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Liberales Judentum · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. Seite 71

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
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o o o o Rundschau: Hamburg 71 machen und in unsere Rechen eintreten wür- ] den. Sodann erteilte er das Wort dem Referenten, Herrn f} a n s Liebeschütz, zu seinem Referat: „Das liberale Judentum und die Jugend." Redner beschränkte sich darauf, die Aufgaben des liberalen Judentums zu skizzieren. Einerseits beschrieb er die geschichtliche Macht des Judentums, andererseits die moderne Wisfenschaft in Naturbetrachtung und Historie. An der Verbindung dieser beiden zu arbeiten sei die Hauptaufgabe des liberalen Judentums. Als zweiter Referent ging Herr Siegfr. Urias von dem Gedanken aus, daß sich das Verhältnis zwischen Judentum und Jugend seit der Befreiung aus dem Ghetto geändert habe, daß der junge Jude heutzutage durch die Erkenntnisse der Wissenschaft und Philosophie schon früh gezwungen sei, Stellung zum Judentum zu nehmen. Wolle man aber vorurteilslos an das Judentum herantreten, so müßte man es als rein geschichtliche Erscheinung auffassen. Als solche lasse sich das Iudenmtu von drei bedeutsamen Gesichtspunkten betrachten: dem der Religion, der Konfession und Nation. Das Judentum basiere auf dem allgemein religiösen Gefühl, das in jedem Menschen sei, als Konfession habe es diesem allgemein religiösen Gefühl Ausdrucksformen gegeben — im Gegensatz zum Christentum, welches das Gefühl durch Dogmen zum Bewußtsein bringen wolle. Diese Ausdrucksformen seien im Gegensatz zum religiösen Gefühl durch Ort und Zeit bestimmt, also veränderlich, dem Gesetz der Entwicklung unterworfen. Als Nation habe das Judentum aufgehört zu existieren, und da diese schon zu ihren Lebzeiten sich als unfähig und dem religiösen Gedanken entgegengesetzt erwiesen habe, sei sie historisch unmöglich und glattweg abzulehnen. Mit einem Hinweis darauf, daß das liberale Judentum in seiner Entwicklungsfähigkeit gerade der stets fortschreitenden Jugend ein lebendiges Judentum werden könne, schloß der Referent und rief die Anwesenden zur freudigen Mitarbeit in der Jugendorganisation auf. In der nun folgenden Diskussion ergriff zuerst Herr Dberrabbiner Dr. ferner- Altona das Wort und versuchte, den orthodoxen Standpunkt als den allein berechtigten darzustellen, indem er die alten Linwürfe gegen die liberale Idee erhob. Er sagte, daß eine „Offenbarung" im liberalen Sinne eine christliche Idee sei und sich auch bei Hegel finde. Sodann richtete er Angriffe gegen die „Richtlinien", welche allerdings gar nicht zur Detatte standen, und bemängelte besonders an ihnen den Abschnitt über die Bejchneidung! (?) Auch empfahl er, Mendelssohn, Grätz, Zunz rc. zu lesen, die von den Liberalen als ihre Gesinnungsgenossen betrachtet würden. Diese könnten den Liberalen von heute noch recht viel lehren. Seine Ausführungen gipfelten schließlich in der alten Behauptung, daß das liberale Judentum das Sprungbrett zur Taufe sei. Herr Specht entgegnete, daß das liberale Judentum gerade im Gegensatz zu dem, was Herr Dr. Lerner sagte, bestrebt sei, den Kern des Judentums aus dem Wust der Erscheinungsformen herauszufinden. Für die orthodoxe Auffassung der „Offenbarung" im Sinne einer Verbalinspiration gäbe es für kritisch-denkende Menschen gar keine Rechtfertigung. Außerdem sei es falsch, zu sagen, das liberale Judentum führe zur Taufe. Es sei aus dem Gang der Geschichte ganz klar und natürlich nachzuweisen, daß gerade die Orthodoxie der Urgrund für die heute so zahlreichen Iudentaufen sei. Herr L i p p st a d t klagte als Orthodoxer und Zionist einerseits über Unwissenheit, andererseits über Kälte gegenüber dem Nationalismus in den Kreisen der Liberalen. Herr Hermann Urias ging von dem Gedanken aus, daß doch Orthodoxie und liberales Judentum dasselbe Ziel hätten, daß nur ihre Methode verschieden^ wäre. Er legte die Schwächen der orthodoxen Auffassung von der „Offenbarung" dar, das Hemmnis, das die Orthodoxie zur Kultur bilde, und endlich die oft häßliche Auffassung des Gebets. Dem setzte er die lebendige Kraft, in in der liberalen Auffassung von Offenbarung, Sittlichkeit und Gebet läge, schroff entgegen. Herr stud. med. Wolffsberg warf dem Vorredner vor, er habe sich widersprochen, indem er erst Aufhebung des Zeremonialgesetzes verlangt (?), dann aber doch Ausdrucksformen gefordert habe. Wenn man eines aufhebe, solle man auch alles aufheben! (?) Sodann behauptete er, die

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