeläute für die religiöse Wiedergeburt, und ein öder Kirchhofsfrieden umfinge das todesmüde Judentum. Wir kämpfen für eine gute, ideale Sache. Wir kämpfen für das Leben. Wir nehmen die volle Verantwortung für unser religiöses Wirken zur Erhaltung des Judentums auf uns. Gäbe Gott, daß diejenigen, die uns verketzern, dereinst vor dem Urteil der richtenden Nachwelt bestehen können! Rundfchau. Berlin, von unserem Bureau wird uns mitgeteilt, daß die Zahl unserer Mitglieder seit der posener Tagung — außerhalb Berlins — um zirka 700 gewachsen ist. Erklärung. Posen. Infolge Beschlusses der Repräsentanten-versammlung der jüdischen Gemeinde zu Posen vom 28. Januar Wo hat der Vorstand der posener Synagogengemeinde sich nochmals mit der Resolution der Frankfurter Synagogengemeinde betreffend die Richtlinien der liberalen Rabbiner beschäftigt. Der Vorstand der posener Synagogengemeinde hat sich nunmehr in Uebereinstimmung mit der posener Repräsentantenversammlung sämtlichen Thesen der Frankfurter Resolution angeschlossen mit der Maßgabe, daß in These 3 anstatt „bedauern und mißbilligen" gesagt wird „bedauern". Es haben sich nunmehr — soweit uns bekannt geworden ist — folgende Gemeinden der Erklärung angeschlossen: Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Berlin, Bingen, Bochum, Darmstadt, Essen, Frankfurt a. M., Fürth i. B.,

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