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Liberales Judentum · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. Seite 70

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 Rundschau: Bonn — Hamburg o o o o Richtlinienstreit ein sehr zu begrüßendes Zeichen frischen religiösen Lebens sei. An das Referat, das 'frei von jeglicher polemischer Schärfe war, schloß sich eine zum Teil sehr erregte Debatte an, in der von seiten der Orthodoxie und des Zionismus Einwendungen erhoben wurden, die alsbald von den Vertretern der liberal-religiösen Anschauung gebührend zurückgewiesen wurden Bericht über dir Versammlung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland (Ortsgruppe Kann) am Dienstag, 25. Febr. OlZ, abends 9 Uhr Vor einer sehr zahlreichen Versammlung hielt Herr Rabbiner Dr. Norden einen etwa ^Mündigen Vortrag: „Die Richtlinien des liberalen Rabbinerverbands und ihre Bekämpfung." Er erinnerte an seinen Vortrag, den er vor etwa Jahren hier in Bonn gehalten habe über die Notwendigkeit der liberalen Bewegung. Die heutigen Richtlinien seien inzwischen festgesetzt worden, wozu er mitgeholfen habe. IVenn auch noch keine vollkommene Einrichtung, so seien sie doch freudig begrüßt und vielfach, auch von einer großen Zahl von deutschen Rabbinern, anerkannt worden. Freilich chabe es auch an ihrer Bekämpfung nicht gefehlt. Hierauf ging der Redner näher ein und zeigte an vielen Beispielen, besonders über die Ehegesetze, die Notwendigkeit einer Reform. Die neuen Richtlinien sollten hauptsächlich auch der Ge wissensnot steuern, in die so viele durch die veralteten Gesetze und Ueberlieferungen gerieten. Nach dem lebhaften Beifall, der dem Redner gezollt wurde, kam zunächst Dr. Edelstein zu Wort. Er warnte vor den neuen Richtlinien und betonte vor allem den nationalen zionistischen Standpunkt, der sich naä seiner Auffassung in Gegensatz zu der liberalen Bewegung im Judentum stelle. Dies fand in der Versammlung lebhafter Widerspruch. Während in seiner Entgegnung Dr. Norden v in versöhnlichster weise dagegen sprach, daß Liberalismus und Zionismus grundsätzliche Gegner seien und ebensc Dr. Lichtenstein die gemeinsame Gefahr hauptsächlich betonte, die dem gesamten Judentum durch den Antisemitismus drohe und es vereinen müsse, griff Rabbiner Dr. Ralischer den Zionismus als Störenfried in scharfer weise an. Besonders fühle er sich durch die drohende angreifende weise verletzt, die .der Hauptvertreter der hiesigen zionistischen Gruppe angewandt. Nicht das Nationalbewußtsein, sondern die Religion allein müsse das Judentum erhalten. Im übrigen bekannte er sich zwar als liberaler Jude, erklärte aber seinerseits den Richtlinien niemals zustimmen zu können. Nach einer scharfen in's persönliche übergehenden Replik von Dr. Edelstein führte Rechtsanwalt Dr. Tohn in logischer weise aus, daß der Zionismus gar nichts mit den Richtlinien zu tun habe, indem die große Mehrzahl der Zionisten schon längst diese Richtlinien befolge, meist aber noch weit hierüber hinausginge. Dürften doch selbst Atheisten sich noch als Zionisten bekennen. An der weiteren Diskussion beteiligten sich noch die Herren Goldreich, Silberbach und Bernstein. Im Schlußwort betonte Rabb. Dr. Norden mit Recht, daß wie überall, so auch hierin Bonn sich zwar viele Gegner gezeigt, hiervon aber sich keine als richtig orthodox bezeichnet hätten. Jeder habe von vornherein erklärt, auch auf liberalem Standpunkt zu stehen. ' Erst nach \2 Uhr schloß der Vorsitzende Herr Louis David die sehr anregend verlaufene Versammlung. Verschiedene neue Mitglieder zeichneten sich in die aufliegenden Listen ein. Bericht über die Versammlung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. (Ortsgruppe Hamburg), Jugendorganisation, am 3. März \$\5. Zur Versammlung am Montag, 3. März hatte die Jugendorganisation die weitesten Üreise der indifferenten jüdischen Jugend und die jugendlichen Hauptführer der gegnerischen Parteien durch persönlich ausgestellte Eintrittskarten eingeladen. Herr Dr. Müller eröffnete gegen 9 Uhr die Versammlung und hieß die Anwesenden im Namen der Vereinigung herzlich willkommen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich bald alle mit den Ideen und Idealen des liberalen Judentums vertraut

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