Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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o o O o Gedichte eines deutschen Inden 65 müssen, weil er Ausflüchte suchte, wo er der Jugend sein Herz hätte öffnen müssen, weil er einen Riegel vorgeschoben, wo er das Tor weit hätte auftun müssen. Sollte ein solcher Zustand etwa den wünschen jüdischer Eltern entsprechen? wenn nicht, so darf niemals der versuch gemacht werden, die Freiheit des Lernens und des Lehrens zu unterbinden. Sehen wir doch bei andern Bekenntnissen, welch' gefährliche Waffe es ist, Gedanken und Lehren in Fesseln schlagen zu wollen. ZedeLinschränkung der Lehrfreiheit würde den sicheren Tod für unseren Glauben bedeuten. Das haben unsre alten weisen klar erkannt, darum haben sie es den Lehrern nicht nur gestattet, sondern es ihnen geradezu zur Pflicht gemacht, der Jugend auf ihre Fragen Rede und Antwort zu stehen. Sie haben klar erkannt, daß eine Unterbindung der Lehrfreiheit ein schweres Unrecht wäre, nicht so sehr an den Lehrern, als vielmehr an der Jugend, der lebhaften, strebsamen, bildungsfähigen, wißbegierigen Jugend, die an den Lippen des Lehrers hängt, und die es nun und nimmer verstehen wird, wenn er ihre aus warmem Kerzen kommenden Fragen mit kalter Miene abweist. Darum ziemt es uns, an unsere weisen aus dem Altertum zu denken und an ihre Verordnung, daß wir die Fragen unserer Rinder nach bestem wissen und Gewissen beantworten, ja Fragen aus ihnen hervorlocken sollen. Es ziemt uns, an ihre Anschauung zu denken, daß der Jugend das heilige Recht zu steht, zu fragen, und die Erwachsenen die heilige Pflicht haben, ihr zu antworten mit aufrichtigem Gerzen und liebevollem Sinn. kinkehr und Abwehr. Gedichte eines deutschen Juden von kmil äpiegel. III. Das wieder gefundene Paradies. Zch glaub' es nicht, daß sie nicht wollen, Die nicht nach Gott verlangend schau'n. Mich dünkt, daß sie mit sich nur schmollen. Mich dünkt, daß sie sich nur nicht trau'n. Sie seh'n den Garten, reich und prächtig, Sie lockt der Duft von all den Beeten, Zndes, die Angst ist allzumächtig, Zn jenen Zauber einzutrsten. Zu laut, zu oft ward es gepredigt. Sie müßten stark sein, ihn zu meiden, So haben sie sich sein entledigt Und lernten die Entbehrung leiden. Doch, die die Scheu erst überwunden, Die sich das Recht des Herzens wahrten, Zhr Eden haben sie gefunden Auf's neue in dem alten Garten. Nicht bloß das Böse und das Gute, Ein Ziel auch wissend alles Strebens, Genießen sie mit frohem Mute Die reifste Frucht vom Baum des Lebens. Der neue Gott. Der Gimmel freilich ist verschwunden Aus uns'rem Bilde der Natur, Doch hat zu Gott zurückgefunden Auch ohne ihn die Rreatur. Nur, die ihn, ach, so lang verwaltet. Sie kommen nicht mit dem zurecht, was sich aus Eigenem gestaltet Ein priestermündiges Geschlecht.