Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Herr Ar. Mshlgemuth und die Richtlinien o o o o dem Heldentum hatte es die Reinheitsgesetze/) Gemeinsam mit dein Heidentum hatte es Feste, hatte es religiöse Symbole. Gemeinsam mit dem Heidentum hatte es die Observanzen, die das Alltagsleben durchzogen?) Zu Ehren der Astarte wurde den kanaanitischen Jungfrauen vor ihrer Vermählung das Haar abgeschnitten?) Die römischen Priester mußten vor der Gottheit ihr Haupt verhüllen/) die Beschneidung war und ist zum Teil noch ägyptische, arabische, äthiopische, phönizische, kolchische, syrische und afrikanische Sitte. Raum eine Zeremonie, kaum ein Sinnbild, kaum eine Satzung — vielleicht mit der einen einzigen Ausnahme des Sabbats'") — gibt es im Judentum, wofür sich im Heidentum nicht eine parallele Nachweisen ließe. was das Judentum aus dem Heidentum heraushebt, was ihm seine einzigartige historische Bedeutung, seine religiös-originale, alle Völker überragende Größe verleiht, was sein eigentliches Wesen ausmacht, das sind seine religiösen Wahrheiten und sittlichen Grundgebote. Darin stimmen alle Zeiten und alle Richtungen des Judentums — bis auf Herrn Dr. wohlgemuth überein. Oder wäre es wirklich nur Jesus gewesen, der zu dem Schriftgelehrten sprach 6) s. Bertholet, reli g io ns geschich.tlich es Lesebuch S. 31 (bei den Chinesen). Döllinger a. a. O. S. 170 und S. 197 ff. (bei den Griechen). In ausgedehntestem Maße finden sich Reinheitsgesetze beim Parsismus (s. Bertholet a. a. £>. und Döllinger a. a. O. S. 373 ff. und die oben genannten allgemeinen Werke über Religionsgeschichte), bei den Römern (s. Döllinger a. a. O. S. 533). 7) vgl. Köhler „lieber den Ursprung und die Bedeutung der Zeremonien im Judentum" in der Allg. Zeit. d. Jud. 72. Jahrgang (1908) S. 462. 8) f. Döllinger a. a. O. S. 399. 9) s. lt. a. die Abbildungen von Numa Pompilius und römischen Priestern in Beckers Weltgeschichte 2 I S. 306 und 310. 10) s. übrigens Artikel Sabbath in der Jetvish Enchklopädia; ferner Smend, Rel.-Gesch. S. 139. „Das vornehmste Gebot vor allen Geboten ist das: ,Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig; und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allem vermögen'. Das ist das vornehmste Gebot. Und das andre ist ihm gleich: ,Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst.' Ls ist kein ander größer Gebot denn diese." „In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten"?n) Haben nicht schon die ältesten Schöpfer unserer Liturgie das Schema Iisroel d. h. die Lehre von der Einheit Gottes und das Gebot der Liebe zu Gott in den Mittelpunkt des jüdischen Gottesdienstes gerückt? Hat nicht Hillel das Wort geprägt: „was Du nicht willst, daß man Dir tu, das tu Deinem Nächsten nicht! Das ist das ganze Religio n s g e s e tz" V12) Hat nicht Akiba das königliche Gebot der Nächstenliebe: „Du sollst Deinen Nächsten lieben als Dich selbst", als das Wesen des Judentums erklärt?^) Tönt nicht aus allen Prophetenreden der eine gewaltige Grundakkord: Sittlichkeit will Gott und keinen Rultus? „Liebe verlange ich und nicht Schlachttiere, Gotteserkenntnis und nicht Opfer."") Rein einziger Prophet der älteren Zeit dringt auf Beobachtung der Zeremonialgesetze. Amos, Hosea, Jesaja reden mehr als geringschätzig von dem zeremonialen Rultus.'6 7 8 * 10) Ieremia hält auf Zeremonien ebensowenig wie seintz Vorgänger?8) Nur die ethische Gesinnung u) s. Cvaiig. Markus 12, 29, Matthäus 22, 37—38, Galater 5, 14. iS) Talmud babli Sabbath 31a. Vgl. Philo. (Eusebius Präp. Ev. 8, 7, 6) und Tobit 4, 15. 13) Sifra zu 3. Mos. 19, 18. Talmud jer. Nedarim 41e und sonst. ii) Hosea 6, 6. __ i5) s. Amos 4; 4; 5, 25. Hosea 3, 4. Jesaja 1, 11 f. 29, 13. A6) f. Jer. 6, 20; 9, 23; 14, 12 u. a. St.