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Liberales Judentum · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. Seite 51

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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o o Herr Ar. Wshlgeumth und die Richtlinien 51 ganzen Heidentum hatte es die Opfer, die schon der Midrasche) und vor allem Maitnonides^) als Anpassung an heidnische Sitten 3) s. Vt idrasch Wajikra r a b b a zu 3/M os. 17, 3: Es .war einmal ein Prinz von unreiner Begierde. Er. pflegte Fleisch von gefallenen oder zerrissenen Tieren zu esson. Da sprach der König, sein Vater: Er soll von jetzt ab an meinem Tische essen; dann wird er von selbst an bessere Sitten sich gewöhnen. Der Prinz ist Israel. Es hatte sich in Aegypten dem Götzendienst ergeben und seine Opfer den Dämonen dargebracht, wie geschrieben steht (3. M. 17, 7) „Sie sollen ihre Opfer, nicht ferner den Dämonen darbringen." Da sprach Gott: Sie sollen ihre Opfer m i r im Stiftszelt zu jeder Zeit darbringen, damit sie vom Götzenkult geheilt werden. 4) s. M ore n e b il ch i m III, 32.. Die wichtigsten Stellen dieses bedeutsamen 'Kapitels lauten in der Nebersetzung: Der Uebergang von einem Extrenr in das andere kann nicht plötzlich erfolgen; es wäre unnatürlich, vom Menschen zu verlangen, daß er plötzlich seiner ganzen Lebensweise entsage. Als daher Gott unsren Lehrer Rose sandte, uin aus uns ein „Reich von Priestern" zu rnachen und „ein heiliges Volk", zu einer Zeit, in der das Opfern von Tieren. ein in der ganzen Welt allgemein verbreitete Kultus war, da entsprach es lncht der Weisheit und den: Ratschluß Gottes, lllls zu gebieten, daß w-ir ganz von dieser Art Kultus lassen und ihn aufgeben; denn das wäre etwas gewesen, lvofür bei den Menschen, die nun eimnal am Gewohnten haingell, kein Verständnis vorhanden gewesen wäre. Es wäre das etwa so gewesen, wie wenn in unsrer Zeit ein Prophet aufstände, der zur Verehrung Gottes mit den Worten aufriefe: „Gott will, daß ihr nicht zu ihm betet und nicht fastet und seinen Beistand anrilfet in der Zeit der Not, sondern euer Gottesdienst bestehe in der Gesinnung anstatt in der äußeren Tat." Aus diesem Grunde hat Gott diese Arten von Kultus gelaffen und nur dabei angeordnet, daß sie llicht mehr irdischen Geschöpfen und nichtigen Gebilden der Phantasie, sondern seinenr heiligen Namen gelten sollten. So ist durch dieses weise göttliche Mittel der Zweck erreicht wordell, daß der Götzendienst allsgerottet und dafür die große erhabene Grund lehre von dem Dasein und d e«r Einheit Gottes unter uns befestigt wurde, ohne daß durch Aufhebung des gewohnten Kultus ulld Einführung eines anderen Gottesdienste^ ihr Geist verwirrt ansieht. Gemeinsam mit dem Heidentum hatte es die Speisegesetz eZ. Gemeinsam mit und von der Religion abwendig geinacht worden wäre. Wie Gott die Israeliten nicht - auf dem direkten Wege durch das Land der Philister, sondern auf dem Umweg durch die Wüste in das gelobte Land ziehen ließ, so loareu die Opfergesetze ein Umweg zu dem Hauptziel: der Gottcserkcnntnis. ö) Spei fege setze gab es bei vielen alte» Völkern. Das bezeugt schon die Thora selbst, wenn sie erzählt, daß Noa, der zweite Stammvater des Menschengeschlechts, vori ben „reinen" Tieren je sieben Paar, von den „unreinen" je ein Paar in die Arche mitnehmen sollte, und wenn unter den sieben noachidischeu Verboten schon Speifeverbote aufgezählt werden. Bei ben Aegyptern, den Persern, den Hindus lind den Arabern gab es Speiseverbote, die deneil der Israeliten in manchen Dingen außerordentlich ähnlich sind. Vierfüssige Tiere, deren Klaue nicht gespalten ist und Raubvögel sind bei.den Hindus verboten. Die Aegypter enthielten sich des Geliusses der Säugetiere, die keine gespaltene Klaue hatten, der Raubvögel und der Fische. Bei den Sabäern sind die Säugetiere, die nicht Widerkäuer sind, und alle Raubvögel untersagt. Auch die Griechen und Römer hatten gewisse Speise- Verbote. Plinius berichtet, daß der König Numa verboten habe, Fische zu essen, die keine Schlippen haben. Wer in Griechenland an den eleusinischen Mysterien teiluehmeu wollte, inußte sich niancher Tiere, selbst mancher Früchte enthalteli. — Daß die Speisegesetze mit den Opfern zusammenhingen und anfangs vielleicht mir auf die Priester beschränkt waren, scheint aus Ezechiel 44, 31 hervorzugehen, wo es ausdrücklich heißt: „Alles Gefallene und Zerrissene (Neweloh und Trefoh) von Vögeln und von Vieh sollen die Priester nicht essen." Auch im 3. Buch Mos. 22, 8 heißt cs nur vom Priester, daß er Neweloh ulid Trefoh nicht essen dürfe, da er dadurch unrein würde. In demselben Buche 17, 15 ist freilich das Verbot dann auf ganz Israel ausgedehnt. Wer sich für diese ganze Materie interessiert, der sei auf das wissenschaftlich wertvolle Werk von Wiener, die jüdischen S p e i s e g e s e tz e hingewiesen. Die Belege für obige und alle anderen Zitate siehe Döllinger, Heidentum und Judentum; Chantepie de la Saussaye, Lehrbuch der Religionsgeschichte; 8. Reiiiach, cultes, niythes et religions: M. Jastrow, the study of religion.

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