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Liberales Judentum · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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o o o Herr Ar. Mshlgrrrmth und dir NichtLinien 53 h<lt nach ihm wert in (Lottes Augen.^) Unter i den Worten „Bund Gottes mit Israel" ver- | steht er vor allem die sozialen Gebote und den Sabbat, auf dessen Heiligung er dringt?9) Die Gpfer werden, wie manche Stellen zeigen, als Tatsache hingenommen, aber ohne irgendwo besondere Beachtung zu finden?9) Nur derjenige Prophet, den die späteren Gesetzeslehrer wegen seiner offensichtlichen Widersprüche mit den religionsgesetzlichen Bestimmungen der Thora, aus dem Aanon Her Bibel ausschließen wollten,29) Ezechiel, der Priester-Prophet, fordert nachdrücklich den religiösen Kultus! Aber selbst bei diesem finden sich antigesetzliche Stellen (vgl. 20, 25: Ich gab ihnen schlechte Satzungen). Und wie aus den Prophetenreden, hallt es wie ein mächtiges Echo aus den schönsten Psalmen: Liebe verlangt Gott und keine zeremoniellen Dpfer. Aber selbst zur Zeit, da das Religionsgesetz bereits allgemeine Anerkennung gefunden, da es als charakteristisches äußeres Gepräge des Judentums angesehen war, fiel es keinem der großen Lehrer im Ernste ein, das Zeremonialgesetz gegenüber den ewigen Wahrheiten und sittlichen G r u n d g e b o t e n als das wesentliche zu bezeichnen. Diese Großtat blieb erst der allerneuesten (Orthodoxie und ihrem Wortführer Dr. wohlgemuth Vorbehalten. von Rabbi Iehuda hanasi24) bis zu Samr‘) )• Jer. 3, 16; 4, 4; 7, 6; 31, 33 u. a. St. bes. 7, 21 f. 1S) s. Jer. 3, 18; 34, 8; 17, 21. Der Sabbat wird .auch in Deutero-Jesaja (56, 2; 58, 13) hervorgehoben. 19) f. Jer. 17, 26; 33, 10, 18. — Jes. 56, 7.. -°) f. Talmud babli Menachoth 45a: Wäre nicht Chananja Len Chiskia gewesen, so hätte man das Buch Ezechiel ausgeschlossen, weil seine Worte den Worten der Thora widersprechen. 21) Aboth II, 1: „Sei achtsam auf das leichtwiegende Gebot wie auf das schwerwiegende!" son Raphael pirsch-9) gibt es immerhin eine große Anzahl von Rabbinen, die zwischen den Geboten der Thora, sei es den zeremoniellen, sei es den ethischen, keinen Rangunterschied zulassen?9) Die maßgebendsten und philosophisch Gebildeten freilich unterscheiden zwischen den zeremoniellen Geboten als dem Mittel24) und den ethischen als dem Zweck. 22) f. Vorrede zu Choreb; in den „neunzehn Briefen" (S. 53), freilich heißt es in unserem Sinne: „Also Grundbegriffe: Gerechtigkeit und Liebe; und Erziehung dazu." 23) Unter den Religionsphilosophen insbesondere A b r a v a n e l, der in feinem Buche Jeschuot Meschicho heftig gegen die Aufstellung von „Grundlehren" sich wendet. Vgl. zu dieser Frage übrigens die bedeutungsvolle Auseinandersetzung Hermann Cohen's in seiner „Charakteristik der Ethik Maimunis" (S. 78, Bd. I des M a i m o n i d e s - Werkes der Ges. z. Ford, der Wissenschaft des Judentums). 24) Entweder als erziehliche Mittel zur Sicherung der Sittlichkeit oder als Abwehrmittel (auch als Reaktion) gegen Heidentum und andere Religionen, zur Selbstbehauptung des Judentums. Die erstere Ansicht vertreten unter den Talmudlehrern vor allem Rab (Arika), von dem der berühmte Ausspruch herrührt: „Die Religionsgesetze find nur zu dem Zweck gegeben, unr die Menschen sittlich zu läutern" (Midrasch Schocher tob zu Psalm 18, 31 am Anfang, und an anderen Stellen) und R. Joseph, der den kühnen Satz aussprach, daß einst alle Zeremonialgesetze aufgehoben werden (Talmud babli Nidda 6la; vgl. dazu Midrasch Schocher tob zu Psalm 148, 7: „Gott wird dereinst alle unreinen Tiere zum Genuß gestatten" und Midrasch Mischte zu 9, 2, wo von der Aufhebung der Festtage die Rede ist). Ganz besonders bezeichnend und beweiskräftig ist die Stelle aus dem Midrasch Tanchuma zu Schemini, wo es heißt: „Was macht es dem lieben Gott aus, ob Jemand ein Tier nach der Vorschrift schachtet oder anders schlachtet? Tut er Gott damit einen Gefallen oder schadet er ihm? Oder was macht es deni lieben Gott aus, ob Jemand etwas Unreines oder Reines ißt? Mer die Religionsgesetze sind zu dem Zweck gegeben, um den Menschen sittlich zu läutern, wie es in den Sprüchen Salomons heißt: „Bist du weise, so bist du weise für dich." Bedeutsam ist, daß die Talmudlehrer von dem heidnischen Proselyten nur die Anerkennung der jü-

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