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Liberales Judentum · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. Seite 76

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Herr Ar. Wohlgemutst und dir Richtlinien 0 O o o zu übergeben", gebracht werden; muß nicht von unserer Seite etwas getan, etwas nachgegeben werden, um uns unsere Rinder, unsere Jugend, unsere ins Leben hinaustretenden und von demselben umstürmten Brüder zu erhalten?"9) Ob dieser Zacharias Frankel, der im Jahre solches niederschrieb, zu einer Zeit, da er sich für seine gemäßigte Reform auf den „noch tief in der Vergangenheit wurzelnden Volkswillen" berief, der erkannte, daß „der. direkte Ramxf gegen die Meinung des Volkes ein unheiliger und fruchtloser" sei, der zu „Mißtrauen und Unwillen" führe, der als sein wissenschaftliches Bekenntnis das bedeutsame Reformxrinzip aufstellte: „Die (theologische) Schule allein entscheidet nicht. Das Leben stößt manches im Laufe der Zeit zurück; und es wäre ein vergeblicher versuch dem Volke aufzudringen, was es zurückweiset. Der Gesamtwille gibt den Ausschlag dort, wo er behalten will und steht über Schule und Autorität; es vermögen aber diesem analog auch Schule und Autorität nicht der Vorschrift Leben zu geben, der der Wille widerstrebt oder die aus der Tätigkeit des Volkes entwichen ist"^°) —; „das uns Durchwehende und Durchdringende sei die Satzung, und was sich überlebt haben wird, das kann im Gegenteil nicht durch Satzung wieder aufgefrischt werden. Wird das Volk das hebräische Gebet zurückweisen, wird es weder an seiner Form noch an seinem Inhalt Gefallen finden, muß ihm anderes, und wenn auch von der frühesten Mischnah diese Gebete anempfohlen wären, gegeben werden,— ob dieser Zacharias Frankel nicht aus seiner heißen Liebe zum Judentum und seinem glühenden Eifer, dasselbe zu erhalten, nicht unseren posid) Zeitschrift für die rel. Interessen des Judentums 1844, S. 16 s. 10) ibidem S. 26, 24, 21. n) Aus Frankels Gutachten über das Hamburger Tempelgebetbuch, abgedruckt: Orient Nr. 7, S. 54. tiven Richtlinien seine Autorität verliehen hätte? vielleicht mit manchen Modifikationen, denen wir um der Einheit des Judentums willen gern beigestimmt hätten? Aber Zacharias Frankel und sein Seminar ist — trotz seiner Rechtsschwenkung nach der Frankfurter Rabbinerversammlung — von der Orthodoxie des Jahres nicht glimpflicher behandelt worden, als die Unterzeichner der Richtlinien von der Orthodoxie des Jahres \%2. „wir aber," so heißt es in einem Artikel des Hirsch'schen Ieschurun,^) „die wir ohne Winkelzüge an die Göttlichkeit der traditionellen Gesetzeserklärungen am Sinai glauben, wir sagen eurem Meister (nämlich dem Seminar-Direktor Frankel), daß seine Grundsätze ihn aus dem verbände des Judentums aus scheiden und ihm keinen Anteil lassen an der Gemeinschaft mit Israel." Nun behauptet zwar die Orthodoxie, sie könne unmöglich nach 'ihrem Prinzip auch nur die geringste Gesetzesaufhebung zulassen und beruft sich hierbei sogar auf die Autorität des Maimonides und des Moses Mendelssohn.^) Allein Maimonides ist seiner in Mischne Thora ausgesprochenen Theorie selbst nicht treu geblieben, da er in More nebuchim von der Notwendigkeit der Opfer nur „zur damaligen Zeit"^) spricht, und seine Ansicht von der Unveränderlichkeit des Religionsgesetzes ist bereits von Rreskas in seinen: Werke Or Adonoi und Joseph Albo in seinen Ikkarim mit wissenschaftlichen Grün- Jeschurun VII, S. 214. Vgl. S. 209 ff. 253, 257, 265 s. Seite 266 beschuldigt S. R Hirsch selbst „Herrn Frankel" des „die Göttlichkeit der Thora schebealpeh leugnenden Sadduzäismus"!!! Tout comme chez nous. 13) s. „Die Religion im Bunde mit dem Fortschritt" „von einem Schwarzen" (S. R- Hirsch) S. 18 sf. ") More III, 35 (11. Klasse.)

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