Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 66 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Gedichte eines deutschen Juden Mit Rettung ihrer selbst beschäftigt, Verkennen sie den Gang der Zeit, Zndes die Menschheit, neu gekräftigt, Sich ihrem neuen Gotte weiht. Dem Gotte, der zum Menschen nimmer, Nur durch den Menschen zu uns spricht, Und der durch Zeiten - Schutt und Trümmer Sich immer neue Wege bricht. Den man so lang ans Buch gebunden, Er riß sich los, der freie Geist, Und in sich selbst hat er gefunden, U)as fruchtbar sich, weil wahr, erweist. Fortwirkt durch alle Zeitendauer Der Segen nun und nicht der Fluch: wir finden mit der Ehrfurcht Schauer Den neuen Gott im alten Buch. Gottempfinden. von Gott zu wissen: Eitles Sehnen, Das. schwer sich zu bescheiden lernt! Und doch: je näher wir ihn wähnen, Ze weiter sind wir ihm entfernt. Um Gott zu wissen: Die Erfüllung Des höchsten, was der Mensch vermag! Die Sonne tritt aus der Verhüllung Und strahlend grüßt der klare Tag. Rein Bild wir fürder mehr begehren von dem Erzeuger all des Lichts; Genug, wir seh'n es sich bewähren Zm Leuchten uns'res Angesichts. wir legen ruhig Sinn und Güte Der Welt in seine Vaterhand Und fühlen unsres Daseins Blüte, Sinnvolle Güte, ihm verwandt. M h n e wem je die seligste Minute Mehr als ein leiser Traum erschien, Zn dem sein Weh nur scheinbar ruhte, Um bald verstärkt heranzuzieh'n; wem es nicht durch die hellste Stunde wie eine dunkle Wolke glitt, Daß er an seines Lebens Wunde Auch da noch im geheimen litt; wem es auf seine reinsten Tage Nie einen bösen Schatten warf. Gott. Daß selbst das Glück noch eine Frage, Die einer Antwort erst bedarf; Za, wer im langen Rausch der Freude Als bitt'res Unrecht nie empfand, Daß er für sich ein Gut vergeude, Das sich den anderen entwand; Der wandle froh und unbekümmert, was immer auch das Elend spricht, Die Welt, die er sich selbst gezimmert. Sie freilich braucht des Gottes nicht! Ruhe, großer Gottgedanke, Dieser Tag ist dir geweiht, Daß die Menschheit da, die kranke, Heilung finde durch die Zeit. Zeit, als Flamme sich verzehrend Zn der Arbeit Siedeglut, wird zum Lichte, still verklärend, Zn der Seele, die da ruht. Sabbat.! Und gefallen mit der Rette! Zst der Wahn, der uns betrog, Sabbat kommt, daß er errette, was die Woche niederzog. Bei der Lichter Glanz erneuert Er der Seele Friedensfest, Daß, von neuem Mut befeuert, Sie Aegyptens Zoch verläßt. Bei dem Rlang der alten Lieder Löst sie sich vom schweren Bann, Froh verkündend, daß sie wieder Zhrer Heimat sich besann.